Das freie Frankreich. Das BCRA : London › Algier › Paris

Memorandum zur Reorganisation des SR in London, 26. November 1941. © SHD

Der Nachrichtendienst des Freien Frankreichs, historisch bekannt unter dem Namen Zentralbüro für Aufklärung und Aktion (BCRA), werden am 1. Juli 1940 in London gegründet. Es bedarf jedoch etlicher Monate, bis die Dienste des Colonel Passy wirklich einsatzbereit sind. Im Laufe der Zeit werden sie ihr Wirkungsfeld erweitern und lernen, mit den Briten zusammen zu arbeiten.

Corps 1

Im Jahr 1947 schrieb sein Gründer, “das BCRA, war eine spontane Kreation, die, in ihrer besonderen Art, zu einer beständigen Kreation wurde, und sich ohne Unterlass an die besonderen Umstände anpasste und mit jedem Tag wuchs. Zunächst ein Zwerg, wurde bald ein Riese daraus”.

Es gibt mehrere entscheidende Abschnitte in der Geschichte dieses Zwerges, der zum Riesen wurde. Dazu gehört sicherlich der Herbst 1941, was ein Memorandum, das am 26. November 1941 von Colonel Passy, dem Leiter des Aufklärungsdienstes (SR) des Freien Frankreichs an den Kapitän des Schiffes Ortoli, Generalstabschef (EMP) von General de Gaulle verschickt wurde, bezeugt. Die Reorganisation des Dienstes zeugt von starkem Ehrgeiz: In einem einzigen Dienst alle geheimen Aktivitäten zu vereinigen, damit General de Gaulle über eine wirksame Waffe verfügt.

From the 2nd bureau to the SR

The secret services of Free France were born on 1 July 1940 with the appointment of a young graduate of the prestigious Ecole polytechnique, engineering corps captain André Dewavrin (see slideshow), soon to be known by the name of Passy, to head the 2nd bureau of General de Gaulle's staff. Everything had still to be constructed in London, and this 2nd bureau was a de facto intelligence service (SR or service de renseigment) responsible for finding its own intelligence in France. Officially designated the ”Service de Renseignement” in April 1941, it collaborated with the British Secret Intelligence Service, which routed agents across the Channel or through Spain and provided them with means of communicating with London, particularly by radio. Apart from the adoption of the new name in April, the first real change came in June 1941, with the creation of a new section - the Operations section - tasked with working with another British secret service, the Special Operations Executive (SOE), created in July 1940 to provide a link with inhabitants of occupied territories who were determined to carry out subversive operations against the enemy. From summer 1941, the SR thus strove to establish contacts with the groups of resistance fighters that were developing in France.

Corps 2

Vom 2. Büro zum SR

Der Geheimdienst des freien Frankreichs entsteht am 1. Juli 1944 zum Zeitpunkt der Ernennung eines jungen Diplomingenieurs, André Dewavrin (siehe Tonbildschau), der bald unter dem Namen Passy bekannt wird, Leiter des 2. Büros des Generalstabs von General de Gaulle. Alles muss nun also in London aufgebaut werden, und dieses 2. Büro ist ein Aufklärungsdienst (SR), der beauftragt ist, in Frankreich Informationen zu sammeln. Im April 1941 offiziell ”Service de Renseignement” benannt, arbeitet der Dienst mit dem britischen Secret Intelligence Service (SIS) zusammen, der die Überfahrt der Agenten über den Ärmelkanal oder über Spanien ermöglicht und ihnen die Mittel zur Verfügung stellt, mit London insbesondere über Funk zu kommunizieren. Abgesehen von der Annahme eines neuen Namens im April, kommt die erste wirkliche Veränderung im Juni 1941, als eine neue Sektion, die section Action - gegründet wird, die den Auftrag hat, mit einem anderen britischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten, dem Special Operations Executive (SOE), gegründet im Juli 1940, um die Verbindung mit den Einwohnern der besetzten Gebiete zu sichern, die entschlossen sind, subversive Aktionen gegen den Feind auszuführen. Ab Sommer 1941 versucht der SR Kontakte mit den Gruppen von Widerstandskämpfern aufzunehmen, die sich in Frankreich bilden.

Vom SR zum BCRAM

Die Situation entwickelt sich im Herbst 1941, was Passy dazu veranlasst, eine umfangreiche Reorganisation seines Dienstes vorzuschlagen und ihn in Bureau central de renseignements et d'action militaire (Zentralbüro für Aufklärung und militärische Aktion) (BCRAM) umzubenennen. Jedoch wird im Memorandum vom 26. November das Akronym BCRA genannt, das das Adjektiv ”militaire” vernachlässigt (siehe Tonbildschau).

Es geht zunächst darum, die Aktivität der Aufklärungssektion aufzubauen, die von seinem Stellvertreter André Manuel (siehe Tonbildschau) geleitet wird, deren Ergebnisse entscheidend zur Glaubwürdigkeit des Dienstes bei den Briten beitragen.

Passy will auch die Aufklärungssektion aufstocken. Jean Moulin, der im Oktober in London eingetroffen war, wartet darauf, nach Frankreich zurückzukehren, um die Verbindung mit drei wichtigen Widerstandsbewegungen in der Südzone zu sichern. Seine baldige Abreise weist auf eine Entwicklung der geheimen militärischen Aktion hin. Trotzdem muss man bis März 1942 warten, damit die Sektion Aktion grundsätzlich reorganisiert wird: Die Sektion Action Études et Coordination, die bald Maurice Duclos (Saint-Jacques) übernimmt, entwickelt Sabotagepläne, die die Widerstandsorganisationen im Hinblick auf die zukünftige Landung in Frankreich ausführen sollen, während eine Sektion Action Missions, unter der Leitung von Raymond Lagier (Bienvenüe), sich um die operative Verbindung mit dem OSE kümmert, die mit der Anwerbung der Agenten, ihrer Ausbildung, ihrer Überstellung nach Frankreich und der Überwachung ihrer Arbeit vor Ort betraut ist. Im Herbst 1941 will Passy sich zusätzlich auf die Flucht (Sektion E) konzentrieren, und eine neue Sektion schaffen, die der Spionageabwehr gewidmet ist (CE). Es scheint effektiv sehr wichtig, die Sicherheit der Agenten und der Organisationen angesichts der Aktionen der Dienste zu deren Unterdrückung von Seiten Vichys zu verbessern. Jedoch trifft ein Spezialist der Spionageabwehr in London ein Roger Warin (Wybot) ist aus Frankreich geflohen, wo er in der Spionageabwehr Vichys, dem Bureau des menées antinationales diente (siehe Die Geheimdienste von Vichy). Er erstellt und leitet bis Oktober 1942 die Sektion CE, die hauptsächlich damit betraut ist, alle Freiwilligen des Freien Frankreichs zu befragen und eine umfassende Datei der feindlichen oder sympathisierenden Personen in Frankreich zu erstellen.

Die Organisation des SR wird neu gestaltet, zunächst nur vorübergehend am 22. Dezember, und dann definitiv am 17. Januar 1942. Der Dienst wird endgültig in BCRAM umbenannt: Das ”M” unterstreicht, dass er nunmehr alle geheimen militärischen Aktivitäten in Frankreich zusammenfasst. Jedoch hat de Gaulle eine strikte Trennung von den politischen Missionen auferlegt, mit deren Organisation das Commissariat national à l'Intérieur (CNI) betraut wird.

Vom BCRAM zum BCRA

Es bedarf mehrerer Monate, bis sich der Leiter des freien Frankreichs des Versagens der Organisation bewusst wird: Ab Juni 1942 ist das BCRA - das ”M” verschwindet also - für alle geheimen Missionen in Frankreich zuständig. Theoretisch handelt es sich um einen reinen Vollzugsdienst, um die militärischen Befehle von Oberst Bilotte, Leiter des EMP und die politischen Anweisungen von André Philip, der nach seiner Ausschleusung aus Frankreich zum Leiter des CNI bestellt wird, auszuführen. In der Praxis entwickelt das BCRA militärische Pläne, die es dann selbst in Frankreich umsetzt, und seine wichtigsten Führungskräfte, Passy, André Manuel und Pierre Brossolette (siehe Tonbildschau) sind entscheidend an der Entwicklung der in Frankreich verfolgten Politik beteiligt.

Auf dieser neuen Basis erlangt das BCRA eine gewisse Stabilität während eines Jahres, auch wenn im Inneren geringere Reorganisationen an der Tagesordnung sind. Im März 1942 hatte der Dienst seine neuen Räumlichkeiten in der Duke Street Nr. 10. Seine Kräfte, in London wie in Frankreich, bleiben 1942 bescheiden, aber erfahren in Folge bedeutende Zuwächse: Im November 1941 sind in London 23 Personen beschäftigt, im Juli 1942 sind es 77, 119 im Februar 1943 und Anfang 1944 dann 421; die Sektion R schickt 1941 18 Agenten nach Frankreich, 1942 sind es 26, 1943 schon 55 und 70 im Jahr 1944, noch vor der Landung; die Sektion Action entsendet vor der Landung in der Normandie zwischen 200 und 250, wobei auch hier ein deutlicher Anstieg ab der zweiten Hälfte des Jahres 1943 zu bemerken ist, noch ausgeprägter im Jahr 1944.

Der unvermeidliche Zusammenschluss

Im November 1942, als die Landung in Nordafrika stattfindet, hat das BCRA keine wirklichen Kontakte mehr in dieser Region, von der es die alliierten Kräfte ferngehalten hatten. Zur Rivalität, die zwischen General de Gaulle und General Giraud entsteht, kommt jene zwischen ihren Geheimdiensten hinzu. Nicht erstaunlich, da diese Dienste die einzigen Kanäle darstellen, über die die beiden Anwärter auf die Leitung des französischen Kriegseinsatzes den Kontakt mit ihrem Land aufrechterhalten. Das BCRA betrachtet sehr kritisch das Eintreffen von Offizieren, die Vichy gedient hatten und die Leitung der Untergrundarbeit auf Grund ihrer sogenannten technischen Überlegenheit beanspruchen. Der Wettkampf verschärft sich in Frankreich, wo bestimmte Organisationen zwischen den Generälen de Gaulle und Giraud schwanken, und in Algier, wo das BCRA im März 1943 eine kleine Zweigstelle unter der Leitung von André Pélabon einrichtet.

Definitiv stellt der Aufbruch von General de Gaulle, Billotte und Philip, die London verlassen, um sich Ende Mai 1943 nach Algier zu begeben und die Schaffung des Comité français de la libération nationale (CFLN) eine Verlegung des Entscheidungszentrums in die weiße Stadt dar. Ein Zusammenschluss der Geheimdienste ist unvermeidlich, um die Konsistenz der Regierungsarbeit in Frankreich zu sichern. Ein langsamer, schmerzhafter Vorgang, die sich über mehrere Etappen erstreckt und sich letztlich als nicht perfekt herausstellt. Nach einem ersten Versuch im Oktober 1943 unter der Leitung von General Cochet, schließen sich die Geheimdienste von General Giraud und jene von General de Gaulle im November im Rahmen einer Generaldirektion der Nachrichtendienste (DGSS) unter Jacques Soustelle, einem treuen Gaullisten, zusammen. Passy, Manuel und Pélabon nehmen Schlüsselpositionen ein, was beweist, dass die Gaullisten die Oberhand haben, aber auf den niedrigeren Rängen werden die Männer des Freien Frankreichs von einer Welle von französischen und nordafrikanischen Offizieren, häufig aktives militärisches Personal überrollt, die nicht den gleichen Werdegang haben.

Das Ende des BCRA?

Streng genommen verschwindet das BCRA mit der Gründung der DGSS. Tatsächlich werden die Geheimdienste, die aus dem Ausland arbeiten noch häufig mit diesem Namen bezeichnet. Eine Tendenz, die dadurch verstärkt wird, dass die beiden wichtigsten Basen der DGSS in London und Algier BCRAL und BCRAA genannt werden. Die Aktion in Frankreich wird weiterhin hauptsächlich von London aus gesteuert, dem historischen Sitz des BCRA: Dort findet der Austausch mit den britischen Diensten und Behörden statt, und dort sind die geheimen Sendestationen installiert und von dort heben die Flugzeuge ab, die Geld, leitendes Personal, Anweisungen und Waffen nach Frankreich bringen.

Jedoch nimmt das BCRA einen geringeren Stellenwert ein und übernimmt eher die Aufgabe eines einfachen Ausführenden. Auf politischer Ebene folgt Emmanuel d'Astier Philip an der Spitze des CNI im November 1943. Trotz lebhafter Meinungsverschiedenheiten mit Passy ist er bestrebt, eine Handlungsfreiheit zu erlangen, die das BCRA stark eingeschränkt hatte. Auf militärischer Seite, gleich nach der Landung in der Normandie, gehen die an den Widerstand gerichteten Instruktionen nicht mehr von den Geheimdiensten aus, sondern von einem Generalstab der Forces françaises de l'intérieur (EMFFI) unter Leitung des Helden von Bir-Hakeim, General Koenig.

Im Laufe des Sommers 1944 kehren die Führungspersönlichkeiten aus London und Algier nach Paris zurück. Der Krieg ist jedoch noch nicht zu Ende: er geht im Osten Frankreichs, in Deutschland, sowie in Indochina weiter. Die Geheimdienste haben ihre Rolle zu spielen. Sie werden bald unter dem Namen Generaldirektion für Studien und Forschungsarbeiten (DGER) bekannt, für Viele bleiben sie jedoch “das BCRA”: Für Manche eine Art, diesen Dienst mit den glorreichen Stunden des Freien Frankreichs in Verbindung zu bringen, für Andere den Zusammenhang zwischen den Kritiken, denen das BCRA im Laufe der vergangenen Jahre ausgesetzt war, und jenen, die nun die DGER hervorruft, herzustellen.

Sébastien Albertelli

Doktor der Geschichte

WEITERE INFORMATIONEN

Die Archive des BCRA sind in mehreren Unterserien sortiert (GR 28 P 2, GR 28 P 4, GR 28 P 5).

  • Memorandum sur la réorganisation du SR à Londres, 26 novembre 1941. © SHD

  • Fiche d?engagement d?André Dewavrin, recto. © SHD

  • Fiche d?engagement d?André Dewavrin, verso. © SHD

  • Fiche d?engagement d?André Manuel, recto. © SHD

  • Fiche d?engagement d?André Manuel, verso. © SHD

  • Fiche d?engagement de Pierre Brossolette 1, recto. © SHD

  • Fiche d?engagement de Pierre Brossolette 1, verso. © SHD

  • Fiche d?engagement de Pierre Brossolette 2, recto. © SHD

  • Fiche d?engagement de Pierre Brossolette 2, verso. © SHD