La première bataille de la Marne

Reims : Kathedrale und Rue Gambetta
Corps 1
In der "Schlacht an der Marne", einem riesigen Operationsgebiet mit einer Ausdehnung von etwa dreihundert Kilometern, konnte eine sehr gefährliche militärische Lage wieder hergestellt werden. Dieser Ort verbissener Kämpfe eröffnete den totalen und industriellen Krieg, den der Konflikt von 1914-1918 darstellte.Am 5. September 1914 erlässt der Oberbefehlshaber Joseph Joffre in seinem Hauptquartier in Châtillon-sur-Seine einen Tagesbefehl, der am nächsten Tag, dem 6. September, früh morgens verschickt wird. Diese unzweideutige Botschaft ist heute sehr berühmt: "In dem Moment, in dem eine Schlacht geschlagen wird, von der das Schicksal des Landes abhängt, muss man alle daran erinnern, dass jetzt nicht mehr zurück geschaut werden darf. Alle Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, anzugreifen und den Feind zurück zu schlagen. Eine Truppe, die nicht mehr vorrücken kann, muss, koste es was es wolle, das eroberte Gebiet halten und sich an Ort und Stelle töten lassen, statt zurück zu weichen. Unter den derzeitigen Umständen kann keinerlei Schwäche geduldet werden." Ab dem 6. September entwickelt sich die Schlacht an der Marne, und in einer außerordentlichen Anstrengung bringen die französischen Truppen eine sehr gefährliche militärische Lage wieder in Ordnung.Wie ist es dazu gekommen? Bei Ausbruch des Krieges stehen die Überzeugungen fest, sowohl bei den militärischen und zivilen Entscheidungsorganen als auch in der öffentlichen Meinung und bei den eingezogenen Soldaten. Der Krieg wird kurz sein. In Anbetracht der kolossalen Fortschritte in der Bewaffnung seit etwa dreißig Jahren kann sich niemand vorstellen, dass die nationalen Armeen das Feuer lange aushalten können. Der Krieg würde sicher durch ein paar entscheidende Schlachten entschieden, und man würde nach Hause gehen, um die Ernte zu Ende einzubringen. Diese Sicherheit erklärt zum Teil das "Einverständnis" der Frontsoldaten mit dem Krieg.
Corps 2


Der französische Angriffsplan (Plan XVII) ist ein Misserfolg und muss schnell aufgegeben werden. Die ersten französischen Offensiven im Elsass scheitern, während die Anwendung des Schlieffenplans, mit substantiellen Änderungen durch den jüngeren Moltke, mit seiner unerbittlichen Logik abläuft. Aber am 24. August, als die französischen Truppen überall auf dem Rückzug sind - der jedoch nicht zum Zusammenbruch führt, wenn drastische Maßnahmen strikt angewandt werden - fällt Joffre die ersten Entscheidungen, mit deren Hilfe die Gegenoffensive von nun an organisiert werden kann.

Heute wird die Schlacht an der Marne in einigen neueren Arbeiten anders interpretiert. Von nun an ist es unnötig, zu versuchen festzulegen, wem das Verdienst zukommt, Gallieni oder Joffre, die Gegenoffensive in Gang gebracht zu haben, die die militärische Lage der Franzosen wieder in Ordnung brachte. Allein Joseph Joffre als kommandierender General hat die vollständige Übersicht über ein Schlachtfeld, das sich über hunderte von Kilometern hinzieht, auch wenn mehrere Generäle eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung der Situation an der Marne gespielt haben. Also gebührt tatsächlich Joffre, seiner Weitsicht, der Organisation seiner strategischen Transporte und seiner eisernen Faust das Verdienst für die gesamte Operation.

Ein riesiges Operationsgebiet über 300 Km



Die Bezeichnung "Bataille de la Marne" ist etwas irreführend. Tatsächlich wüten die Kämpfe auf einer Ausdehnung von ungefähr dreihundert Kilometern, von Senlis bis Verdun. Die Chronologie der Schlacht selbst variiert auch, je nachdem, ob man den Westen dieser langen Front oder den östlichen Teil betrachtet. Im Westen wird das Ende der Kämpfe mit der Wiedereinnahme des Schlosses Mondement, am 9. September, eingeläutet. Von Sompuis bis Verdun, im Osten, gehen die Kämpfe bis zum 12. September weiter. So ist die "Schlacht an der Marne" ein weites Feld von Operationen, die einander gegenseitig überlappen. Man hätte dieses Ensemble von Kämpfen auch mit anderen Namen bezeichnen können. Die Befestigung von Verdun und ihre Umgebung haben eine entscheidende Bedeutung für die gesamte Front. Für die Deutschen markiert Verdun im September 1914 einen echten Wendepunkt zwischen dem vorrückenden Flügel des Schlieffenplans und dem linken deutschen Flügel, der Druck auf die Franzosen in Lothringen und Hauts-de-Meuse ausüben soll. Bei den Franzosen darf die immer isoliertere Festung Verdun unter dem Befehl von General Coutanceau nicht fallen, damit die Mitte der Front gehalten werden kann. Zwischen dem 10. und 13. September spielen sich verbissene Kämpfe um La Vaux Marie und Souilly ab. Auf etwa 300 Kilometer Front hängen die so genannten Kämpfe "an der Marne" alle miteinander zusammen. Es ist eine regelrechte Kette von äußerst brutalen Schlägen, wobei die beiden Gegner immer wieder versuchen, das Glied zu zerbrechen, das in den verschiedenen Stadien der Schlacht als das schwächste angesehen wird.Aber die Symbolik der Schlacht geht auch auf die Kämpfe an der Ourcq und im Zentrum zurück. An der Ourcq erhält die Armee Maunoury, die in Schwierigkeiten ist, Verstärkung durch die 7. Infanteriedivision, von der 5 Bataillone (nur 5 500 Mann) mit den durch Gallieni requirierten Taxis von Paris an die Front transportiert werden. Im Zentrum richten die Deutschen ihre Hauptkraft gegen die 9. Armee von Foch. Der rechte Flügel von Foch kann kaum den wütenden Angriffen der Armee von Hausen standhalten. Mondement, der Knotenpunkt der Verteidigung, hält sich dank der marokkanischen Truppen von Humbert und der Artillerie von Grossetti. Das Schloss Mondement wird am Abend des 9. September von den Zuaven und den Bretonen des 77. Infanterieregiments wieder eingenommen.

Die Schlacht an der Marne bildet einen Höhepunkt in der Grausamkeit des Krieges während des Feldzuges von 1914. Zunächst einmal ist das Feuer so mächtig, dass es selbst die Kämpfenden erstaunt. Man muss diese Kämpfe unter der doppelten Perspektive der Deutschen und der Franzosen und Engländer betrachten.Aus der Perspektive der Kommandierenden ist sicher der 9. September der wichtigste Tag in dieser Schlacht. Abgesehen von den Kämpfen um Mondement übt am selben Tag Oberstleutnant Hentsch, den Moltke zu Klück abgeordnet hat (das Hauptquartier von Moltke ist in Luxemburg geblieben) Druck auf letzteren aus, erklärt ihm die Gefahr seiner Position an der Spitze und überzeugt ihn, den Kampf zu unterbrechen. Die Tatsache, dass ein einfacher Oberstleutnant über das Schicksal mehrerer Armeen entscheiden kann, ist symptomatisch für die Mängel in der deutschen Führung während dieses Zeitraums. Hentsch, von einem kranken Moltke autorisiert, hat Entscheidungen getroffen, die seine Kompetenzen überschritten.

Aus der Sicht der kämpfenden Soldaten ist der Schock dieser Kämpfe schrecklich. Die Bewegungen der Armeen sind schnell, die Gegner kreisen sich ein, überholen sich manchmal gegenseitig. Im Lauf dieser Kämpfe vom September 1914, von denen einige nachts stattfinden, setzen sich bei den Soldaten beider Seiten brutale Handlungsweisen fest. Die Kämpfe von La Vaux Marie oder Vassincourt sind mindestens so gewalttätig wie die von Marais de Saint-Gond oder Mondement.

Es gibt etwas wirklich Neues in diesen Kämpfen. In den Schlachten der Vergangenheit, auch der jüngsten Vergangenheit, hatten niemals so viele Männer so verbissen mit so viel Material an einer so breiten Front gekämpft. Hiermit eröffnet die Schlacht an der Marne vom September 1914 wirklich den totalen und industriellen Krieg, den der Konflikt von 1914-1918 darstellt. Der Tribut an Menschenleben ist enorm. An den beiden zeitlichen und geographischen Extremen der Schlacht an der Marne fallen zwei Intellektuelle, die Symbole für diese französische Jugend sind, die gemeint hat, für die Zivilisation zu kämpfen. Am 5. September wird der Leutnant Charles Péguy in Villeroy an der Spitze seiner Soldaten des 276. Infanterieregiments getötet. Am 22. September fällt der Leutnant Alain-Fournier, der Autor des Grand Meaulnes, in den Kämpfen von Saint-Rémy la Calonne, am Morgen, nachdem er den Befehl über die 23. Kompanie des 288. Infanterieregiments übernommen hatte. Leutnants, die Kompanien führen, Hauptleute, die Bataillone befehligen, dies spricht Bände über den Umfang der Verluste an subalternen Offizieren.

Allein in den Schlachten von August und September 1914 fallen mehr als 250 000 junge Franzosen, d.h. mehr als in einem Jahr während der ganzen Schlacht von Verdun. Man kann nun verstehen, wie das Phänomen der Trauer die französische Gesellschaft seit dem Ende des Jahres 1914 durchdrungen hatte, was eine Verhandlungslösung mit dem Feind so gut wie unmöglich machte, denn diese grauenvollen Verluste durften nicht als unnötig empfunden werden.In der unmittelbaren Erinnerung sind die verschiedenen Kämpfer dieses anfänglichen Schocks von 1914 geehrt worden. Jeder kennt das Urteil, dass der besiegte von Klück über den wirklichen Sieger abgegeben hat, nämlich den einfachen französischen Soldaten, "dass Männer, die vierzehn Tage lang zurück gewichen sind, dass Männer, die halbtot vor Müdigkeit auf der Erde lagen beim Blasen des Signalhorns trotzdem wieder das Gewehr erfassten und angriffen, das ist etwas, womit wir Deutschen niemals zu rechnen gelernt hatten: das ist eine Möglichkeit, von der man uns in den Militärschulen niemals etwas gesagt hat." Das Kommuniqué, das Joffre am 13. September 1914 an das Kriegsministerium weiterleitet, endet mit dem Satz "Die Regierung der Republik kann auf die Armee stolz sein, die es vorbereitet hat".

Von der Versöhnung zur gemeinsamen Erinnerung



Heute, über den Gräbern, ist die Schlacht an der Marne eine gemeinsame Erinnerung vieler Menschen. Die Vereinigung "Mondement 1914" und andere sind sehr dynamisch im Lebendighalten dieser Erinnerung. Seit einigen Jahren treffen sich immer Anfang September Abordnungen alter Gegner, um die Emotionen der Erinnerung miteinander zu teilen.Aber es ist nicht mehr die Stunde der Kämpfe. Jetzt ist die Stunde des Verstehens der Phänomene gekommen, die zu einer solchen Explosion geführt haben. Sie gehört auch der Ehrung der hundert Tausenden von Männern, die auf beiden Seiten gelitten haben, für eine Sache, die unseren Gesellschaften heute nur schwer begreiflich erscheint. Es ist Aufgabe des Historikers, Dinge verständlich zu machen, die es heute in den Augen unserer Zeitgenossen nicht mehr sind.Durch ein Augenzwinkern der Geschichte haben diese Regionen der Champagne, die seit der Schlacht an der Marne und während des ganzen Ersten Weltkriegs so viel durchgemacht haben, auch den Beginn der französisch - deutschen Versöhnung gesehen. Die Treffen von de Gaulle und Adenauer in Colombey, Haute-Marne, haben die Grundpfeiler für eine Annäherung gelegt, die heute in dem Bau Europas weiterlebt. Die Kathedrale von Reims, schwer beschädigt durch die deutsche Bombardierung und das Feuer vom 19. September 1914, hat am 8. Juli 1962 die beiden großen französischen und deutschen Staatsmänner zu einer "Friedensmesse" empfangen und so eine Spirale des Krieges abgeschlossen, die 1914 in Schmerz und Gewalt begonnen hatte.