Die Schlacht der Glières

Sous-titre
31. Januar - 26. März 1944

Das Plateau der Glières. Quelle: Association Haute Savoie Nordic
Das Plateau der Glières. Quelle: Association Haute Savoie Nordic

 

Ab Ende 1942 finden viele junge Franzosen, die vor der Arbeit in Deutschland geflohen sind, Zuflucht auf dem Plateau der Glières bei Annecy im Département Haute-Savoie, in 1.500 m Seehöhe. 

Corps 1

 

Das Plateau der Glières. Quelle: Association Haute Savoie Nordic

 

 

Die Vereinigten Résistance-Bewegungen (MUR) bemühen sich, sie zusammenzuschließen und ihnen eine militärische Ausbildung zu geben. Trotz mangelnder Mittel und der Repression werden die Maquis (Widerstandsgruppen) im Sommer 1943 immer zahlreicher.

Der Kommandant Romans-Petit (Organisator der Geheimarmee (Armée secrète, AS) im Département Ain und Leiter der AS im Département Haute-Savoie von November 1943 bis Februar 1944) gründet eine Kaderschule in Manigod im Bornes-Massiv nahe des Plateaus der Glières.

 

Maquisards (Widerstandskämpfer). Quelle: Generalrat des Départements Haute-Savoie

 

 

Die Geheimarmee (Armée secrète) braucht Waffen, um den Feind bei der Landung der Alliierten zu bedrängen. Eine Mission wird von London entsandt, um die Region nach eventuellen Gebieten für Fallschirmabwürfe zu erkunden. Tatsächlich ist sie vor allem damit betraut, die Kapazitäten des Maquis zu beurteilen und setzt sich nur schwer in der bereits gut organisierten lokalen Widerstandsbewegung durch. 

 

Fallschirmabwürfe. Quelle: Foto von Raymond Perrillat. Conseil Général de la Haute-Savoie/ Fonds Association des Glières. 

 

Diese Mission besteht aus dem englischen Oberstleutnant Heslop (Xavier) und dem französischen Hauptmann Rosenthal (Cantinier). Von den untersuchten Gegenden wird das Plateau der Glières ausgewählt. Dieses große Almgebiet ist relativ abgelegen, besitzt große, ziemlich ebene Weiden in einiger Entfernung zu hohen Bergen und ist dank seiner Ausrichtung über dem See von Annecy leicht zu finden.

Fallschirmabwürfe. Quelle: Foto von Raymond Perrillat. Conseil Général de la Haute-Savoie/ Fonds Association des Glières. 

 

Ende Januar 1944 übergibt Romans-Petit das Kommando der Maquis an Leutnant Tom Morel. Seine Aufgabe besteht darin, die von den Engländern mit ca. hundert Mann zugesagten Fallschirmabwürfe in Empfang zu nehmen. 

Tom Morel. Quelle: Foto von Raymond Perrillat. Conseil Général de la Haute-Savoie / Fonds Association des Glières. 

 

 

Am 6. Februar 1944 muss er nach Ain, wo seine Maquis von den Deutschen angegriffen werden. Er übergibt die Verantwortung des Départements an Hauptmann Clair, der von Cantinier als Verbindungsoffizier mit London unterstützt wird. Zwei Tage später ist er bei einer Versammlung in Annecy entschlossen, möglichst viele Maquisards auf dem Plateau zu versammeln, um eine Angriffsbasis gegen die Deutschen einzurichten. Er will den Alliierten zeigen, dass die Résistance unter der Führung von General de Gaulle in der Lage ist, großangelegte Aktionen auszuführen.

 

Aufmarsch am Plateau der Glières. Quelle: Union Française des Associations de Combattants de Bagnolet

 

Ende Januar 1944 „steigen“ 467 Maquisards unter Leitung von Leutnant Morel „auf das Plateau“ der Glières, um eine echte befestigte Bastion zu organisieren, welche den Schutz eines Gebietes sichert, das für Luftoperationen als ideal angesehen wird. 

 

London, das die Bildung großer Rückzugsstellungen plant, um die deutschen Truppen für die künftige Landung zu binden, hat den Fallschirmabwurf von Waffen, Material und eines britischen Bataillons versprochen. Doch bald schon ist das Plateau von den Deutschen umzingelt. Es trifft keine Hilfe ein. Am 9. März wird der Anführer der Maquisards, Leutnant Morel, von einem Offizier der mobilen Gruppen der Reserve von Vichy (GMR) getötet. Morel wird durch Hauptmann Anjot ersetzt.

 

18. Oktober 1944, Friedhof von Morette: der Dritte von rechts, Roger Cerri, trägt den Sarg von Hauptmann Anjot, vor ihm jener von Leutnant Dancet und gefolgt von jenem von Feldwebel Vitipon.  Quelle: Alain Cerri

 

 

Begräbnisfeierlichkeiten für Morel. Quelle: Foto von Raymond Perrillat. Conseil Général de la Haute-Savoie / Fonds Association des Glières. 

 

 

 

Joseph Darnand mobilisiert Milizsoldaten und die GMR, die das Plateau umstellen. Unterstützt von der Luftwaffe und der Artillerie, einer Alpinabteilung der Wehrmacht (6.700 Männer), starten die Mobilgarde, die GMR und Milizionäre, insgesamt mehr als 2.000 Franzosen, unter Leitung von General Marion und Oberstleutnant Lelong den Angriff. 

 

Deutscher Angriff. Quelle: Foto von Raymond Perrillat. Conseil Général de la Haute-Savoie / Fonds Association des Glières. / Association des Glières

 

 

Corps 2

 

Am 27. März müssen die Maquisards nach einer Woche schwieriger Kämpfe bei Schnee und Kälte, ohne schwere Waffen und unter pausenlosem Bombardement durch die Luftwaffe und die Artillerie aufgeben. Sie lassen 155 Tote und 30 Verschollene zurück. 160 werden gefangen genommen. Der Großteil dieser Maquisards wird gefoltert und dann erschossen oder deportiert.

 

Das Ereignis findet großen Widerhall im Rahmen des Krieges im Äther und die Résistance gewinnt nach und nach die Kontrolle über das Département zurück.

Am 1. August wird ein neuer massiver Fallschirmabwurf durchgeführt. Mehrere Tonnen Waffen werden eingesammelt und an mehr als 3.000 Widerstandskämpfer verteilt. Die Kämpfe zur Befreiung des Départements beginnen am 16. August.

Am 19. kapitulieren die deutschen Truppen vor den Maquisards, die nicht auf die Ankunft der alliierten Truppen warteten, die Grenoble noch nicht erreicht haben.

 

 

De Gaulle auf den Glières. Quelle Alain Cerri

 

Am 5. November 1944 besucht General de Gaulle, provisorischer Regierungschef der Republik, den Friedhof von Morette, um die Kämpfer der Glières und die Bevölkerung, die sie unterstützt hat, zu würdigen. Er erklärt: „Dank der Glières konnte ich große Fallschirmabwürfe für die Résistance erreichen.“ Das Plateau nimmt nunmehr den Platz in der Geschichte Frankreichs ein, der ihm gebührt.

 

 

André Malraux weiht das Denkmal ein. Quelle: Foto von Raymond Perrillat. Conseil Général de la Haute-Savoie / Fonds Association des Glières. / Association des Glières

 

Das Denkmal für den Widerstand von Emile Gilioli wird am 2. September 1973 von André Malraux eingeweiht.

 

Das Denkmal: Quelle: Foto von Gérard Métral / Association des Glières

 

Eckdaten:

 

31. Januar 1944:   Ankunft von drei A.S.-Lagern (ungefähr 120 Mann) auf dem Plateau unter Schutz der Freischaren von Thônes.

5. Februar:              Beginn der Operationen mit einer Razzia der Miliz in Thônes. Zusammenstoß mit den Freischaren,

7. Februar:              Die Mobilgarde schießt in L’Essert ohne Vorwarnung auf etwa sechs Personen des Nachschubs und nimmt drei Maquisards gefangen,

12. Februar:            Eine große Abordnung der Mobilgarde gerät, wieder in L’Essert, auf Erkundung in einen Hinterhalt: zwei Tote, sechs Verletzte (davon zwei tödlich), drei Gefangene. Kein Verlust auf Seiten der Maquisards,

13. Februar:            Vollständige Umzingelung des Plateaus durch die Ordnungskräfte,

14. Februar:            erster Fallschirmabwurf: 54 Behälter,

2. März:                Strafexpedition gegen die GMR, die in Saint-Jean-de-Sixt einquartiert sind,

5. März:                zweiter Fallschirmabwurf: dreißig Behälter,

7. März:                die Mobilgarde wird von den G.M.R. abgelöst,

8. März:                Zusammenstöße mit der Miliz auf Erkundung am Col du Freu und den Collets: ein Milizionär wird tödlich verwundet,

9. und 10. März:       Handstreich gegen die in Entremont stationierten GMR: zwei Polizisten werden getötet (darunter der Kommandant Lefèvre), drei verwundet und sechzig gefangen genommen. Zwei Maquisards werden sofort getötet (darunter Leutnant Tom Morel), drei verwundet (einer davon tödlich).

10. März:              Als Vergeltung greifen die GMR in Richtung Notre-Dame-des-Neiges an und... geraten in einen Hinterhalt: zehn Gefangene. In der Nacht dritter Fallschirmabwurf: ca. 250 Behälter!

12. März:              Drei Heinkel 111 werfen ungefähr hundert Bomben zu fünfzig Kilo ab, die einige Hütten zerstören.

17. März:              Die Heinkel kehren zurück, um den Col des Auges, die höchste Stellung, zu bombardieren.

18. März:              Die Miliz löst die GMR an der Front ab.

20. März:              Angriff der Milizionäre in Rosière und am Col de Landron. Vier Maquisards auf Patrouille werden getötet.

22. März:              Zusammenstoß mit den Milizionären am Col du Freu.

23. März:              Vier Focke Wulf 190 bombardieren die Ebene von Dran: vier Maquisards werden verwundet (davon einer tödlich und einer schwer). Mehrere Hütten werden niedergebrannt.

24. März:              Die Wehrmacht bezieht am Fuße des Plateaus Stellung. Am Col de la Buffaz locken Milizionäre etwa sechs Maquisards in einen Hinterhalt: ein Maquisard wird getötet, ein weiterer schwer verwundet, aber ein Milizionär wird schwer getroffen und ein anderer gefangen genommen.

25. März:              Bombenangriff des Plateaus aus der Luft und Artillerieangriff auf Monthiévret.

26. März:              Am Morgen stecken die Flugzeuge die letzten Hütten in Brand und sprengen das Munitionslager.

Angriff der Milizionäre am Col de l‘Enclave zurückgeschlagen: zwei Tote, zwei Verletzte, vier Verschollene. Kein Verlust auf Seiten der Maquisards. Angriff der Deutschen in Lavouillon abgewehrt: zwei oder drei Verletzte auf ihrer Seite? Kein Verlust für die Maquisards. Am Abend Angriff und Durchbruch der Deutschen in Monthiévret: zwei oder drei Verletzte? Auf Seiten der Maquisards zwei Tote und einige Verletzte (davon einer schwer). In der Nacht, Befehl zum Abbruch...

 

27. März:              Hinterhalt in Nâves: sechs Maquisards werden getötet (darunter Hauptmann Anjot). Hinterhalt in Morette: ein Dutzend Maquisards werden getötet. Hinterhalt in Thorens: zwei Maquisards getötet.

Anm.: General Pflaum, der Kommandant der deutschen Streitkräfte, informiert seinen Vorgesetzten in der geheimen Nachricht Nr. 1363/44 vom 28. März, dass seine eigenen Verluste zwei Unteroffiziere und zwei schwer verletzte Soldaten sind, während sich die feindlichen Verluste auf 88 Gefangene und 35 Tote belaufen (die Deutschen hatten die drei Schwerverletzten des Maquis getötet).

                           

 

Die folgenden Tage: die Wehrmacht und, in geringerem Ausmaß, die Miliz töten und erschießen Maquisards und Ansässige...