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Die Vermissten des Algerienkriegs

Einberufen in den Algerienkrieg

Hubert Germain, letzter Kamerad der Befreiung

Der am Dienstag, 12. Oktober 2021 verstorbene letzte der 1038 Kameraden der Befreiung wird demnächst in der Krypta des Mémorial de la France combattante am Mont Valérien beigesetzt. Damit wird er zu den 16 für Frankreich Gefallenen kommen, die für die unterschiedlichsten französischen Einsätze während des Zweiten Weltkriegs stehen. 


Am Freitag, 15. Oktober fand im Hof des Hôtel National des Invalides eine nationale Ehrung für Hubert Germain statt.

Hier finden Sie die Übertragung der offiziellen Feier


Die SAS in Algerien, Soldaten an der Seite der Bevölkerung

Les écoles d’El Kremis, de Bou Ighzer et la section administrative spécialisée (SAS) de Pierre, en Kabylie - ECPAD

1962, die Flucht der Franzosen aus Algerien

©CREUSE/ECPAD/Défense

Sechzig Jahre, reicht das aus, nicht nur um sich zu erinnern, ohne gemeuchelt zu werden, sondern auch und vor allem um eine dramatiche Geschichte vernünftig zu durchleuchten, die von Hass und Leidenschaft, von Verachtung und ohnmächtiger Liebe geprägt ist, welche die Erinnerungen damals und heute bewegen? Algerien feiert bald sechzig Jahre Unabhängigkeit, und das ist legitim. Repatriierte Algerienfranzosen (Pieds-Noirs) und französische Muslime versuchen sich zu erinnern und das Unbegreifliche zu verstehen... Warum sind sie unter solchen Bedingungen weggegangen?

Friedhöfe

Nécropole de la Fontenelle

Nationalfriedhof La Fontenelle. © ECPAD

Gedenkfeier zum 30. Jahrestag der Operation Daguet

Am Dienstag, 19. Oktober 2021 konnte im Hôtel national des Invalides bei einer militärischen Feier des 30. Jahrestages der Operation Daguet gedacht werden.

Dieser Jahrestag markiert den Einsatz Frankreichs
im Golfkrieg vom 17. Februar bis 28. Februar 1991, dem Tag des Waffenstillstands.

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151. Jahrestag der Kämpfe von Bazeilles

Die im Tschad anwesenden Marinetruppen gedachten am Donnerstag, 16. September 2021 auf dem Waffenplatz der Siedlung Lamy in N’Djamena unter der Oberaufsicht des ersten Gesandtschaftsrats der französischen Botschaft des 151. Jahrestages der Kämpfe von Bazeilles im Jahr 1870.

Souvenir Français in der Welt

Digitaler Gedenktourismus

Zusammenfassung

    Zusammenfassung

    THEMA: Gedächtnistourismus

    ZIEL: Digitale Innovation

    AKTEURE: Gedenkorte, vor allem Museen

    Seit fast 30 Jahren hält die digitale Technik zunehmend in unseren Museen Einzug. Die Covid-19-Krise hat dieses Phänomen nur noch verstärkt. Der „Gedächtnistourismus 2.0“ ermöglicht ein besseres Verständnis der Geschichte und erhöht gleichzeitig die Attraktivität der Destinationen und Gedenkstätten zeitgenössischer Konflikte.

    Unser Land, das vor allem Schauplatz der weltweiten Kriege des 20. Jahrhunderts war, besitzt heute eine hohe Dichte an Museen, Gedenkstätten und Befestigungsanlagen. Die Gedenkzyklen zum Ersten und zum Zweiten Weltkrieg erweckten großes Interesse der Öffentlichkeit an den Gedenkorten, die eine immer größere Zahl französischer, aber auch ausländischer Besucher zählen.

    So verzeichneten 2019 die Gedenkorte 15,2 Millionen Besucher. Die Gedenkorte und -stätten erobern daher ein sehr breites Publikum, das mehr über seine Vergangenheit erfahren möchte. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, wurden zahlreiche Hilfsmittel für die Besichtigung und Vermittlung eingesetzt, darunter ein umfassendes innovatives digitales Angebot.

    Pionnierorte

    Das Ende der 1980er-Jahre ist von der Entstehung mehrerer digitaler Einrichtungen geprägt, die als Mittel zur Verbreitung von Wissen und Kenntnissen in Erscheinung treten und in diesem Sinne der Kultur- und Gedenkpolitik dienen. Die digitale Technik ermöglicht der Öffentlichkeit damit Zugang zu den Datenbanken der Museen. Daraus entstehen interaktive Säulen in kulturellen und kulturhistorischen Einrichtungen, um den kulturellen Maßnahmen eine didaktische Dimension zu verleihen. Weitere digitale Systeme werden entwickelt, wie zum Beispiel CD-ROMs. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, viele Augenzeugenberichte über die zeitgenössischen Konflikte zu bewahren und zu erfassen. Diese Maßnahmen sind ein erster Schritt zur Einführung neuer kultureller und touristischer Praktiken im Zusammenhang mit Erinnerungen.

    Denn der digitale Aufschwung bietet den Gedenkstätten und -akteuren zahlreiche Möglichkeiten. An den meisten Gedenkorten ist die erste Multimedia-Einrichtung das Video, das auf einem klassischen Bildschirm angezeigt wird, der an einer Wand angeordnet ist oder in den Ausstellungsvitrinen Einzug gehalten hat. So werden im Eingangsbereich des Museums General Leclerc de Hauteclocque und der Befreiung von Paris – Museum Jean-Moulin, das sich in der Nähe des Montparnasse-Bahnhofes befindet, kurze Sequenzen aus Berichten von Widerstandskämpfern mithilfe von Bildanzeigeeinrichtungen ausgestrahlt. Die Gedenkorte sensibilisieren den Besucher auf eine neue Art und Weise für die zeitgenössischen Konflikte. Unter Nutzung hochmoderner Technologien werden auch mehrere Medien eingesetzt, so wie im Zentrum Juno Beach. Das Museum, das ein Pionier bei der Installation neuer Einrichtungen ist, bietet im „Courseulles“-Raum die Möglichkeit, die Landung in der Normandie so „mitzuerleben“, als ob der Besucher dabei wäre. Das Publikum nimmt in einem stilisierten Kahn Platz, um einen Film anzusehen. Auf die Wände werden Bilder vom Krieg, den Übungen der Bataillone und des D-Days projiziert, während die kanadischen Soldaten und ihre Familien ihre damaligen Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen. Die Gedenkorte werden mit einer innovativen und häufig markanten Vermittlung während des Rundgangs dem zweifachen Ziel der Sensibilisierung und Geschichtsvermittlung gerecht.

    Diese an manchen Gedenkorten relativ früh in Erscheinung getretenen digitalen Einrichtungen setzen relativ einfache Technologien ein, um immersive und spürbare Erfahrungen für die Besucher zu bieten. Als wahre Mittel der Geschichtsvermittlung stellen sie auch einen Stimulus für die Entwicklung für Gebiete und Stätten im Zusammenhang mit den zeitgenössischen Konflikten dar, indem sie eine Diversifizierung des Angebots des Gedächtnistourismus ermöglichen und die Erwartungen der Besucher, besonders jene der jüngeren Generationen, erfüllen.

    Kartographie des Vorhandenen

    In den 2010er-Jahren wurde das tourisitsche Angebot der Gedenkorte um zahlreiche innovative Einrichtungen erweitert. Dieses Jahrzehnt stellt eine Wende in der kulturellen Vermittlung dar, denn die moderneren Mechanismen zur Wissensverbreitung halten in den Institutionen Einzug. Diese Mittel, die sich auf innovative Technologien der geografischen Ortung sowie der virtuellen oder immersiven Realität stützen, sind wertvolle Hilfsmittel bei der Besichtigung, aber für bestimmte Akteure wie die Gebietskörperschaften auch echte Faktoren für die Attraktivität. Der Departementrat der Ardennen brachte zum Beispiel 2016 die App „Ardennes, terre de mémoire“ (Ardennen, Land der Erinnerung) heraus. In einem folgerichtigen Rundgang wird der Tourist an verschiedene Stätten des Gebiets geführt, die durch die zeitgenössischen Konflikte geprägt wurden. Wenn man sich vor Ort befindet, können über die App Beschreibungen und ein umfangreicher Inhalt abgerufen werden, der von Texten über Spiele bis zu Stadtspaziergängen reicht.

    Die neuen Medien zur Vermittlung werden den Anforderungen der Gedenkakteure gerecht, deren Aufgabe die Vermittlung der Geschichte der und Erinnerung an die zeitgenössischen Kriege ist. Digitale Techniken können diese Arbeit mit verschiedenen Funktionen (Geolokalisation, immersive Augmented Reality, Video, Audioinhalte) erleichtern.

    Digitale Medien begleiten den Touristen nicht nur bei seinem Besuch, sondern dienen insbesondere durch mobile Anwendungen auf spielerische Weise auch der Wissensvermittlung. Sie sind sehr beliebt und werden von Gedenkeinrichtungen entwickelt, wie zum Beispiel dem Museum des Widerstands in Limoges mit der App „Résistance en poche“ (Widerstand im Taschenformat), die sich an Jugendliche richtet (8-12 Jahre). Diese folgt drei Kindern in ihrem Tempo und selbstständig bei ihrer Erkundung des Museums. Diese Art der Einrichtung, die ein „serious game“ (ernsthaftes Spiel – eine Tätigkeit, die eine „ernsthafte“ Absicht – pädagogischer, informativer Art – mit spielerischen Bereichen kombiniert) ist, wird auch von anderen Gedenkorten entwickelt. Das Erlernen der Geschichte zeitgenössischer Konflikte wird durch diese Mittel, die sich seit der Covid-19-Gesundheitskrise ständig weiterentwickeln, gefördert.

    Die digitale Technik in Krisenzeiten

    Die Gesundheitskrise hat die Kultureinrichtungen gezwungen, sich neu zu erfinden und sich neue digitale Mittel einfallen zu lassen. Da die Gedenkorte durch die Lockdowns immer wieder geschlossen waren, wurden mehrere Maßnahmen ergriffen, damit sie ihren Aufgaben so gut wie möglich gerecht wurden. Sie stützten sich zuerst auf die vorhandenen Inhalte und entwickelten dann neue, um Internetbenutzer stärker anzusprechen. So blieben sie mit ihren regelmäßigen Besuchern in Kontakt und verstärkten sogar ihre Verbindung zu ihnen, während sie gleichzeitig ein neues Publikum ansprachen. Eines der Merkmale des digitalen Angebots ist dessen Anpassung an jedes Publikum, sowohl an jene, die üblicherweise Gedenkorte besuchen, aber auch an andere.

    Die Idee bestand darin, die jeweiligen Erwartungen (von Veteranen, Eltern, Kindern, Lehrern oder einfachen Interessierten) im Rahmen mehrerer Zielsetzungen zu erfüllen: gedenken, sich erinnern, entdecken, sich unterhalten, lernen und lehren. Die Gedenkorte und -stätten haben ihre Inhalte mit zahlreichen Maßnahmen in den sozialen Netzwerken aufgewertet, wie zum Beispiel dem Programm „Restez à bord, la mer s’invite chez vous“ (Bleiben Sie an Bord, das Meer kommt zu Ihnen nach Hause), das vom Nationalen Marinemuseum gestartet wurde. Zusätzlich zu den verschiedenen Online-Ressourcen auf den Internetseiten stellten sie Lehrmittel zur Verfügung.

    Dem Publikum wurden durch innovative und interaktivere Vermittlungsformen auch mehrere wöchentliche Termine in den sozialen Netzwerken angeboten. Mit dem gleichen Ziel hat das Museum des Ordre de la Libération eine Zusammenarbeit mit dem Youtuber Nota Bene, der über eine Million Abonnenten hat, gestartet. Auf diese Weise lassen sich seine Sammlungen erkunden und den Jüngsten die Geschichte der Befreiung Frankreichs zu vermitteln.

    So sind in dieser Krise neue Möglichkeiten für den Gedächtnistourismus entstanden. Da die Besucher nicht mehr vor Ort sein konnten, kamen die Institutionen mit virtuellen Führungen auf elektronischem Wege zu ihnen. Internetnutzer konnten die nationalen Gedenkstätten des Verteidigungsministeriums von besonderer Bedeutung mittels 360°-Führungen erkunden, die während der Lockdowns auf YouTube online gestellt wurden. Darüber hinaus wurden die meisten Gedenkfeiern in eingeschränkter Form abgehalten, wodurch die Gedenkorte und ihre Partner gezwungen waren, sich andere Gedenkpraktiken auszudenken. Damit die Franzosen sie verfolgen konnten, wurden sie von mehreren Institutionen, wie zum Beispiel der Gedenkstätte der Shoah und dem Mont Valérien, aber auch dem Verteidigungsministerium, über die sozialen Netzwerke (Facebook, Instagram, YouTube…) übertragen. Diese Praxis wurde seit Jahresbeginn dauerhaft für die meisten nationalen Feierlichkeiten eingeführt. Viele Internetnutzer haben auf diese Weise die verschiedenen Gedenkstätten entdeckt und bekamen dadurch Lust, sich dorthin zu begeben.

     

    Anne Franck

    Bild aus „Anne Frank House VR“. © FeelU

     

    Welche Perspektiven?

    Die Covid-19-Krise hat die Art des Reisens und folglich die Praktiken im Zusammenhang mit dem Gedächtnistourismus verändert. Der Tagestourismus hat stark zugenommen, was die Gedenkorte berücksichtigt haben. Um die Neugier einer immer breiteren Kundschaft zu stillen, entstehen neue Innovationen.

    So hat das Armeemuseum beispielsweise eine Smartphone-App entwickelt, mit der Familien die Einrichtung durch Spiele erkunden können, ebenso wie das Historial de la Grande Guerre de Péronne – Thiepval. In der Einrichtung des Historial können die Besucher den Ersten Weltkrieg und die Geschichte wichtiger Persönlichkeiten durch Overlap Reality miterleben. Schließlich hat die Region Normandie die Anwendung „TimeTravel“ eingeführt, die das vorhandene Erbe in der Bucht des Mont-Saint-Michel zeigt, indem sie die Besucher in eine bestimmte Zeit versetzt.

    Die Gedenkorte werden auf diese Weise mit anderen historischen Denkmälern verbunden und tragen dank verschiedener digitaler Innovationen zum zunehmenden Erfolg des Slow Tourism (langsamer Tourismus, der sanfte Formen des Reisens bevorzugt, um ein Land oder eine Region zu entdecken und dabei die Auswirkungen auf die Umwelt minimiert) bei. In diesem Sinne werden derzeit neue Formen virtueller Führungen ausgearbeitet, damit ausländische Touristen diese Orte besichtigen können, ohne durch das Reisen einen CO2-Abdruck zu hinterlassen. Es geht dabei um die Anpassung an die neuen Erwartung der Reisenden, indem man sich auf die digitale Technik stützt, damit sie neue Erfahrungen machen können.

    Denn jüngere Besucher wollen starke und authentische Eindrücke erleben. Denn der „Erlebnistourismus“ verzeichnet eine starke Nachfrage und ist bei den nach Erlebnissen und Emotionen hungrigen Urlaubern sehr beliebt. Der Gedächtnistourismus spricht die Emotionen an, die mittels digitaler Technik hervorgerufen werden können. Die neuen Technologien werden daher von den Akteuren dieses Sektors eingesetzt, damit der Reisende einmaligen Augenblicke erlebt. Das Museum Jean et Denise Letaille – Bullecourt 1917 bietet zum Beispiel die Möglichkeit, die Schlacht von Arras mit einem Augmented-Reality-Helm zu erleben. Die Akteure des Gedächtnistourismus sind daher mit Veränderungen durch die neuen Technologien konfrontiert. Um all diese Transformationen zu unterstützen, hilft das Verteidigungsministerium als Akteur und Partner des Gedächtnistourismus den Fachleuten mit zahlreichen Maßnahmen (Seminare zur Professionalisierung, Projektausschreibungen „Innovative digitale Dienste“ usw.).

    Die Entwicklung innovativer digitaler Einrichtungen an Gedenkorten bildet derzeit einen der Schwerpunkte der Politik zur Strukturierung des Gedächtnistourismus. Frankreich positioniert sich beim jungen Publikum als attraktive Destination der Erinnerung und Geschichte, die international konkurrenzfähig ist. Die von den Gedenkorten entwickelten Einrichtungen werden immer stärker fachbereichsübergreifend, indem sie im Vorfeld oft das Publikum (vor allem die Jugend), die Dimension der nachhaltigen Entwicklung und das Konzept der Netzwerkbildung der betroffenen Akteure miteinbeziehen. Die Gesundheitskrise stellt darüber hinaus ihre Finanzierungsmethode in Frage. Ihre Monetarisierung ist umstritten. Obwohl sie von der Öffentlichkeit sehr geschätzt werden, scheint diese keine Bezahlung für den Zugang in Erwägung zu ziehen.

    Da diese Ansicht von einer großen Mehrheit der Gedenkstätten geteilt wird, entwickeln sie verschiedene wirtschaftliche Modelle, um diese ziemlich kostspieligen digitalen Mittel zu finanzieren. Denn auch wenn große Gedenkeinrichtungen die Mittel haben, solche Systeme zu entwickeln, können sich kleinere Strukturen mit deren Anschaffung schwer tun. Die Stellen müssen nicht nur die digitalen Medien zahlen, sondern auch verschiedene Fachleute beiziehen, wie Historiker, Akteure oder auch Entwickler, die sie bezahlen müssen. Darüber hinaus müssen die Anlagen gewartet werden, damit sie nicht veralten. Um die Ausgaben einzudämmen, können die digitalen Einrichtungen im Ticketpreis enthalten sein oder durch öffentliche Subventionen unterstützt werden. Das Hauptziel dieser Mittel ist nicht die Rentabilität, sondern vor allem die Attraktivität und die Erneuerung des Publikums. Dies impliziert auch eine Evaluierungsphase für diese Einrichtungen, um den Erwartungen und technologischen Entwicklungen am besten gerecht zu werden.

     

    Das Museum des Ersten Weltkriegs in Meaux aus der Ferne besuchen

     

    musée Grande Guerre Meaux

    © Museum des Ersten Weltkriegs, Meaux

     

    Das Museum des Ersten Weltkriegs bietet seit 2014 Schulgruppen die Möglichkeit, über eine Internetplattform mit einer interaktiven digitalen Tafel (oder einem Videoprojektor) von der Klasse aus eine Führung zu besuchen, die von einem Kulturvermittler auf einer Dauerausstellungsfläche von 3.000 m² begleitet wird. Mithilfe von fixen und mobilen Kameras besteht die Möglichkeit des direkten Austauschs zwischen den Schülern und dem Gegenüber am Bildschirm. Während der Gesundheitskrise wurden Führungen aus der Ferne auch für die breite Öffentlichkeit organisiert.

     

    Das immersive audiovisuelle System des Denkmals auf dem Mont-Faron

     

    Mémorial-MontFaron

    © Patrick Palmesani

     

    Das Denkmal für die Landung und Befreiung in der Provence ist eine nationale Gedenkstätte des Verteidigungsministeriums mit besonderer Bedeutung auf der Anhöhe von Toulon (Mont-Faron) und besitzt seit 2017 eine neue Museumsgestaltung. Der Besucherrundgang bietet verschiedene innovative Einrichtungen, darunter ein großes immersives audiovisuelles Spektakel. Auf einer riesigen Bildfläche von 17 Metern Länge versetzt ein didaktischer Film die Besucher mitten in die Kämpfe, von den ersten Tagen der Landung bis zur Befreiung der Provence. Dieses immersive Erlebnis mit einer Dauer von 10 Minuten, das gleichzeitig auf mehrere Bildflächen projiziert wird, vermittelt ein besseres Verständnis für die Herausforderungen und die militärischen Fakten, die zur Befreiung der Provence beitrugen.

     

    Die InstaLive des Mémorial de la Shoa (Gedenkstätte der Shoah)

     

    Brochoire expo perm

    © Photo Florence Brochoire/Mémorial de la Shoa

     

    Während der aufeinanderfolgenden Lockdowns entschied sich die Gedenkstätte der Shoah zur Beibehaltung ihres Kulturprogramms, indem sie es an die verfügbaren Kommunikationskanäle anpasste. Zusätzlich zu den über Zoom und Youtube organisierten Konferenzen oder die Bereitstellung von Filmen auf ihrer Website bot die Gedenkstätte ungefähr dreißig virtuelle Begegnungen auf Instagram (InstaLives) an, bei denen Persönlichkeiten eingeladen waren, live Texte aus dem Archivbestand vorzulesen. Aufgrund des großen Erfolges wird diese Initiative immer noch gelegentlich fortgesetzt.

    Autor

    Lise Denis - Zentrum „Gedächtnistourismus“ in der Direktion für Kulturerbe, Erinnerung und Archive

    Die Gedenkstätte von Verdun

    © Gedenkstätte von Verdun

    Hervé Morin

    Hervé Morin. © Rechte vorbehalten

    Ausschreibung für digitale Projekte

    © SGA Com

    Der Beitrag der Überseegebiete im Zweiten Weltkrieg

    Nationalfriedhof Signes

    Feierlichkeiten vom 18. Juli 2012. Sammlung des ONACVG

     

    Um die Infotafel des Friedhofs aufzurufen, klicken Sie hier vignette Signes

    Das Grundstück, das auf dem Gemeindegebiet von Signes im kleinen Ort „Vallon des Martyrs“ liegt und um einen symbolischen Franc gekauft wurde, wird 1996 zum Nationalfriedhof. Er wurde am 25. Juni desselben Jahres im Beisein des beigeordneten Ministers für Veteranen und Kriegsopfer feierlich eingeweiht und würdigt 38 Widerstandskämpfer, die an dieser Stelle im Juli und August 1944 hingerichtet wurden. Auf einer Fläche von 54 Ar gibt es auf diesem Friedhof keine Leichen im eigentlichen Sinne, sondern ein Beinhaus sowie 38 einzelne Gedenkplatten.

    Der Widerstand in der Südzone

    Ab dem Sommer 1940 protestierten Einzelpersonen und kleine Gruppen gegen die Besatzung und kritisieren die politische Ausrichtung der französischen Regierung, die seit kurzem an der Macht ist. Widerstandsbewegungen und -netzwerke entwickeln sich zunehmend in der nicht besetzten Provence und im ganzen Land.

    Im November 1942 überschreiten die Deutschen die Demarkationslinie und stürmen die freie Zone. Der Widerstand gewinnt neue Personen und die bewaffneten Aktionen gegen den Besatzer nehmen zu.

    Am 26. Januar 1943 schließen sich die drei großen Bewegungen der Südzone (Combat, Libération Sud und Franc Tireur) auf Veranlassung von Jean Moulin zu den Vereinigten Résistance-Bewegungen (Mouvements Unis de la Résistance, MUR) zusammen. Sie richten eine gut strukturierte Geheimorganisation mit verschiedenen Aktionsabteilungen ein: die geheime Armee (Armée Secrète, AS), die Unterwanderung der öffentlichen Verwaltung (Noyautage des Administrations Publiques, NAP), die Abteilung für Fallschirmlandungen (Section Atterrissage Parachutage, SAP), die Propagandaorganisation für Rekrutierungen (Recrutement Organisation Propagande, ROP), eine Universitätsorganisation (Organisation Universitaire, OU) usw. Aus den MUR, den Freischützen (Francs-tireurs) und Partisanen (FTP) oder der Widerstandsorganisation der Armee (Organisation de Résistance de l’Armée, ORA) hervorgehende Widerstandgruppen bilden sich in den Gebirgsregionen, wo viele vor dem obligatorischen Arbeitsdienst (STO) Zuflucht suchen. Verschiedene Streitkräfte der Résistance schließen sich zwischen Dezember 1943 und Februar 1944 zu den französischen Streitkräften des Inneren (Forces Françaises de l’Intérieur, FFI) zusammen.

    Die Widerstandskämpfer bereiten 1944 in der Südzone die Befreiung des Staatsgebietes vor. Es werden die Befreiungskomitees der Departements (Comités Départementaux de Libération, CDL) gegründet. Nach der Landung der alliierten Truppen in der Normandie am 6. Juni 1944 nimmt die Repression durch die deutsche Armee, die Gestapo und die Miliz zu, insbesondere gegen die im Juni in der Provence gebildeten Widerstandsgruppen.

    Die Hinrichtungen im Juli und August 1944

    Im Sommer 1944 ermöglicht ein Verrat der Gestapo, zahlreiche Widerstandskämpfer der R2 (heutige Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur) zu verhaften. Dies gilt am 16. Juli 1944 für fast alle Mitglieder des Befreiungskomitees des Departements Basses-Alpes, die in Oraison versammelt waren. Andere werden zu Hause oder bei Treffen festgenommen. Nachdem sie am Sitz der Gestapo in Marseille, in der Rue Paradis 425, Befragungen und Folter ausgesetzt wurden, werden sie in das Gefängnis Les Baumettes überstellt.

    Nach einem Scheinverfahren werden neunundzwanzig dieser Männer am 18. Juli in einer abgeschiedenen Talmulde im Wald von Signes erschossen. Neun weitere Widerstandskämpfer werden am 12. August an derselben Stelle hingerichtet. Die Leichen werden vor Ort vergraben.

    Als im September 1944 dieses Massengrab entdeckt wird, zeigt sich die Brutalität dieser Exekutionen: einige wurden lebend begraben und Ätzkalk wurde auf die Leichen geschüttet, wodurch manche unkenntlich gemacht wurden. Unter den Opfern lassen sich Widerstandskämpfer aus verschiedenen Bewegungen und Organisationen identifizieren: der Präsident des Befreiungskomitees des Departements Basses-Alpes (CDL), mehrere Mitglieder der Vereinigten Résistance-Bewegungen (MUR), der Universitätsorganisation (OU) und der Unterwanderung der öffentlichen Verwaltung (NAP), der Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte des Inneren (FFI) der Region 2, der regionale Militärdelegierte (DMR), junge Offiziere der Freien Französischen Streitkräfte (FFL), ein Brite des Special Operations Executive, ein amerikanischer Offizier usw.

    Im Wald von Signes fügten die Nazis der provenzalischen Résistance schwere Verluste zu, indem sie diese am Vorabend der Landung in der Provence mehrerer Verantwortlicher beraubte.

    Am 21. September 1944 findet unter Leitung des damaligen Regionalkommissars der Republik im Beisein ziviler, militärischer und religiöser Repräsentanten Raymond Aubrac ein Staatsbegräbnis am Friedhof Saint-Pierre in Marseille statt. Seither werden in diesem „Vallon des martyrs“, das zum Nationalfriedhof geworden ist, alljährlich am 18. Juni die 38 Widerstandskämpfer feierlich gewürdigt.

     

    Cérémonie du 18 juillet 1945

    Feier vom 18. Juli 1945. Sammlung Chiny

     

    Die Erschossenen von Signes

    • Marcel ANDRÉ

    44 Jahre - Schuldirektor - CDL der Basses-Alpes

    • André AUNE

    45 Jahre - Makler - Chef des AS im Departement Bouches-du-Rhône

    • Georges BARTHÉLEMY

    37 Jahre – Leutnant der FFI

    • Lucien BARTHÉLEMY

    40 Jahre - Handelsvertreter - Netzwerk La France au Combat

    • Charles BOYER

    59 Jahre - Rechtsanwalt - Netzwerk La France au Combat

    • Albert CHABANON

    29 Jahre – Professor – Regionalleiter der OU

    • Henri CHANAY

    30 Jahre – französischer Offizier – Leiter der Mission interalliée (interimistisch DMR)

    • Roger CHAUDON

    36 Jahre – Direktor einer landwirtschaftlichen Genossenschaft – SAP Basses-Alpes

    • Georges CISSON

    34 Jahre - Ingenieur für Brücken und Dämme - Regionalleiter der NAP

    • Paul CODACCIONI

    55 Jahre - Hauptkontrolleur der PTT - Regionalleiter der NAP-PTT

    • François CUZIN

    29 Jahre - Philosophieprofessor - CDL der Basses-Alpes

    • André DAUMAS

    44 Jahre - Arzt - Arzt der FFI Basses-Alpes

    • Jean-Pierre DUBOIS

    49 Jahre – Raumausstatter - MLN

    • Léon DULCY

    32 Jahre - Arzt - britische SOE

    • Guy FABRE

    19 Jahre – Student - OU

    • Maurice FAVIER

    27 Jahre - Gemeindesekretär - CDL der Basses-Alpes

    • Paul KOHLER

    44 Jahre, Chefmechaniker - NAP SNCF

    • Pierre-Jean LAFFORGUE

    29 Jahre – französischer Offizier - ORA

    • Émile LATIL

    41 Jahre – Maler – CDL der Basses-Alpes

    • Jean-Louis LESTRADE

    20 Jahre – Student - OU

    • Maurice LEVY

    32 Jahre – Publizist - Geheimdienstagent OSS

    • Jean LIBERT

    20 Jahre – Leiter der Verbindungsstelle des MLN

    • René MARIANI

    22 Jahre – Student - OU

    • Louis MARTIN-BRET

    46 Jahre - Genossenschaftsdirektor - Verantwortlicher des MLN und Präsident des CDL der Basses-Alpes

    • Jules MOULET

    45 Jahre - Unternehmer - Chef des NAP von Bouches-du-Rhône

    • Jean M. MUTHULAR

    34 Jahre - amerikanischer Offizier - Mission interalliée OSS

    • Francis NINCK

    30 Jahre - französischer Offizier – Kommandant der AS-Abteilung von Marseille

    • Léon PACAUD

    31 Jahre - französischer Offizier – FFL

    • François PELLETIER

    23 Jahre - französischer Offizier - BCRA – FFL

    • Jean PIQUEMAL

    39 Jahre - Krankenpfleger - CDL der Basses-Alpes

    • Terce ROSSI

    28 Jahre - Mechaniker - Agent der FTP Basses-Alpes

    • Robert ROSSI

    31 Jahre - französischer Offizier - Regionalleiter der FFI

    • Georges SAINT-MARTIN

    20 Jahre - Student - FFI (Sekretär von Robert Rossi)

    • Robert SALOM

    18 Jahre - Student - Agent der FTP Basses-Alpes

    • André WOLFF

    44 Jahre - Notar - AS

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    GEDENKEN

    Welches Gedenken soll es für die Auslandsoperationen geben?

    Zusammenfassung

      Zusammenfassung

      DATUM: 11. November 2019

      ORT: Park André Citroën, Paris, Frankreich

      BETREFF: Einweihung des Ehrenmals für die in Auslandsoperationen für Frankreich Gefallenen

      Unter Auslandsoperationen (OPEX) sind die Einsätze französischer Streitkräfte außerhalb des Staatsgebietes zu verstehen. Auch wenn es sie seit über sechzig Jahren gibt, ist das Thema der Aspekte, Herausforderungen und Vermittlung dieser lebendigen Erinnerung noch relativ verdeckt und neu.

      Das Gedenken kann als die Gesamtheit der Fakten definiert werden, die in der Erinnerung der Menschen bleiben. Auf eine Gruppe ausgeweitet, bezieht sich das kollektive Gedächtnis daher auf alle Darstellungen, die von der Gruppe über ihre Vergangenheit geteilt werden, das, woran sie sich erinnert oder beschließt sich zu erinnern, auch nachdem die direkten Zeugen dieser Ereignisse verschwunden sind. Es umfasst einen bewussten und freiwilligen Prozess; die Akteure eines Ereignisses teilen zuerst untereinander spontan ihre Erinnerungen. Später werden ihre Erzählungen systematisiert und offizielle Stellen (Abgeordnete, Vereine, Historiker...) bemächtigen sich ihrer und entscheiden sich dafür, bestimmte Botschaften akzentuierter zu vermitteln. Dieses Gedenken ist nicht festgefahren, es entwickelt sich je nach den Empfindungen der öffentlichen Meinung, dem Fortschritt geschichtlicher Forschung oder dem politische Willen. Denn die Art, wie wir die Vergangenheit erzählen, sagt immer etwas über unsere Gegenwart, die Interessensgruppen einer Gesellschaft oder darüber aus, wie sie sich selbst sieht.

      Wer erinnert sich diesbezüglich an die Operationen Capselle (Evakuierung libanesischer Staatsbürger zwischen August und Oktober 1989) oder Libage (französische Teilnahme an der humanitären Mission Provide Comfort zugunsten der kurdischen Bevölkerung zwischen April und Juli 1991), deren Gefallene dennoch auf dem Ehrenmal für die in Auslandsoperationen für Frankreich Gefallenen, das am 11. November 2019 im Park André-Citroën in Paris eingeweiht wurde, festgehalten sind? Dreißig Jahre später scheinen sie aus unserem nationalen Gedächtnis völlig verschwunden zu sein, wie zahlreiche andere Operationen auch. Dabei wurden die französischen Soldaten in den letzten sechzig Jahren mehr als 250 Mal außerhalb des Staatsgebietes eingesetzt. Nur ganz zögerlich entsteht seit zehn Jahren ein Gedenken für die Auslandsoperationen, das sich deutlich von jenem für frühere Konflikte unterscheidet und in einem gewissen Maße spezifisch für Frankreich ist.

      Besonderheiten des Gedenkens für die Auslandsoperationen

      Das Gedenken für die Auslandsoperationen unterscheidet sich von anderen Erinnerungen. Vor allem, weil es im Gegensatz zu früheren Konflikten nicht einen Schauplatz oder einen bestimmten Zeitraum betrifft, sondern viele Operationen zusammenfasst, die sich in ihren Formen und Zwecken (humanitäre Intervention, Evakuierung von Staatsbürgern, Wiederherstellung der Regierung vor Ort...) stark unterscheiden und sich auf mehrere Jahrzehnte erstrecken, jedoch mit unterschiedlicher Dauer; von wenigen Tagen, wie die Operationen Bérénice (Operation zur Evakuierung französischer und ausländischer Staatsbürger in Somalia, 5. bis 9. Januar 1991) oder Notou (Hilfsoperation für die von einem Tsunami heimgesuchte Bevölkerung von Papua-Neuguinea vom 23. bis 30. Juli 1998), bis zu mehr als einem Vierteljahrhundert für die Operation Epervier im Tschad. Wie soll es also gelingen, daraus gemeinsame Erinnerungen und identische Botschaften abzuleiten, die den nächsten Generationen vermittelt werden können?

       

      8e RPIMa

      Festakt zur Ehrung der Soldaten des 8. RPIMa, die beim Angriff von Uzbin in Afghanistan gefallen sind, Castres, 18. August 2009. © 8. RPIMa

       

      Dieses Gedenken ist daher charakteristisch für den betreffenden Zeitraum. Im Gegensatz zu den vorangehenden Kriegen des 20. Jahrhunderts, die jeweils weniger als zehn Jahre dauerten, erstrecken sich die Auslandsoperation über mehr als ein halbes Jahrhundert. Denn je länger ein Zeitraum ist, umso schwieriger lassen sich daraus allgemeine Botschaften oder eine gemeinsame Darstellung ableiten. Die Auslandsoperationen profitieren auch nicht mehr von der Massenwirkung der Veteranen früherer Generationen bei der Vermittlung und Veranschaulichung ihrer Erinnerungen. Denn die Soldaten der Auslandsoperationen bilden eine Aneinanderreihung kleiner Kontingente, die sich nicht durch eine gemeinsame Vergangenheit vereint fühlen und noch nicht das Bedürfnis verspüren, ihre Geschichte weiterzugeben. Ihr Gedenken bildet sich nicht spontan bei der Mitteilung ihrer Berichte. Da sie für kurze Mandate eingesetzt werden, nehmen sie sich auch nicht die Zeit, ihre Erinnerungen an eine Operation niederzuschreiben, bevor sie zur nächsten aufbrechen. Da sie Berufssoldaten sind, berührt ihr Einsatz fern des eigenen Landes auch die öffentliche Meinung weniger, die sich kaum für ihre Geschichte interessiert.

      Auch wenn das Gedenken für die Auslandsoperationen zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft beiträgt, kann man zum Beispiel beklagen, dass nur die jüngsten Operationen bekannt sind und erwähnt werden (Pamir, Serval, Barkhane…), und nicht jene der 1970er- und 1980er-Jahre. Der externe Charakter dieser Operationen zwingt daher zum Aufbau eines Gedenkens „auf Distanz“. Denn obwohl es keinen Friedhof für die Auslandsoperationen gibt, ist es andererseits unmöglich, sich an die Orte der Kämpfe zu begeben und einen Gedenktourismus zu entwickeln, wie er auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs oder an den Landungsstränden praktiziert wird. Aber der Gedenktourismus spielt heute eine zentrale Rolle in der Vermittlung an die nächsten Generationen, die etwas sehen und nachempfinden müssen, um verstehen und sich erinnern zu können.

      Natürlich sind die steinernen Zeugen dieser Erinnerung an die Auslandsoperationen mit den Gebieten und Regimentern verbunden, wie Kriegsdenkmäler oder Gedenktafeln, die sich alle auf eine Einheit oder ein Einsatzgebiet beziehen und oft schwer öffentlich zugänglich sind. Das Denkmal für die Auslandsoperation nahm in kurzer Zeit eine wichtige Stellung im Gedenken an diese Einsätze ein, da es eine materielle Grundlage bietet, auf die man sich zur Besinnung, Würdigung oder Erzählung der Geschichte dieser Konflikte stützen kann. So diente es beispielsweise 2020 als Rahmen für die Gedenkfeier anlässlich des 25. Jahrestages des Angriffs von Vrbanja und im Februar 2021 für jene zum 30. Jahrestag der Operation Daguet. Das Gedenken für die Auslandsoperationen wird hier im Marmor durch die Aufzählung der Daten und Ländernamen sichtbar. Momentan ist dies der einzige Ort, wo dieser Teil unserer Militärgeschichte veranschaulicht wird.

      Ein Gedenken mitten im Aufbau

      Nichtsdestotrotz besteht die Besonderheit des Gedenkens an die Auslandsoperationen vor allem darin, dass es eine noch offene Erinnerung ist, die festgehalten wird, bevor die Entwicklungen abgeschlossen sind. Die Erinnerung an frühere Konflikte wurde immer erst im Nachhinein festgehalten, anhand der Erinnerungen unmittelbarer Zeugen und der Arbeit von Historikern, weshalb sie immer eine teilweise Analyse und Überarbeitung beinhaltet. Die Auslandsoperationen sind hingegen immer noch in Gang; mehr als 6.000 Soldaten sind derzeit außerhalb unserer Grenzen im Einsatz. Wie soll man also Abstand von einem nicht abgeschlossenen Zeitabschnitt nehmen? Wie soll man zwischen dem unterscheiden, was zur Erinnerung gehört und an die nächsten Generationen weitergegeben werden soll, und dem, was nur eine aktuelle Information ist und es nicht verdient, aufbewahrt zu werden?

       

      monument OPEX

      Ehrenmal für die in Auslandsoperationen für Frankreich Gefallenen, nationale Gedenkstätte des Verteidigungsministeriums mit besonderer Bedeutung. Park André-Citroën, Paris 15. Arrondissement, 25. Februar 2020.
      © Laure Boyer/Hans Lucas/Hans Lucas über AFP

       

      In einer Gesellschaft, die immer schnelllebiger wird, mag der Aufbau eines Gedenkens für eine Form von Einsätzen, die noch im Gange sind, eine große Herausforderung sein. Diese Besonderheit wurde im Denkmal für die Auslandsoperationen berücksichtigt, indem man erstmals beschloss, ein absichtlich unvollendetes Denkmal zu errichten. Zwischen den einzelnen Regionen wurde Platz gelassen, um die Namen der Soldaten eintragen zu können, die für Frankreich in Auslandsoperationen sterben werden und nicht, um die Namenslisten mit Hilfe historischer Arbeiten zu ergänzen oder zu korrigieren. So wurden seit der Einweihung 23 Soldaten hinzugefügt.

      Obwohl dieses Gedenken kürzlich mit dem Denkmal für die Auslandsoperationen verbunden wurde, fand die Verankerung in unserem nationalen Kalender vor jener in der Landschaft statt. Denn das Gesetz vom 28. Februar 2012 gab dem Gedenken an diese Konflikte eine nationale Dimension, indem es den 11. November zum Gedenktag für alle machte, „die für Frankreich gefallen sind“, und damit die Auslandsoperationen in die Ehrung miteinbezog. Seither werden die Namen der für Frankreich in den vergangenen zwölf Monaten gefallenen Soldaten in allen Gemeinden verlesen und am Kriegerdenkmal ihres Geburtsortes oder ihres letzten Wohnortes eingraviert. Sie gehören nicht mehr nur zu ihrer Familie oder ihrer Einheit, sondern werden Teil einer kollektiven Darstellung.

       

      Corrèze

      Festakt vom 11. November 2020 in Malemort (Corrèze). © Gemeinde Malemort

       

      Die Sorge, die Nation in einer Zeit, in der die terroristische Bedrohung immer stärker wird, um gemeinsame Werte zu vereinen, kommt insbesondere in der Entscheidung zum Ausdruck, das Gedenken für die Auslandsoperationen ganz bewusst „aufzubauen“. Angefangen mit dem Gedenken an die Toten und vom Prinzip ausgehend, das Ernest Renan so treffend 1882 an der Sorbonne beschrieb, dass „das gemeinsame Leiden mehr eint als die Freude. Die nationalen Erinnerungen und die Trauer wiegen mehr als die Triumphe, denn sie erlegen Pflichten auf, sie gebieten gemeinschaftliche Anstrengungen.“ In seiner Rede zur Einweihung des Denkmals für die Auslandsoperationen forderte uns der Staatspräsident dazu auf, drei Botschaften aus diesem halben Jahrhundert der Einsätze mitzunehmen. Auf diese Weise schuf er den ersten Rahmen unserer nationalen Darstellung für die Auslandseinsätze. Eine erste Botschaft an die Soldaten, um ihnen zu zeigen, dass diejenigen, die fallen, nicht vergessen werden. Eine zweite Botschaft an die Familien: die Nation erweist mit diesem Denkmal den für ihre Heimat gefallenen Soldaten ihre generationenübergreifende Anerkennung. Wir haben ihnen gegenüber eine gemeinsame Schuld und sie werden uns in gewisser Weise als Vorbild in einer Zeit präsentiert, in der oft nach Helden gesucht wird. Eine letzte Botschaft richtet sich schließlich an alle Franzosen, damit sie nicht vergessen, dass der Friede nichts Unverrückbares ist, dass unsere Sicherheit erfordert, dass sich unsere Streitkräfte weiterhin einsetzen, manchmal weit außerhalb unseres Blickfelds, um uns zu schützen, unsere Solidarität zu zeigen oder unsere Werte zu verteidigen. Um uns daran zu erinnern, dass es zwischen dem Golfkrieg, Afghanistan und den aktuellen Kämpfen gegen die Dschihadistengruppen in Mali und im Irak viele andere Operationen gab, in denen einige unserer Soldaten ums Leben gekommen sind.

      Gedenken für Auslandsoperationen: eine französische Besonderheit?

      Der Auslandsoperationen zu gedenken ist auch eine Möglichkeit, sich unsere jüngste Geschichte in Erinnerung zu rufen und sie manchmal sogar neu zu entdecken. 2021 jährt sich zum 30. Mal das Ende der Operation Daguet (Bezeichnung für die französische Teilnahme an den von den USA angeführten Operationen Desert Shield und Desert Storm nach dem Einmarsch des Irak im Kuwait, von September 1990 bis Juni 1991). Das Durchschnittsalter der französischen Streitkräfte liegt heute bei 33 Jahren. Also drückte die Mehrheit der heutigen Soldaten noch die Schulbank, als diese Operation begann. Die unmittelbaren Akteure dieses Konflikts sind heute Generäle, Oberste, Zugführer oder Majore und „nehmen bald schon ihren Hut“, wenn sie nicht ohnehin bereits die Institution verlassen haben.

      Daher ist es dringend notwendig, ihre Berichte zusammenzutragen, diese Kampfhandlungen ins Gedächtnis zurückzurufen, um eine Weitergabe dieser Erinnerung an die nächsten Generationen in den Streitkräften und der gesamten Gesellschaft zu ermöglichen.

       

      memorial day

      Mitglieder der Old Guard legen amerikanische Flaggen auf die Gräber am Nationalfriedhof Arlington (Virginia) am 24. Mai 2018 in Vorbereitung auf den Memorial Day.
      © Mandel NGAN / AFP

       

      Obwohl Frankreich sich als Erster für solche Gedenkmaßnahmen engagiert hat, ist es interessant, das im Aufbau befindliche Gedenken in anderen Nationen zu untersuchen, die an Auslandsoperationen beteiligt waren. Die angelsächsischen Länder haben sich für einen einzigen Gedenktag für alle Soldaten entschieden, die ihr Leben für die Heimat geopfert haben, ungeachtet des Konfliktes. Es handelt sich dabei in den USA (seit dem Sezessionskrieg) um den Memorial Day oder im Vereinigten Königreich sowie in Kanada um den Remembrance Day, der an diesem Tag von allen gefeiert wird, die ihrem Land dienen. Das ist in etwa das Gleiche wie der 11. November in Frankreich, außer dass das Gesetz aus 2012 die anderen Gedenktage für die zeitgenössischen Konflikte nicht abgeschafft hat (wovon es elf offizielle gibt). Auch wenn dieses Gesetz nicht zwischen den Konflikten unterschiedet, werden an diesem Tag hauptsächlich die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und der Auslandsoperationen geehrt.

      Belgien wiederum hat seit 1998 einen Jahrestag, den 7. April (Tag, an dem 10 belgische Blauhelme bei einem Flugzeugunglück in Ruanda 1994 ums Leben kamen) gewählt, um seine 252 Soldaten zu ehren, die seit dem Zweiten Weltkrieg in Einsätzen gefallen sind.

      Ein Teil der französischen Veteranenverbände setzte sich dafür ein, dass Frankreich dies auch mache und den Tag des Attentats von Drakkar (Attentat vom 28. Oktober 1983 auf einen Militärstützpunkt in Beirut, bei dem 58 französische Fallschirmjäger getötet wurden) als Gedenktag für Auslandsoperationen wähle. Jedoch obwohl dieser Tag immer noch der blutigste für die französischen Streitkräfte bleibt, hätte eine solche Wahl dieser Operation eine Vorrangstellung gegenüber den anderen eingeräumt und teilweise die Bedeutung der an anderen Schauplätzen erbrachten Opfer abgeschwächt (so sind 90 Soldaten in Afghanistan gefallen, 140 im Libanon und 154 im Tschad). Der 11. November hat den Vorzug, dass er ein neutraler Tag ist, der die Soldatengenerationen vereint und eher ein Bild des Helden als eines des Opfers vermittelt.

      Spanien hat sich für kein bestimmtes Datum entschieden, sondern widmet einen Teil der Ehrung bei jeder nationalen Feier den 186 Soldaten, die seit 1987 im Einsatz gefallen sind. Zudem werden die Namen der Gefallenen des Jahres am Montag nach dem ersten Sonntag im November in allen Kasernen verlesen, ohne dass dies wie in Frankreich auf nationaler Ebene stattfindet. Das Denkmal für die Auslandsoperationen scheint außerdem eine französische Besonderheit zu sein. Unsere Nachbarn haben eigene Denkmäler für Auslandsoperationen, wie zum Beispiel jenes, das die Soldaten in Belgien ehrt, die am 7. April 1994 getötet wurden, oder die verschiedenen Kriegerdenkmäler von Regimentern in Spanien, aber keines, das umfassend und landesweit wäre und auf dem der Name jedes einzelnen Verstorbenen aufscheint.

      Nationale und territoriale Anlaufstellen für die Vermittlung dieses Gedenkens

      Dieses Gedenken, das früher relativ im Verborgenen blieb, weil es für eine Einheit oder einen Schauplatz zu spezifisch war und/oder sich zu sehr im Inneren der Streitkräfte abspielte, kann sich nun auf eine steigende Zahl von Anlaufstellen stützen. Zunächst die Verbände für Auslandsoperationen, wie die FNAME OPEX (Fédération nationale des anciens des missions extérieures; nationale Vereinigung der Veteranen von Auslandsoperationen) oder die ANOPEX (Association nationale des participants aux opérations extérieures; nationaler Verband der Teilnehmer an Auslandsoperationen). Aber auch die großen Vereine der Militärszene, wie die Fédération nationale André Maginot des anciens combattants et victimes de guerre (FNAM, nationale Vereinigung André Maginot der Veteranen und Kriegsopfer), die Union nationale des combattants (UNC, nationale Union der Kämpfer) oder die Union fédérale (UF, föderaler Verband), die der 4. Kampfgeneration mit zunehmendem Verschwinden der früheren Generationen immer mehr Platz einräumen. Wir wollen auch die Gesellschaft Le Souvenir français nennen, die es sich zur Aufgabe machte, die Grabstätten von in Auslandsoperationen gefallenen Soldaten zu lokalisieren und den Familien deren Erhaltung anzubieten.

       

      Montmorency

      Einweihung der Parzelle des Staatswaldes von Montmorency (95) im Gedenken an die bei In- und Auslandsoperationen gefallenen Soldaten, 10. Dezember 2020.
      Von ANOPEX organisierter Festakt unter dem Vorsitz der beigeordneten Ministerin Geneviève Darrieussecq. © Erwan Rabot/SGACOM/Verteidigungsministerium
       

      Dann die institutionellen Vermittler, im Rahmen der Gedenkrichtlinie 2020-2022, die von der beigeordneten Ministerin des Verteidigungsministeriums, die für das Gedenken und die Veteranen zuständig ist, unterzeichnet wurde und von der Direktion für Kulturerbe, Erinnerung und Archive geleitet und in den Gebieten vom Nationalen Büro der Kriegsveteranen und Kriegsopfer umgesetzt wird, und das Ziel festlegt, „das Gedächtnis der Auslandsoperationen zu verstärken“. Auch die Medien, die den Auslandsoperationen immer mehr Reportagen widmen, oft anlässlich von Todesfällen, aber auch um den Franzosen den Alltag ihrer Soldaten näherzubringen, wie zum Beispiel die Reportagen Cuisiniers sous les drapeaux (Köche im Militärdienst) oder Femmes soldats, au cœur de l'opération Barkhane (Soldatinnen inmitten der Operation Barkhane) von Fabien Lemaire. Zahlreiche schriftliche Medien trugen bereits zu einer besseren Information und Vermittlung der Geschichte der Auslandsoperationen bei.

      Alle Regimenter, Luftwaffenbasen oder Schiffe überliefern auch stolz die Erzählungen der Kampfhandlungen ihrer „Veteranen“, wie zum Beispiel die Artikelserie über „Les canons de Daguet“ (Die Kanonen von Daguet) beweist, die vom 11. RAMa auf seiner Facebook-Seite online gestellt wurde. Den Auslandsoperationen wurden auch Untersuchungen oder Arbeiten zur allgemeinen Verbreitung der Auslandsoperationen gewidmet, wie zum Beispiel die Cahiers du RETEX des Centre de doctrine et d’enseignement du commandement de l’armée de Terre (CDEC, Lehr- und Schulungszentrum des Kommandos der Landstreitkräfte), die 2017 erschienene Sondernummer der Zeitschrift Les Chemins de mémoire, das Dictionnaire des opérations extérieures (Wörterbuch der Auslandsoperationen) von Philippe Chapleau und Jean-Marc Marill oder auch die Dutzenden Internetseiten, die sich dieser oder jener Auslandsoperation widmen.

      Die Vermittlung dieses Gedenkens im Schulbereich drückt sich schließlich heute konkret in der Bereitstellung von Ressourcen für Lehrer und Schüler aus, insbesondere auf der Plattform für den Verteidigungsunterricht Educ@ef der Website „Chemins de mémoire“ und der Realisierung von gemeinsam durch das Verteidigungs- und Bildungs-, Jugend- und Sportministerium gesteuerten Instrumenten, wie zum Beispiel Kurse zur Verteidigung und globalen Sicherheit, Tage der Verteidigung und der Bürgerrechte oder auch der Allgemeine Nationaldienst.

       

      SNU

      Tag der Einführung des Allgemeinen Nationaldienstes in Frankreich am Gymnasium Le Corbusier de Tourcoing, Nord, 17. Juni 2019.
      © Sylvain Lefevre/Hans Lucas/Hans Lucas über AFP

       

      Auf nationaler Ebene wurde die Entscheidung getroffen, die Erinnerung an die Auslandsoperationen durch das Gedenken an ihre Toten aufzubauen. Nunmehr scheint es notwendig, einen weiteren Schritt zu gehen und sich mehr für ihre Geschichte, die Heldentaten, deren man gedenken könnte, und Lehren, die wir daraus ziehen könnten, zu interessieren. Mittels der Berichte jener Soldaten, die in den ersten Auslandsoperationen zum Einsatz kamen und heute über siebzig Jahre alt sind, ist eine ganze Lebenserinnerung zusammenzutragen. Ein Stoff, der zusammengeführt, analysiert und übertragen werden muss, um daraus eine Erzählung abzuleiten, die den künftigen Generationen vermittelt wird. Heute besteht die Herausforderung also letztlich darin, diese Geschichte zu sammeln und zu archivieren, damit sie in unseren Museen Platz findet. Es sollen aber auch die Jahrestage Anlass geben, sie in Erinnerung zu rufen und zu vermitteln.

      Auch wenn das Verteidigungsministerium sich um die Verbreitung und Aufwertung bestehender Ressourcen durch Veröffentlichungen, Kolloquien, Dokumentarfilme usw. bemüht, hat es darüber hinaus im Februar des 30. Jahrestages der Operation Daguet gedacht. Im Jahr 2021 bieten der 40. Jahrestag der Operation Barracuda (Intervention in der Zentralafrikanischen Republik von September 1979 bis Juli 1981), der 20. Jahrestag des Beginns der Operation Herakles (französische Beteiligung an der Operation Enduring Freedom gegen das Taliban-Regime in Afghanistan, von Oktober 2001 bis Oktober 2013) und der 10. Jahrestag der Operation Harmattan (französische Beteiligung an den gemeinsamen alliierten Operationen Odyssey Down und Unified Protector in Libyen, von März bis Oktober 2011) weitere Gelegenheiten, um Höhepunkte der Würdigung im Zusammenhang mit den Auslandsoperationen zu veranstalten. 

      Autor

      Marie-Capucine Vauzanges - Hauptkommissarin

      Das Verbandswesen der Auslandsoperationen

      Gedenkfeier zum 30. Jahrestag des Endes des Golfkrieges (Operation Daguet), 27. Februar 2021. © A.Thomas-Trophime/Verteidigungsministerium

      Jean-François Hummel

      Jean-François Hummel. © Jean-François Hummel

      Daguet vor 30 Jahren

      Soldaten richten eine Lebensmittelverteilungskette in der Wüste ein. Sie reihen Kartons mit Nahrungsmitteln und Wasserflaschen auf. 23.09.1990-28.02.1991. © Christian FRITSCH/ECPAD/Verteidigung