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Ausschreibung für digitale Projekte

Chapeau

Um den Zusammenhang zwischen Gedächtnistourismus und digitaler Technik besser zu erfassen, hat die Direktion für Kulturerbe, Erinnerung und Archive Anfang Mai ein Online-Seminar veranstaltet. Dabei bot sich auch die Gelegenheit, die Namen der Preisträger der Projektausschreibung für innovative digitale Dienste 2020-2021 zu verkünden.

© SGA Com
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Am 4. Mai dieses Jahres trafen sich auf Initiative der Direktion für Kulturerbe, Erinnerung und Archive (DPMA) des Verteidigungsministeriums Fachleute des Netzwerks der Museen und Gedenkstätten zeitgenössischer Konflikte sowie anderer kultureller Einrichtungen zu einem Online-Seminar über das Thema „Innovation im Dienste des Gedächtnistourismus“. Dabei gab es zwei Zielsetzungen: einerseits zu vermitteln, dass die Einbindung der Innovation in den Gedächtnistourismus ermöglicht, die Gebietskörperschaften mit Tools auszustatten, die eine Besichtigung der Orte und das Geschichtsverständnis erleichtern; andererseits zu sehen, wie die digitale Technik durch die Diversifizierung des Gedächtnis- und Geschichtstourismus-Angebots zur Positionierungs Frankreichs als international attraktive Destination beiträgt. Bei dieser Gelegenheit gab Geneviève Darrieussecq, beigeordnete Ministerin des Verteidigungsministeriums, die für das Gedenken und die Veteranen zuständig ist, die Preisträger der Projektausschreibung 2020-2021 „Innovative digitale Dienste für den Gedächtnistourismus“ bekannt.

„Unterstützung für die Schaffung neuer Tools“

Als gemeinsame Initiative der DPMA und der Generaldirektion für Unternehmen (DGE) des Wirtschafts- und Finanzministeriums, die erstmals 2016 gestartet wurde, soll diese nationale Ausschreibung für digitale Projekte die Schaffung neuer Tools für die Erkundung des Gebiets und kulturelle Vermittlung durch die Akteure unterstützen, die im Rahmen der Aufwertung der Erinnerungskultur tätig sind (institutionelle Akteure im Tourismusbereich, von Gebietskörperschaften, Museen, Gedenkstätten, Interpretationszentren usw.).

Sie soll durch eine lebendige, einprägsame Erfahrung auch neue Besuchsanreize hervorrufen und den Erwartungen der Touristen gerecht werden. Schließlich geht es um die Modernisierung des Angebots, damit es vor allem für die jüngeren Generationen attraktiver wird. In diesem Zusammenhang zählte das CERCIL – Museum-Gedenkstätte der Kinder vom Vel d'Hiv – zu den 7 Preisträgern der Ausgabe 2018. Die Einrichtung konnte so finanziell bei der Entwicklung eines interaktiven Tisches begleitet werden, auf dem man 3D-Figuren positionieren kann (diese stellen internierte Personen oder Menschen dar, die eingegriffen haben, um einzelnen Verfolgten zu helfen oder sie zu retten, aber auch Gegenstände, die in den Lagern hergestellt wurden).

Der Gemeindeverband Sud Artois (Pas-de-Calais), der das Museum Jean et Denise Letaille – Bullecourt 1917 betreibt und ebenfalls 2018 ausgezeichnet wurde, zeichnete sich durch seinen Wunsch aus, ein Hilfsmittel für den Besuch schaffen zu wollen, das sich auf die immersive Technologie mit VR-Helmen stützt. Während es dem Publikum ein besseres Verständnis der Schlacht von Bullecourt vom 11. April 1917 vermittelt, ermutigt das Tool zur Erkundung anderer Gedenkstätten und -orte in der Region.

8 Preisträger 2021

Aufgrund des großen Interesses an den ersten beiden Ausgaben, die insgesamt 69 Kandidaten verzeichneten, beschloss das Verteidigungsministerium, im Oktober 2020 eine neue Projektausschreibung zu starten, deren Finanzierung es zur Gänze sicherstellte. Dies beweist auch seine Absicht, in der Zeit der Gesundheitskrise, die wir derzeit durchleben, die Gedenkdestinationen und -stätten bei der Schaffung innovativer Mittel für die touristische Nutzung und Unterstützung bei der Besichtigung zu begleiten. Darüber hinaus zeigt es seinen Willen, die Entwicklung von innovativen Lösungen für die Erkundung vor Ort zu fördern, was sich als einer der Schwerpunkte der Politik zur Strukturierung des Gedächtnistourismus erweist.

Diese Ausgabe 2020-2021 verzeichnete einen außerordentlichen Erfolg; das beweisen die 46 eingereichten Projekte. Nach einer gründlichen Analyse durch ein Auswahlgremium, das sich aus Vertretern des Verteidigungsministeriums (DPMA und Delegation für die Umwandlung und Leistung des Ministeriums), des Office national des anciens combattants et victimes de guerre (ONAC-VG, nationales Büro der Kriegsveteranen und -opfer), der DGE und der Correspondances digitales, einer Beratungsagentur für Cultural Engineering, zusammensetzt, wurden 8 Projekte gewürdigt.

Darunter sind 6 „mobile“ Anwendungen:

  • „Parcours de mémoire dans Calais, de 1939 à 1945“ (Gedächtnisweg durch Calais von 1939 bis 1945) hebt mittels Augmented Reality das vielfältige und teilweise unbekannte Erbe der Hafenstadt im Norden Frankreichs hervor;

  • „Parcours numériques touristiques de mémoire des 3 guerres: 1870-71“ (Digitale touristische Gedächtniswege der 3 Kriege) hat sich zum Ziel gesetzt, mehrere Erinnerungsorte an den Krieg 1870 zusammenzufassen, die über das Gebiet von Champigny-sur-Marne verstreut sind;

  • „Territoires de mémoire: sur les traces des plus grands conflits du XXe siècle“ (Gedenkregionen: auf den Spuren der größten Konflikte des 20. Jahrhunderts) vermittelt die Geschichte der Orte in den Départements Isère und Meurthe-et-Moselle auf immersive und spielerische Weise;

  • „Le défi du soldat au Fort du Télégraphe“ (Die Herausforderung des Soldaten am Fort du Télégraphe) ist die Entwicklung einer mobilen Version der Begleitung auf dem Interpretationsweg des Fort du Télégraphe (Savoie – Auvergne-Rhône-Alpes). Diese Einrichtung, die den Besucher in das Jahr 1939 und in die Person eines jungen Mannes versetzt, der in die Alpenbataillone der Festung aufgenommen werden möchte, gehört zu einem touristischen Entwicklungsvorhaben, in dessen Mittelpunkt die Erkundung des Kultur- und Naturerbes steht;

  • „Application Ici/Avant Oradour-sur-Glane“ (Anwendung hier/Vor Oradour-sur-Glane) bietet eine kommentierte Führung durch das Dorf des Massakers im Département Haute-Vienne. Diese Initiative erweist sich als Begrüßung, denn fast die Hälfte der Besucher findet sich direkt im Dorf ein, ohne durch das Centre de la mémoire (Gedenkzentrum) zu gehen;

  • „Bobcats - Bora-Bora travel companion app“ zeigt eine Episode der Geschichte des Zweiten Weltkriegs auf der Insel Bora-Bora (Französisch-Polynesien), die Operation „Bobcat“. Zwischen 1942 und 1946 diente der Ort als Versorgungsbasis für die amerikanischen Streitkräfte.

Das Audiomaterial wird mit dem vom Museum des Ersten Weltkriegs in Meaux (Seine-et-Marne) betriebenen Projekt „Une série de destins: la Grande Guerre en podcast“ (Eine Reihe von Schicksalen: der Erste Weltkrieg als Podcast) hervorgehoben. In 12 Episoden wird das Leben fiktiver historischer Persönlichkeiten, die aus den Sammlungen des Museums entwickelt wurden, erzählt. Die Gedenkstätte des Lagers von Rivesaltes (Pyrénées-Orientales) soll schließlich mit einer vernetzten Vermittlung in Form von VR-Helmen eine immersive, interaktive Führung für Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren anbieten.

Wenn die 8 ausgezeichneten Projekte im Laufe des Jahres 2021-2022 konkrete Formen annehmen, fördern sie bereits die Vernetzung vielfältiger Akteure (Gedenkorte, Gebieteskörperschaften, Unternehmen, Wissenschaft und Bildung, Akteure im Tourismusbereich) mit unterschiedlichen Kompetenzen in den Regionen, in denen der Gedächtnistourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Gleichermaßen tragen sie dazu bei, dass das manchmal bedrohte oder verschwundene Gedenkerbe in seinen verschiedenen Dimensionen zugänglich gemacht und neu belebt wird: Gebäude (Museen-Gedenkstätten, Denkmäler, Festungen usw.), Landschaften (Schlachtfelder, Macchia usw.), materielle (Objekte, Archive usw.) und immaterielle Dinge (Augenzeugenberichte).


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