Le Soldat Inconnu

Corps 1
Der Unbekannte Soldat
Corps 2


Der Gedanke, im Pantheon einen Unbekannten Soldaten beizusetzen, war schon 1916 von dem Präsidenten des Souvenir Français von Rennes, M. Simon, geäußert worden. 1918 wurde er von M. Maunoury wieder aufgegriffen, einem Abgeordneten des Departements Eure-et-Loir, und von M. Crescitz, dem Präsidenten der französischen Gesellschaft in Bern. 1919 wurde dieser Gedanke von der Abgeordnetenkammer aufgenommen. Aber die ehemaligen Frontsoldaten, die meinten, es müsste ein einmaliger, einzigartiger Ort gewählt werden, forderten unter der energischen Führung des Schriftstellers und Vizepräsidenten der Liga der Kompaniechefs, Binet-Valner, dass der unbekannte Soldat unter dem Arc de Triomphe ruhen sollte. Am 8. November 1920 erreichte Präsident Georges Leygues dass die Abgeordneten einstimmig für folgendes Gesetz stimmten:

Artikel eins: die sterblichen Überreste eines der nicht identifizierten Soldaten auf dem Feld der Ehre des Krieges 1914-1918 erhalten die Ehren des Pantheons. Die Überführung dieses Soldaten wird am 11. November 1920 feierlich stattfinden. Artikel 2: An demselben Tag werden die sterblichen Überreste des unbekannten Soldaten unter dem Arc de Triomphe beigesetzt". Nun musste nur noch der unbekannte Gefallene ausgewählt werden. M. Honnorat, Minister für Bildende Kunst, organisierte das Verfahren, das so einfach wie möglich sein sollte. In acht Bereichen der Front - Flandern, Artois, Somme, Ile-de-France, Chemin des Dames, Champagne, Verdun, Lothringen werden nun die Leichen von Soldaten, deren persönliche Identität nicht festgestellt werden kann, die aber als Soldaten in französischer Uniform zu erkennen sind, in den Abschnitten exhumiert, in denen die mörderischsten Kämpfe stattgefunden hatten. Am 9. November werden die Gefallenen in acht Eichensärgen in der Zitadelle von Verdun aufgebahrt. Die Särge werden in der Kasematte mehrmals umgestellt, um die Anonymität und die Herkunft jedes der Gefallenen zu schützen.

Am 10. November werden sie in zwei Reihen zu je vier Särgen in dem Horchposten Nr. 1 der unteren Zitadelle aufgestellt. Die Wände sind mit weißen Tüchern verkleidet und mit französischen Fahnen geschmückt, auf denen Palmblätter befestigt sind. Mit blass lila Schleiern umhüllte Glühbirnen und in Granathülsen gesteckte Kerzen erhellen den Raum. Eine Kompanie des 132. Infanterieregiments in neuen, tadellosen Uniformen, Gewehr bei Fuß, hält die Ehrenwache. Um 15 Uhr geht M. André Maginot, Minister für Arbeit und Renten, auf einen der jungen Soldaten zu, erklärt ihm das Prinzip der Benennung und reicht ihm einen Strauß weißer und roter Nelken. Der Mann, dem diese Ehre zuteil wird, ist der Soldat Auguste Thin, ein Freiwilliger des Jahrgangs 19, Sohn eines im Krieg vermissten Soldaten und vom Staat versorgte Kriegswaise. Er ist sehr ergriffen, und sein Kopf schwirrt von Fragen: welchen von den acht Gefallenen soll ich benennen? Welcher von ihnen, von dem ich nichts weiß, kann Vertreter für die 1 500 000 Gefallenen werden?...

Nach seinen viele Jahre später abgegebenen Erklärungen, deren Aufzeichnung bei dem 132. Jägerbataillon der Landstreitkräfte in Suippes existiert, hat er folgende Überlegungen angestellt: "Mir kam eine einfache Idee: ich gehöre zum 6. Armeekorps. Wenn man die Ziffern meines Regiments zusammenzählt, 132, ergibt sich auch die Zahl 6. Die Entscheidung ist gefallen: es soll der 6. Sarg sein, an dem ich vorbei komme ". Der Soldat Thin setzt sich in Begleitung des Ministers, des Bischofs von Verdun Monseigneur Ginisty, von M. Thoumyre, Major Lespinasse, dem Bürgermeister von Verdun, M. Rohin, und ihrem Gefolge in Bewegung. Der Zug wendet sich nach rechts, macht eine Runde und geht an den vier Särgen auf der rechten Seite vorbei, wendet sich nach links, geht an dem 5. vorbei und hält vor dem 6. Sarg an. Auguste Thin legt seinen Strauß nieder und geht in Hab - Acht - Stellung : der Unbekannte Soldat ist ausgewählt.

Der Sarg wird auf eine Artillerie - Prolonge gesetzt, auf der er zum Bahnhof gebracht und nach Paris transportiert wird. Die sieben anderen Särge werden in die Nekropole "Faubourg Pavé" an der Einfahrt nach Verdun gebracht. Nach der Wahl, bei der die vollkommene Anonymität gewahrt blieb, bei der keine Identifizierung möglich ist, bei völliger Gleichbehandlung, ist der unter dem Arc de Triomphe ruhende Unbekannte Soldat die ständige und einzigartige Verbindung der ganzen Nation und ihres Gedenkens daran, was sie den Männern zu danken hat, die für ihre Freiheit gekämpft haben. Dieses Symbol, das von vielen anderen Ländern nachgeahmt wurde, wie z.B. von Kanada, Großbritannien, Belgien, den Vereinigten Staaten und Australien, ist unsterblich und allgemeingültig. Es ruft das berühmte Gedicht der Fremdenlegion in Erinnerung: "Wer weiß, vielleicht ist der Unbekannte, der unter dem riesigen Tor ruht, kein Sohn Frankreichs durch das Blut, mit dem er geboren ist, wohl aber durch das Blut, das er vergossen hat ". (Pascal Bonetti, 1920, Le volontaire étranger - Der freiwillige Fremdenlegionär)
  • Le 10 novembre 1920, Verdun. Source : collection SHD