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Marc Montalembert

1714 - 1800
Marc René de Montalembert . Foto SHAT

Marc René de Montalembert wird am 15. Juli 1714, am Ende der Herrschaft Ludwig XIV in Angoulême geboren. Er stammt aus einer alten adligen Familie des Poitou, wo er durch seine Geburt dem Waffenstand zugesprochen wird und sich für eine Militärlaufbahn entscheidet. Beim Erbfolgekrieg von Österreich hebt er sich hervor und wird 1742 zum Gardekapitän des Prinzen von Conti ernannt. 1747 schließt er sein akademisches Wissenschaftsstudium ab und wird vom Duc de Choiseul entdeckt, der ihn beauftragt, die schwedischen und russischen Stäbe während des 7-jährigen Krieges, in welchem er vor allem die Vormärsche in Pommern leitet, zu verfolgen. 1761 wird er zum Feldmarschall ernannt und dient ab dann in der Bretagne. Gleichzeitig arbeitet er an einem Werk über die Kunst der Festungsanlagen.

Die letzten Jahre des Alten Régimes sind von dem Unwillen zur Erneuerung der Militärarchitektur geprägt. Cormontaigne wird als einer der Erben Vaubans angesehen, die Pläne des Marc René de Montalembert stehen in einem krassen Gegensatz zu denen des berühmten Marschalls. Als gelernter Artillerist bevorzugt er im Gegenteil zu Vauban eine konzentrierte Festung, von der aus er dem Feind mit einer großen Feuerfront aus zahlreichen Kanonen gegenübertreten kann, was präziser und stärker als die frühere Strategie ist. So hat er viele Kanonengießereien gegründet, darunter die Schmieden von Ruelle nicht weit von seiner Geburtsstadt entfernt. Während der Umstrukturierung der Artillerie durch den Generalleutnant de Gribeauval empfiehlt Graf von Montalembert, die Kanonen bei der Verteidigung an erster Stelle zu verwenden und nicht das Gewehr, welches der Oberwehranwalt der Festungsanlagen von Ludwig XIV bevorzugt. Zwischen 1776 und 1794 veröffentlicht er die elf Bände seines Hauptwerkes « Die senkrechte Verteidigung oder Verteidigung ist besser als Angriff. Marc René de Montalembert ist davon überzeugt, die Festungen an die Waffenentwicklung anpassen zu müssen und rät dazu, die Schlachtfelder aus den Mauern der Festungen zu entfernen und bricht mit den von Vauban errichteten Bauwerken mit Aussenecken und einspringenden Winkeln der Bastionen und deren Verbindungsmauern. Er tritt als Vorreiter auf und bewirkt dadurch die Ankuft von Festungen mit einem Polygonzug, der durch die Kanonentürme und Schießgruben verstärkt wird, jedoch keine Bauten für die Verteidigung nach vorne besitzt. Die vom Graf von Montalembert vorgeschlagene architektonische Aufteilung besitzt mehrere Festungen, die sich gegenüber stehen und die dem Gegner von vorne dargeboten sind. Zeit seines Lebens werden diese Theorien in Frankreich kaum eingesetzt. Das im Jahre 1779 auf dem Ort der Festung Rade (Insel von Aix) erbaute provisorische Bauwerk ist eine der wenigen Verteidigungserrichtungen, welche von dem Grafen geschaffen wurden. Dieses Bauwerk mit abgesicherten Befeuerungsstufen wurde jedoch ab 1783 zerstört. Erst im 19. Jahrhundert werden Festungen nach dem Prinzip des Grafen von Montalembert gebaut, darunter das Fort Boyard vor der Insel von Aix und die Festung La Ferrière auf Haiti. Die senkrechte Verteidigung wird vielmehr von ausländischen Militäringenieuren begrüßt, darunter die österreichischen und die sardinischen. So ist z.B. die Festung von Esseillon ein bemerkenswertes Anwendungsbeispiel der architektonischen Ideen des Marc René de Montalembert. Unter den Bauwerken, welchen diesen beeindruckenden Verteidigungswall bilden, ist die Festung Marie-Christine mit Sicherheit die bezeichnendste der innovativen Konzeptionen des Grafen : dieses regelmäßige Sechseck, welches ab 1819 errichtet wurde, ermöglicht einen konzentrierten Beschuß der senkrechten Artillerie auf eingeschränktem Raum. Von der Revolution überzeugt, ohne jedoch die Anwendung seiner Theorien bezüglich der Militärarchitektur verwirklicht haben zu können, stirbt Marc René de Montalembert am 26. März 1800 in Paris.