Edgard de Larminat

1895-1962
Porträt von Edgard de Larminat. Quelle: SHD

(29. November 1895: Alès, Gard - 1. Juli 1962: Paris)

 

Nachdem er 1914 in die Schule von Saint-Cyr aufgenommen worden war, Jahrgang "Grande Revanche" (Große Vergeltung) setzt Edgard de Larminat, dessen Vater Forstbeamter war, die Tradition der Familie seit dem 17. Jahrhundert fort, als Staatsdiener zu arbeiten. Er wird bei den Jesuiten in Montfré und Postes erzogen, ist Schüler der Lyzeen von Gap und Troyes und meldet sich im Alter von 19 Jahren als einfacher Soldat zum 27. Infanterieregiment. Er wird dem 134. Regiment zugewiesen und nimmt an Sonderkursen der Schüler von Saint-Cyr teil und kommt dann nacheinander zum 321. und 121. Infanterieregiment. Im September 1917 wird er zum Hauptmann befördert und bis zum Ende des Krieges viermal durch Tagesbefehl ehrenvoll erwähnt, er wird dreimal verwundet, einmal durch Gas (im März 1918). Vor dem Fort von Vaux, wo er im Juni 1916 durch eine Granate verletzt wird, zeigt er beispielhaften Mut. Daraufhin wird er in die Ehrenlegion aufgenommen. Auf Grund seines unabhängigen und wissensdurstigen Charakters geht er 1919 zur Marine (in der Kolonialarmee), nachdem er die Ausbildung in Saint-Cyr abgeschlossen hat. Er wird nach Marokko geschickt, um die Politik von Marschall Lyautey auf den Weg zu bringen. Bei der Führung des 13. Bataillons der senegalesischen Infanterie von Ouezzane zeigt er sein ganzes Können und wird wiederum ehrenvoll erwähnt.

Seine Führung bei der Einkesselung von Kiffa in Mauritanien von 1923 bis 1926 bleibt in Erinnerung, wie auch seine Mission in Indochina von 1928 bis 1931. 1929 wird er Bataillonschef und nimmt von 1933 bis 1935 an Kursen der Militärhochschule teil. Hier fällt er durch seine umfassende Bildung und seine Fähigkeit auf, militärische Fragen zu durchschauen. Als Oberstleutnant wird er im Januar 1936 in die Levante versetzt, in der Funktion des Stabschefs des Generalkommandeurs im Mittleren Osten. Im März 1940 wird de Larminat zum Oberst befördert und weigert sich, die Waffen nieder zu legen: als General Mittelhauser beschließt, den Anweisungen der Regierung in Bordeaux zu folgen, bereitet er die Überführung der Truppen, die weiter kämpfen wollen, nach Palästina vor. Er wird verhaftet und flüchtet am 1. Juli nach Damaskus und dann in das Freie Frankreich, dem er mit nie versiegender Begeisterung dient.

In Ägypten organisiert er die französischen Kontingente aus Syrien und arbeitet dann an der Seite von General Legentilhomme in Djibouti. Als er bei einem Aufenthalt in London von dem Aufstand im Tschad, in Kamerun und in Französisch Äquatorialafrika erfährt, begibt er sich nach Leopoldville, von wo aus er die Übergabe der Garnison von Brazzaville am 28. August vorbereitet. Er setzt den Generalgouverneur und Truppenkommandeur ab und übernimmt die zivile und militärische Führung der vereinigten Territorien. Nach seiner Ernennung zum Brigadegeneral ist er Oberkommandierender und Generalgouverneur und später Hochkommissar bis zum Juli 1941, dem Zeitpunkt seiner Ernennung zum Generalmajor und seiner Rückkehr nach Syrien zu General Catroux. Im Dezember beginnt sein Abenteuer in Nordafrika. Als Kommandeur der französischen Truppen in Libyen nimmt er an der Western Desert - Schlacht teil und zeichnet sich in den Schlachten von Gazalla (Mai 1942) und El-Alamein (Oktober-November 1942) gegen Rommel aus.

Er organisiert die 1. Division des Freien Frankreichs, an deren Spitze er sein Vaterland während der letzten Operationen der Schlacht von Tunesien im Mai 1943 bei Takroune und Djebel Garci glänzend vertritt, wodurch er sich die Sterne eines Generalleutnants verdient. Nach seiner Funktion als Generalstabschef der Freien Französischen Streitkräfte bei dem Französischen Komitee für die nationale Befreiung im Juni - Juli übernimmt er das Kommando des 2. Armee - Korps im August 1943, mit dem er im Mai - Juni 1944 an der Schlacht von Italien als Adjutant des Kommandeurs des französischen Expeditionskorps in Italien teilnimmt. An seiner Spitze schreibt er vom 10. Juni bis zum 4. Juli die ruhmreichsten Seiten dieser Operation zwischen Viterbo und Siena in der Toskana und erhält eine neue ehrenvolle Erwähnung und die Krawatte eines Kommandeurs der Ehrenlegion. Am 16. August geht de Larminat in der Provence mit dem 2. Armeekorps an Land, kämpft vor Marseille, befreit Toulon und öffnet so den Weg zur Rückeroberung des nationalen Territoriums. Von Oktober 1944 bis Juni 1945 leitet er die Abteilung der Atlantikarmee beim Kommando der West - Streitkräfte und spielt eine entscheidende Rolle bei der Ausschaltung der deutschen Widerstandsnester von Lorient, La Rochelle, Rochefort und Pointe de Grave. Im Winter 1944 - 1945 führt er auch die Überführung der Einheiten der französischen Streitkräfte im Innern, die aus dem Maquis entstanden sind, in reguläre Einheiten durch. Die Armee, die Résistance und die Nation liefern ihm die Themen für drei Werke: L'Armée dans la Nation ; Bertie Albrecht, Pierre Arrighi, général Brosset, D. Corticchiato, Jean Prévost, 5 parmi d'autres (5 unter anderen) ; Que sera la France de demain ? (Wie wird das Frankreich von morgen aussehen?)


Als Compagnon de la Libération übt er von November 1945 bis Juli 1947 die Funktion des Generalinspekteurs der überseeischen Streitkräfte aus, wird 1950 zum ordentlichen Mitglied des Obersten Kriegsrats ernannt, wird Präsident des Militärausschusses der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (1951-1954) - ein Thema, dass er in seinem Buch Die europäische Armee vertritt -, wird 1953 zum General befördert, arbeitet 1955 als Inspekteur der kolonialen Truppen und geht am 29. November 1956 in die Reserve. Im Juni 1962 wird er zurück gerufen, als er gerade das Buch Chroniques irrévérencieuses (Respektlose Chroniken) abgeschlossen hat (Erinnerungen von seinen Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges). De Larminat wird zum Vorsitzenden des Militärgerichts berufen, vor dem der Prozess gegen die Anstifter des Aufstandes von Algier im April 1961 geführt wird. Der Prozess wird am 2. Juli auf dem Hintergrund des Endes des Algerienkrieges, einer zerrissenen Nation, einer umstrittenen Staatsgewalt und heftiger Pressekampagnen eröffnet. Vaterland, Armee, Treue zum Gaullismus... das Dilemma ist zu groß für De Larminat, der seinem Leben am Vorabend des ersten Verhandlungstages ein Ende setzt. Am 6. Juli hält General Dio die Grabrede im Hof des Invalidendoms und schließt sein Lob mit den Worten: "Möge der Gott der Armeen Sie behüten, mein General. Und möge Sie die Erde Ihres kleinen Dorfs im Jura freundlich aufnehmen. Ihre alten Waffenbrüder, die mit so vielen Erinnerungen mit Ihnen verbunden sind, werden Sie immer in Erinnerung behalten" General Edgard de Larminat ruht auf dem Friedhof von Montain im Jura.

 

ber den Selbstmord von de Larminat: www.larminat-jm.com Historia, n° 610, 615, 620, 632 Philippe Oulmont, Dir., Larminat, un fidèle hors série (Larminat, ein unvergleichlich treuer Mensch), Fondation Charles de Gaulle/Éditions LBM. Diffusion Ouest France, 2008