Georges Catroux

1877-1969
Porträt von General Catroux. Quelle: SHD

(29. Januar 1877: Limoges - 21. Dezember 1969: Paris)

 

Als Sohn eines Angehörigen des Militärs, der sich in den Schlachten des Zweiten Kaiserreichs in Nordafrika und Asien ausgezeichnet hatte, und einer genuesischen Mutter, hat Georges Catroux den Geist des Dienens und das Interesse an fernen Ländern geerbt. Nach dem Schulbesuch in Limoges, Angers und Rennes, den Garnisonsorten des Vaters, wird er Schüler der staatlichen Militärschule Prytanée von La Flèche und später, 1896, der Militärschule von Saint-Cyr, wo er dem Jahrgang "Grandes manoeuvres" (Große Manöver) angehört und wählt nach Beendigung der Ausbildung die Infanterie (Grenoble). Als junger Leutnant der Fremdenlegion wird er 1900 zu einer Befriedungsmission in die Sahara geschickt. Drei Jahre später wird er dem Gouverneur von Indochina, General Paul Beau, zugeteilt, bevor er nach Nordafrika zurück kehrt, zunächst nach Algerien, wo er Lyautey trifft, (einige Jahre später schreibt er un Lyautey le Marocain - Lyautey der Marokkaner), dann nach Marokko, wo er bis 1911 die Besetzung des Territoriums vorbereitet. Danach kehrt er nach Algier zu General Lutaud zurück. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs ist er Kommandeur des 2. Regiments der algerischen Infanterie. Er wird im Oktober 1915 bei Arras verletzt und kommt in Kriegsgefangenschaft, wo er Charles de Gaulle im Fort IX von Ingolstadt trifft.

1919-1920 ist er Mitglied der französischen Militärmission in Arabien und wird danach zum Gouverneur des Staates Damaskus ernannt, wo er die Verwaltung und die Regierung von Syrien aufbaut, bevor er als Militärattaché nach Konstantinopel geht. Seine Erfahrung in der Levante findet in dem Werk Deux missions au Moyen-Orient (Zwei Missionen im Mittleren Osten) von 1919-1922 ihren Niederschlag. Lyautey ruft ihn während des Rifkrieges nach Marokko zurück, von Juni bis Oktober 1925. Als er zu Henri de Jouvenel, dem Hochkommissar in der Levante versetzt wird, tritt Catroux für die Unabhängigkeit von Syrien und Libanon ein. Da diese These kein positives Echo findet, bittet er um seine Ablösung und kehrt 1927 in die Wüste zurück, an die Spitze des 6. Regiments der algerischen Infanterie in Tlemcen. Als Oberst und später General kommandiert er in Marrakesch von 1931 bis 1934, dann in Mülhausen und schließlich das 19. Armeekorps in Algier von 1936 bis 1939. Zum Zeitpunkt der Kriegserklärung im September 1939 ist Catroux seit drei Monaten Generalgouverneur von Indochina: Mandel hatte ihn am 21. August aus der Reserve in dieses Amt berufen. Nach dem Waffenstillstand muss er mit einer Regierung zusammen arbeiten, die keine fremden Truppen auf diesem Territorium duldet und die Beziehungen mit China und den Japanern vorantreibt, die unbedingt den Kontinent besetzen wollen, um Peking auszuschalten. Die Regierung Vichy ruft ihn am 26. Juli 1940 zurück. Er weigert sich, nach Frankreich zurück zu kehren und schließt sich dem Freien Frankreich an,via Singapur und Kairo. Nach seiner Ankunft in London am 17. September 1940 betraut ihn General de Gaulle mit der Aufgabe, den Anschluss der Staaten der Levante als Vertreter des Freien Frankreichs in dieser Region vorzubereiten. Als Mitglied des Verteidigungsrates des Empire, Oberkommandierender und Delegierter des Freien Frankreichs im Mittleren Osten ruft er im Juni 1941 die Unabhängigkeit Syriens und des Libanons aus. Am 19. Juli wird er durch Verfügung von General Wilson, dem Oberkommandierenden der britischen Truppen in dieser Zone, zum Hochkommissar des Freien Frankreichs in der Levante ernannt. Er nimmt an den auf die Landung in Nordafrika folgenden Verhandlungen teil und macht sich daran, nachdem er am 25. November 1942 zum Kommandeur der französischen Streitkräfte ernannt wurde, die überseeischen Gebiete unter seinem Kommando zu vereinigen. Gleichzeitig übernimmt er die Rolle des Vermittlers zwischen de Gaulle und Giraud. Als Staatskommissar im französischen Ausschuss für die nationale Befreiung wird er im Mai 1943 mit der Koordinierung der muslimischen Angelegenheiten beauftragt und verfasst den Beschluss vom 7. März 1944, in dem bestimmten Kategorien von Mohammedanern die französische Staatsangehörigkeit verliehen wird und andere die Möglichkeit erhalten, sie zu erwerben. Im Juni 1944 wird er Generalgouverneur von Algerien und durch die Verleihung des Befreiungsordens Compagnon de la Libération und wird am 9. September durch die provisorische Regierung der französischen Republik zum Staatsminister für Nordafrika ernannt.

Die Erfahrungen als Botschafter in der Sowjetunion von 1945 bis 1948 finden ihren Niederschlag in seinem Werk J'ai vu tomber le rideau de fer (Ich habe den Eisernen Vorhang fallen sehen. Nach seiner Rückkehr ist er diplomatischer Berater der Regierung und wird 1954 zum Großkanzler der Ehrenlegion erhoben. Als eine Kommission damit beauftragt wird, die Verantwortung für die Niederlage von Dien Bien Phu zu klären, schreibt er über diesen Krieg in Deux actes du drame indochinois (Zwei Akte des indochinesischen Dramas . 1955 wird er mit der Lösung der Unruhen in Marokko beauftragt und spielt eine wichtige Rolle in den Verhandlungen zur Rückkehr von Sultan Mohammed V., der in Madagaskar im Exil lebt. Im folgenden Jahr ist er Minister - Resident in Algerien, tritt aber wegen der gegen die Europäer gerichteten Demonstrationen zurück. 1961 ist Catroux Mitglied des Militärgerichts, das die putschenden Generäle (Challe, Zeller) und ihre Komplizen aburteilen soll. 1969 scheidet er aus dem aktiven Dienst aus, und der Compagnon de la Libération Georges Catroux stirbt am 21. Dezember im Krankenhaus Val-de-grâce. Er wird auf dem Friedhof von Thiais (Val-de-Marne) beigesetzt.