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Die Betreuung der Verletzten

Zusammenfassung

    Zusammenfassung

    THEMA: Militärmedizin

    AUFGABE: Versorgung körperlicher und seelischer Traumata

    AKTEURE: Gesundheitsdienst der Streitkräfte, Militärspitäler, medizinisches Personal

    Die Betreuung der Verletzten auf dem Schlachtfeld seit dem Krieg von 1870 bis zu den jüngsten Schauplätzen hat sich stark verändert, sowohl auf organisatorischer Ebene als auch hinsichtlich der Maßnahmen und des Inhalts der Behandlung durch das medizinische Personal. Auf diese Weise wurden die Überlebenschancen für jeden Soldaten verbessert.

    Zu Ende des deutsch-französischen Krieges 1871 zeigt die Bilanz der menschlichen Verluste der französischen Armee nahezu ein Gleichgewicht zwischen der Anzahl der Verletzten (130.000), der Zahl der Gefallenen (140.000) und der an Krankheiten Verstorbenen (ca. 300.000, Krankheiten und Erfrierungen zusammen). Diese Niederlage und diese Bilanz läuten das Ende der Betreuung der Verwundeten ein, wie sie bis dahin ausgelegt war.

    Denn der Gesundheitsdienst, der gleichzeitig vom Kommando und der Verwaltung abhängt, wird noch nicht als eigene Einheit betrachtet. Daher vermischen sich auf dem Schlachtfeld die Sanitätsformationen der Armee, die Hilfsgesellschaften unter der Ägide des Roten Kreuzes und die Krankenhäuser im Inneren des Landes. Auch wenn der Grundsatz einer schnellen Evakuierung der Verletzten von einigen Behandlern auf Grundlage der Lehren aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Erfahrungen im Krimkrieg propagiert wird, hängt diese immer eng mit dem Verlauf der Kämpfe zusammen. Die Ersthelfer sind der direkten Bedrohung durch den Feind ausgesetzt und laufen daher Gefahr, wie beim Rückzug nach Metz oder Saint-Privat getötet oder gefangen genommen zu werden. Tatsächlich bleiben die Ärzte bis zur Kapitulation von Sedan vor Ort. Sie sind eifrig mit dem Verbinden der Verwundeten beschäftigt, die auf dem Schlachtfeld liegen, und geben genauso wie die Kämpfer echte Ziele ab.

    Die schwierige Geburt eines unabhängigen Gesundheitsdienstes nach 1870

    Die Behandlung der Verwundeten wird lange Zeit durch den schwierigen Kampf gegen Infektionen zunichtegemacht, da es kein abgekochtes Verbandsmaterial und keine Antisepsis bei chirurgischen Eingriffen gibt sowie Morphin in der Tasche des Bataillonsarztes fehlt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts weisen die Pflegekräfte jedoch vor allem auf die Mängel der Logistik und der Verbindungen hin. Die Hilfsgesellschaft für die Verwundetenpflege war so 1870 monatelang herumgeirrt und in Ermangelung klarer Weisungen des Kommandos oder der Verwaltung unfähig, die Dienste zu erbringen, zu denen sie verpflichtet gewesen wäre.

    Mit der Unterzeichnung des Frankfurter Friedens am 10. Mai 1871, der die Niederlage Frankreichs bedeutete, drängt sich eine Umstrukturierung der französischen Armee und ihres Gesundheitsdienstes auf. Die medizinische Akademie zieht die Lehren aus den schecklichen Bildern des Konflikts und schlägt 1873 die Schaffung eines unabhängigen Gesundheitsdienstes vor, der durch das Gesetz vom März 1882 verankert und mit jenem vom 1. Juli 1889 ergänzt wurde. Die Leitung des Gesundheitsdienstes geht daher in die Hände der Ärzteschaft über, sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten, und die Gesundheitsausbildung wird der Ärztekammer übertragen.

     

    poste secours Somme

    Improvisierte Rettungsstation des Roten Kreuzes während der Schlacht an der Somme, 1916. © TopFoto/Roger-Viollet

     

    Die Lehren aus dem Ersten Weltkrieg

    Der Krieg von 1870 und in jüngerer Zeit die französischen medizinischen Einsätze in den Balkankriegen von 1912 und 1913 prägen die Vorstellungswelt des Gesundheitswesens über den Krieg. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs müssen sich die Ersthelfer mit Notfallbehandlungen zufrieden geben, indem sie die Verwundeten vor einer Evakuierung nach hinten „einpacken“, wo sie von erfahrenen Chirurgen operiert werden. Der 1914 ausbrechende Konflikt entscheidet anders.

    Denn neue heftige Kämpfe führen ab den Monaten September-Oktober zur Einführung von chirurgischen Ambulanzen, die in unmittelbarer Nähe des Schlachtfeldes eingerichtet werden, um eine frühzeitige Behandlung zu gewährleisten. In den ersten Kriegswochen ist der Gesundheitsdienst durch Improvisation gekennzeichnet, denn das medizinische Personal war in keiner Weise auf so viele Verwundete und Gefallene sowie so schwere Verletzungen vorbereitet. Man muss frühzeitige chirurgische Eingriffe sicherstellen, um Infektionen und hämorrhagische Schockzustände so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen. Dies ist der Sinn der sehr kontroversiellen „offenen“ Amputation, die vom Chirurgen Victor Pauchet in den ersten Kriegswochen praktiziert wird. Sie besteht aus dem Abtrennen der Gliedmaße in Höhe der Wunde. Das umliegende Gewebe wird aufbewahrt und wie Fetzen verwendet, um einen festen Stumpf zu schaffen.

    Das Debakel von 1940

    Die Schnelligkeit des deutschen Vormarsches im Mai-Juni 1940 beim Frankreichfeldzug macht die geschaffene Organisation zunichte und ermöglicht nicht wirklich den Betrieb der ersten geplanten medizinischen Einrichtungen. Jedoch wurden verschiedene Elemente installiert, um die Verwundeten von der Front aufzunehmen. So zum Beispiel die Rettungsstation und fortschrittliche Feldlazarette, bevor eine Evakuierung in ein Krankenhaus im Hinterland durchgeführt werden konnte. Tatsächlich müssen die Feldlazarette, kaum dass sie eingerichtet wurden, wieder packen. Am 15. Mai, also fünf Tage nach Beginn der deutschen Offensive, wird das gesamte Kontingent, das der Gesundheitsdienst geplant hatte, zum Rückzug gezwungen.

     

    blessé 1940

    Betreuung eines Verwundeten der französischen Armee, Frankreich, 1940. © André Zucca/BHVP/Roger-Viollet

     

    In Kriegszeiten diktiert die militärische Führung die Modalitäten für das Eingreifen des medizinischen Personals, die Bedingungen der Übernahme und die Erstversorgung unmittelbar am Schlachtfeld. Die extreme Schnelligkeit der deutschen Invasion trug zum Zerfall der französischen Armee und ihres Gesundheitsdienstes bei.

    Letzterer ist daher am allgemeinen Durcheinander beteiligt, das im Krieg herrscht, wie Sanitätsfahrzeuge, die ihre Verwundeten auf gut Glück während des Rückzugs einlieferten. Da sie von den Ereignissen überholt wird, macht die Direktion des Gesundheitsdienstes Platz für persönliche Initiativen, wie im Fall des Arztes im Krankenhaus Zuydcoote, der über 4.000 Verwundete beherbergt, von denen 600 allein am Tag des 2. Juni 1940 neu dazukommen, und der beschließt, vor Ort zu bleiben sowie auf die Ankunft der deutschen Truppen zu warten.

    Das Vorgehen des Gesundheitsdienstes während der Entkolonialisierungskriege

    Man trifft in den Kriegen in Indochina und Algerien auf die gleiche Improvisation und dieselben Schwierigkeiten beim Verlassen der Kampfzone, so als hätte man die „Lehren“ aus den vorhergehenden Kriegen einfach vergessen.

    Denn als das französische Expeditionskorps 1946-1947 in Indochina landet, verfügt der Gesundheitsdienst nur über sehr wenige Mittel. Dies macht den Weg der Verwundeten zu den Feldlazaretten in Saigon oder Hanoi äußerst schwierig. Wie im Ersten Weltkrieg konzentrieren sich die Bemühungen daher auf die Mittel zur Evakuierung der Opfer, um die frühest mögliche Betreuung zu gewährleisten.

    Jedoch stellt der Transport auf Feldtragen bis zum Ende des Konflikts das beste Evakuierungsmittel dar, um Verwundete zur Rettungsstation des Bataillons oder an den Ort zur Verladung auf das Sanitätsfahrzeug zu bringen. Das Vorgehen ist für die Träger ermüdend, denn sie müssen mühselig durch den Dschungel oder über die Reisfelder gehen, und für die Verwundeten gefährlich, denn der Schock wurde immer schlimmer. Es ist auch eine riskante Aufgabe für die Kolonne, welche die Träger beschützt. Die starren Feldtragen werden nach und nach durch leichte, zusammenklappbare Tragbahren aus Aluminium ersetzt, jedoch werden auch weiterhin besonders die Hängematte und das Fischernetz verwendet.

     

    blessés Indochine

    Evakuierung von Verwundeten im Indochinakrieg, 1954. © Roger-Viollet

     

    Die große Innovation bei den Evakuierungsmitteln ist ab den Jahren 1950-1952, in denen der Konflikt immer internationaler wird, der Einsatz der Luftfahrt. So werden die Verwundeten manchmal über die Luft aus der Kampfzone evakuiert und in echte Behandlungseinrichtungen gebracht, wo sie operiert werden. Der weitgehend von den Amerikanern im Koreakrieg eingesetzte Hubschrauber taucht in den Jahren 1949-1950 am Himmel über Indochina auf. Dieses Transportmittel verändert radikal die sogenannten Erstevakuierungen und die Übernahme der Verwundeten in schwer zugänglichen Gebieten. Der Hubschrauver bietet sich daher für das medizinische Personal an, um die Schwierigkeiten des kräftezehrenden, langen und gefährlichen Transports mittels Trage zu beseitigen. Im Gegensatz zu den gezeigten Bildern bleiben jedoch die Evakuierungen der Verwundeten mit diesem Mittel in Wirklichkeit auf Grund des schwierigen Terrains die Ausnahme und eingeschränkt.

    Die Aufgabe der Ersthelfer und die Evakuierung der Verwundeten werden in Algerien durch die Kampfbedingungen, wie Anschläge und Angriffe auf isolierte Posten, sowie den geografischen Rahmen (steile Berge (Dschebel), schwer zugängliche Orte) sehr erschwert. Durch die Luftrettung mit einer breiteren Palette an Maschinen, von den schweren Sikorsky-Hubschraubern bis zu leichteren Hubschraubern, die den Transport der Trage bis zur Rettungsstation erleichtern, werden die erste Triage und Evakuierungen über größere Strecken möglich. Der Verwundete kann auf diese Weise innerhalb von ein bis sechs Stunden nach der Verletzung einem Chirurgen übergeben werden.

    Vor Ort versorgt ein Krankenpfleger den Verwundeten, indem er Erste Hilfe leistet. Der Bataillonsarzt seinerseits verfügt über eine Krankenstation, die oft eine Fertigstruktur ist. Die Bedingungen sind sehr einfach, jedoch ergeht es den Feldlazaretten anders als in früheren Konflikten, denn es gibt bereits Aufnahmeeinrichtungen für Verwundete in den örtlichen Krankenhäusern oder Städten wie Algier, Blida, Medea, Oran, Tlemcen, Constantine, Sétif und Philippeville.

    Die jüngsten Entwicklungen

    Durch das französische Engagement in Afghanistan hat sich der Gesundheitsdienst am Schlachtfeld immer mehr spezialisiert. Er hat mehrere Behandlungsebenen organisiert: die medizinische Ausrüstung bis zum Erreichen der Rettungsstation, die chirurgische Spezialisierung bis zum Erreichen des chirurgischen Lazaretts und ehestmögliche Rettungsflüge.

    Durch die Einrichtung eines Registers zur Sammlung medizinischer Daten kann heute die medizinische Betreuung Verwundeter mit verschiedenen Verletzungen beobachtet werden. Die Todesursachen in allen Phasen ermöglichen das Hinterfragen der sogenannten „vermeidbaren“ Tode. Dieser Nachdenkprozess gehört zur Fortsetzung der seit den 1970er-Jahren in den USA durchgeführten Studien. So hat der Chirurg Maughon früher die Autopsieergebnisse von 2.600 amerikanischen Soldaten untersucht, die in Vietnam gefallen sind, denn er war der Meinung, man könnte auf dem Schlachtfeld mehr tun, um den Tod, insbesondere infolge von Blutungen, zu verhindern. Die Idee dahinter war, dass es durch Analyse der Todesursachen auf dem Schlachtfeld möglich wäre, die Überlebenschancen der Verwundeten zu verbessern. Weitere Arbeiten über diesen Krieg zeigten, dass 40 % der im Kampf Getöteten verblutet waren und die Blutungen vor Ort besser unter Kontrolle hätten gebracht werden können. Ein Bericht schloss daraus, dass daher eine schnelle und wirksame Kontrolle von Blutungen für das Überleben entscheidend sei. Die Analyse von Autopsien an amerikanischen Soldaten, die im Irak und in Afghanistan gefallen waren, brachte drei Jahrzehnte später zutage, dass sie ca. 80 % der Verletzungen auf dem Schlachtfeld überleben hätten müssen, sie jedoch verblutet waren. Dazu zählten ca. 20 % Verletzungen am Hals, im Achselbereich und in der Leistengegend. Da der Tod durch eine Blutung nach einer Körperverletzung innerhalb von Minuten eintreten kann, ist eine schnelle Behandlung von Blutungen an jeglicher Stelle von entscheidender Bedeutung.

     

    blessé 1991

    Ein Arzt des 3. RIMa (Marineinfanterieregiments) behandelt einen am Kopf und am Arm verwundeten irakischen Soldat am Schlachtfeld, 1991.
    © Michel Riehl/ECPAD/Verteidigung

     

    Aufgrund dieser verschiedenen Feststellungen trieben die amerikanischen medizinischen Behörden die Erforschung neuer blutstillender Mittel voran. Angesichts der durch die Situation vorgegebenen Dringlichkeit haben sie nicht das „ideale“ Mittel sondern das „am besten verfügbare“ ausgewählt, und zwar HemCon (Verband, der sich bei starken venösen wie auch arteriellen Blutungen als wirksam erwies) für die amerikanische Armee und QuickClot (körniges Pulver, das sich in Fällen großer venöser Verletzungen als wirksam erwies) für die Navy und die Marines.

    Die Einführung einer neuen Doktrin

    Neben neuen blutstillenden Mitteln wurde auch das gesamte Konzept der Damage Control überdacht. Die Anfang der 1990er-Jahre formulierte Bezeichnung umfasst alle Reanimationspraktiken auf dem Schlachtfeld und in dessen unmittelbarer Nähe. Die ersten Studien befassen sich mit Wunden im Bauchraum mit Verletzungen von Eingeweiden und Gefäßen: Sie zeigen große Unterschiede hinsichtlich der Überlebenschancen je nach der angewandten Reanimationsart. So beträgt die Überlebensrate bei einem standardmäßigen chirurgischen Vorgehen 11 %, gegenüber 77 % bei Anwendung des Verfahrens der Damage Control, wobei dieser Prozentsatz 2001 vom selben Ärzteteam auf 90 % angehoben werden konnte. Die Arbeiten des amerikanischen Chirurgen Holcomb verfeinern später das Konzept mit dem Begriff der Damage Control Resuscitation. Für den Chirurgen geht es darum, in einer sehr kurzen Operationszeit die unbedingt notwendigen chirurgischen Maßnahmen durchzuführen, um die Blutungen zu stoppen und den Infektionsprozess aufzuhalten. Daher hat die Behebung physiologischer Störungen und nicht die sofortige vollständige chirurgische Reparatur Vorrang. Dies zeigt sich auch durch Einsatz der Druckverbandstechnik.

     

    stage Lorient

    Kurs für medizinische Betreuung in feindlichem Gebiet (MEDICHOS) in Lorient. Realistische Darstellung eines massiven Zustroms von Verwundeten im Triagebereich
    sowie Betreuung vor ihrer Evakuierung. © R. Connan/DICOD

     

    Moderne Druckverbände vom Typ „Tourniquet“ erhöhen nicht das Risiko für eine Amputation oder eine dauernde Dienstunfähigkeit. Der Verwundete selbst, einer seiner Mannschaftsmitglieder oder der Pfleger, der die Kampftruppe begleitet, kennt die Erste-Hilfe-Techniken einschließlich des Anlegens eines zeitweiligen Druckverbands. Die in den Kampfzonen von den Briten und Amerikanern angewandten sogenannten taktischen Druckverbände ermöglichen eine wirksamere und schnellere Blutungskontrolle als andere Mittel und tragen so zur Verringerung der tödlichen Folgen des Blutverlustes bei.

    Dasselbe gilt für die ab dem ersten Moment durchgeführten Transfusionen. Es geht in erster Linie um eine Reanimation des Verwundeten mithilfe einer hypotonischen Kochsalzlösung, die ermöglicht, wieder einen Puls zu bekommen oder wieder zu Bewusstsein zu kommen, mit dem Ziel, den Verwundeten lebend in die erste medizinische Einrichtung zu bringen, wo er weitere Bestandteile erhält (Erythrozyten, Plasma, Blutplättchen), um den Schockzustand unter Kontrolle zu bringen. Alle diese Reanimationsverfahren, die im Laufe der letzten Jahre im Irak und in Afghanistan ausgearbeitet wurden, erklären die hohe Überlebenschance in den verschiedenen epidemiologischen Untersuchungen, insbesonders bei den Verwundeten mit Gesichtsverletzungen.

    Rückkehr ins „normale“ Leben?

    In diesem Sinne haben die Kriege im Irak und in Afghanistan die außergewöhnliche Überlebensfähigkeit der Kämpfer klar herausgestellt. Die statistischen Daten weisen in dieselbe Richtung. Es zeigt sich, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit auf dem Schlachtfeld im Irak- und im Afghanistan-Konflikt höher ist als in allen vorangegangenen Konflikten. Laut der Studie des amerikanischen Chirurgen Matthew S. Goldberg für den Zeitraum vom März 2003 bis Januar 2007 überlebten 90,4 % der Verwundeten, während die Überlebensrate in Vietnam nur 86,5 % betrug. Der Prozentunterschied wirkt bescheiden, jedoch ist die Zahl der geretteten Leben ausschlaggebend.

    Die Überlebensfähigkeit am Schlachtfeld kann bei den Überlebenden ein bedingtes Gefühl der Unbesiegbarkeit hervorrufen, insbesondere bei jenen, die verstümmelt zurückgekehrt sind. Organisieren sie nicht Spiele namens „Invictus Games“, an denen Kriegsversehrte aus allen Ländern teilnehmen? Dort sieht man Körper, die nur mehr Körperteile sind, manchmal einfache Rümpfe, die sich bewegen, als wären sie unversehrte Körper.

     

    Invictus games

    Ankunft der französischen Delegation bei der Eröffnungsfeier der INVICTUS Games. Bei deren 3. Ausgabe vom 23. bis 30. September 2017 nahmen 30 verwundete Soldaten, Veteranen und Zivilisten des Verteidigungsministeriums an den Wettkämpfen in Toronto (Kanada) teil. © A. Thomas-Trophime/DICOD

     

    Die vom medizinischen Personal eingesetzten Mittel, insbesondere unmittelbar nach der Verletzung, tragen zu einer neuen Sicht auf die Soldaten bei, deren körperliche Verstümmelungen in früheren Konflikten kein Überleben ermöglicht hätten. Dank ausgeklügelter Prothesen der Gliedmaßen und der Wiederherstellungsarbeit verletzter Gesichter hat die Medizin nunmehr Mittel zur Verfügung, verwundeten Soldaten einen funktionierenden Körper zurückzugeben. Sie bietet ihnen scheinbar ein nahezu „normales“ Leben, so wie es gewesen wäre, wenn ihnen der Krieg keinen Teil ihres Körpers genommen hätte.

    Die Betreuung der Verletzten umfasst heute auch die seelischen Traumata. Neben der Diagnose der PTBS (posttraumatischen Belastungsstörung), die 1980 im DSM-III (Diagnostic and Stratistical Manual, dritte Fassung) aufgrund der bei Veteranen des Vietnamkriegs beobachteten zeitlich versetzten psychischen Erkrankungen aufgenommen wurde, ist neuerdings jene des TBI (SHT, Schädel-Hirn-Trauma) entstanden. Letzteres bezeichnet Hirnschäden aufgrund einer Exposition gegenüber IED (auf Deutsch improvisierte Sprengvorrichtungen). Das TBI hat sich als typische Diagnose im angelsächsischen medizinischen Sprachgebrauch der Operationen in Afghanistan und im Irak (OIF/OEF) durchgesetzt, jedoch ohne die PTBS zu verdrängen. Schätzungsweise liegt der Anteil der von dieser Diagnose betroffenen Soldaten zwischen 13 % und 17 %. Mehr als 25 % der Soldaten sollen eine Kombination aus PTBS und SHT aufweisen. Es ist jedoch hervorzuheben, dass sich der Erfolg noch als begrenzt erweist, trotz aller Bemühungen der amerikanischen Armee im Hinblick auf Prävention und Information über Erkrankungen im Zusammenhang mit diesen Diagnose sowie der Einrichtung neuer Strukturen und Verfahren zur Verringerung der Auswirkungen psychischer Störungen. Offensichtlich ist die Rückkehr ins Zivilleben zu Friedenszeiten nach den Erfahrungen der Kämpfe und ihrer Gewalt sehr schwierig. Was den Historiker auch beunruhigt, ist das Schweigen der französischen Psychiater zu dieser Frage während und nach dem Krieg in Afghanistan. Man las zu wenig über die französischen Erfahrungen in Afghanistan und allgemeiner die letzten Auslandsoperationen.

    Autor

    Sophie Delaporte - Lehrbeauftragte, HDR, UPJV-CHSSC

    Das Museum des Gesundheitsdienstes der Streitkräfte

    Die Sammlung Debat im Museum des Gesundheitsdienstes der Streitkräfte. © Museum des Gesundheitsdienstes der Streitkräfte

    Chefarzt Luc Aigle


    100 Jahre für die „Gueules Cassées“

    © UBFT

    Die Vermissten des Algerienkriegs

    Einberufen in den Algerienkrieg

    Hubert Germain, letzter Kamerad der Befreiung

    Der am Dienstag, 12. Oktober 2021 verstorbene letzte der 1038 Kameraden der Befreiung wurde am Donnerstag, dem 11. November in der Krypta des Mémorial de la France combattante am Mont Valérien beigesetzt. Damit kommt er zu den 16 für Frankreich Gefallenen, die für die unterschiedlichsten französischen Einsätze während des Zweiten Weltkriegs stehen.

    Feierlichkeiten zu Ehren des letzten Kameraden der Befreiung am Mittwoch, 10. und Donnerstag, 11. November.

    Pressemitteilung des Museums des Ordre de la Libération

     


    Am Freitag, 15. Oktober fand im Hof des Hôtel National des Invalides eine nationale Ehrung für Hubert Germain statt.

    Hier finden Sie die Übertragung der offiziellen Feier 


    Die SAS in Algerien, Soldaten an der Seite der Bevölkerung

    Les écoles d’El Kremis, de Bou Ighzer et la section administrative spécialisée (SAS) de Pierre, en Kabylie - ECPAD

    1962, die Flucht der Franzosen aus Algerien

    ©CREUSE/ECPAD/Défense

    Sechzig Jahre, reicht das aus, nicht nur um sich zu erinnern, ohne gemeuchelt zu werden, sondern auch und vor allem um eine dramatiche Geschichte vernünftig zu durchleuchten, die von Hass und Leidenschaft, von Verachtung und ohnmächtiger Liebe geprägt ist, welche die Erinnerungen damals und heute bewegen? Algerien feiert bald sechzig Jahre Unabhängigkeit, und das ist legitim. Repatriierte Algerienfranzosen (Pieds-Noirs) und französische Muslime versuchen sich zu erinnern und das Unbegreifliche zu verstehen... Warum sind sie unter solchen Bedingungen weggegangen?

    Friedhöfe

    Nécropole de la Fontenelle

    Nationalfriedhof La Fontenelle. © ECPAD

    Gedenkfeier zum 30. Jahrestag der Operation Daguet

    Am Dienstag, 19. Oktober 2021 konnte im Hôtel national des Invalides bei einer militärischen Feier des 30. Jahrestages der Operation Daguet gedacht werden.

    Dieser Jahrestag markiert den Einsatz Frankreichs
    im Golfkrieg vom 17. Februar bis 28. Februar 1991, dem Tag des Waffenstillstands.

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    151. Jahrestag der Kämpfe von Bazeilles

    Die im Tschad anwesenden Marinetruppen gedachten am Donnerstag, 16. September 2021 auf dem Waffenplatz der Siedlung Lamy in N’Djamena unter der Oberaufsicht des ersten Gesandtschaftsrats der französischen Botschaft des 151. Jahrestages der Kämpfe von Bazeilles im Jahr 1870.

    Pantheonisierung von Josephine Baker

    Am 30. November 2021 wurde Josephine Baker auf Entscheidung des Staatspräsidenten, im Pantheon beigesetzt

     

    Souvenir Français in der Welt

    Digitaler Gedenktourismus

    Zusammenfassung

      Zusammenfassung

      THEMA: Gedächtnistourismus

      ZIEL: Digitale Innovation

      AKTEURE: Gedenkorte, vor allem Museen

      Seit fast 30 Jahren hält die digitale Technik zunehmend in unseren Museen Einzug. Die Covid-19-Krise hat dieses Phänomen nur noch verstärkt. Der „Gedächtnistourismus 2.0“ ermöglicht ein besseres Verständnis der Geschichte und erhöht gleichzeitig die Attraktivität der Destinationen und Gedenkstätten zeitgenössischer Konflikte.

      Unser Land, das vor allem Schauplatz der weltweiten Kriege des 20. Jahrhunderts war, besitzt heute eine hohe Dichte an Museen, Gedenkstätten und Befestigungsanlagen. Die Gedenkzyklen zum Ersten und zum Zweiten Weltkrieg erweckten großes Interesse der Öffentlichkeit an den Gedenkorten, die eine immer größere Zahl französischer, aber auch ausländischer Besucher zählen.

      So verzeichneten 2019 die Gedenkorte 15,2 Millionen Besucher. Die Gedenkorte und -stätten erobern daher ein sehr breites Publikum, das mehr über seine Vergangenheit erfahren möchte. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, wurden zahlreiche Hilfsmittel für die Besichtigung und Vermittlung eingesetzt, darunter ein umfassendes innovatives digitales Angebot.

      Pionnierorte

      Das Ende der 1980er-Jahre ist von der Entstehung mehrerer digitaler Einrichtungen geprägt, die als Mittel zur Verbreitung von Wissen und Kenntnissen in Erscheinung treten und in diesem Sinne der Kultur- und Gedenkpolitik dienen. Die digitale Technik ermöglicht der Öffentlichkeit damit Zugang zu den Datenbanken der Museen. Daraus entstehen interaktive Säulen in kulturellen und kulturhistorischen Einrichtungen, um den kulturellen Maßnahmen eine didaktische Dimension zu verleihen. Weitere digitale Systeme werden entwickelt, wie zum Beispiel CD-ROMs. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, viele Augenzeugenberichte über die zeitgenössischen Konflikte zu bewahren und zu erfassen. Diese Maßnahmen sind ein erster Schritt zur Einführung neuer kultureller und touristischer Praktiken im Zusammenhang mit Erinnerungen.

      Denn der digitale Aufschwung bietet den Gedenkstätten und -akteuren zahlreiche Möglichkeiten. An den meisten Gedenkorten ist die erste Multimedia-Einrichtung das Video, das auf einem klassischen Bildschirm angezeigt wird, der an einer Wand angeordnet ist oder in den Ausstellungsvitrinen Einzug gehalten hat. So werden im Eingangsbereich des Museums General Leclerc de Hauteclocque und der Befreiung von Paris – Museum Jean-Moulin, das sich in der Nähe des Montparnasse-Bahnhofes befindet, kurze Sequenzen aus Berichten von Widerstandskämpfern mithilfe von Bildanzeigeeinrichtungen ausgestrahlt. Die Gedenkorte sensibilisieren den Besucher auf eine neue Art und Weise für die zeitgenössischen Konflikte. Unter Nutzung hochmoderner Technologien werden auch mehrere Medien eingesetzt, so wie im Zentrum Juno Beach. Das Museum, das ein Pionier bei der Installation neuer Einrichtungen ist, bietet im „Courseulles“-Raum die Möglichkeit, die Landung in der Normandie so „mitzuerleben“, als ob der Besucher dabei wäre. Das Publikum nimmt in einem stilisierten Kahn Platz, um einen Film anzusehen. Auf die Wände werden Bilder vom Krieg, den Übungen der Bataillone und des D-Days projiziert, während die kanadischen Soldaten und ihre Familien ihre damaligen Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen. Die Gedenkorte werden mit einer innovativen und häufig markanten Vermittlung während des Rundgangs dem zweifachen Ziel der Sensibilisierung und Geschichtsvermittlung gerecht.

      Diese an manchen Gedenkorten relativ früh in Erscheinung getretenen digitalen Einrichtungen setzen relativ einfache Technologien ein, um immersive und spürbare Erfahrungen für die Besucher zu bieten. Als wahre Mittel der Geschichtsvermittlung stellen sie auch einen Stimulus für die Entwicklung für Gebiete und Stätten im Zusammenhang mit den zeitgenössischen Konflikten dar, indem sie eine Diversifizierung des Angebots des Gedächtnistourismus ermöglichen und die Erwartungen der Besucher, besonders jene der jüngeren Generationen, erfüllen.

      Kartographie des Vorhandenen

      In den 2010er-Jahren wurde das tourisitsche Angebot der Gedenkorte um zahlreiche innovative Einrichtungen erweitert. Dieses Jahrzehnt stellt eine Wende in der kulturellen Vermittlung dar, denn die moderneren Mechanismen zur Wissensverbreitung halten in den Institutionen Einzug. Diese Mittel, die sich auf innovative Technologien der geografischen Ortung sowie der virtuellen oder immersiven Realität stützen, sind wertvolle Hilfsmittel bei der Besichtigung, aber für bestimmte Akteure wie die Gebietskörperschaften auch echte Faktoren für die Attraktivität. Der Departementrat der Ardennen brachte zum Beispiel 2016 die App „Ardennes, terre de mémoire“ (Ardennen, Land der Erinnerung) heraus. In einem folgerichtigen Rundgang wird der Tourist an verschiedene Stätten des Gebiets geführt, die durch die zeitgenössischen Konflikte geprägt wurden. Wenn man sich vor Ort befindet, können über die App Beschreibungen und ein umfangreicher Inhalt abgerufen werden, der von Texten über Spiele bis zu Stadtspaziergängen reicht.

      Die neuen Medien zur Vermittlung werden den Anforderungen der Gedenkakteure gerecht, deren Aufgabe die Vermittlung der Geschichte der und Erinnerung an die zeitgenössischen Kriege ist. Digitale Techniken können diese Arbeit mit verschiedenen Funktionen (Geolokalisation, immersive Augmented Reality, Video, Audioinhalte) erleichtern.

      Digitale Medien begleiten den Touristen nicht nur bei seinem Besuch, sondern dienen insbesondere durch mobile Anwendungen auf spielerische Weise auch der Wissensvermittlung. Sie sind sehr beliebt und werden von Gedenkeinrichtungen entwickelt, wie zum Beispiel dem Museum des Widerstands in Limoges mit der App „Résistance en poche“ (Widerstand im Taschenformat), die sich an Jugendliche richtet (8-12 Jahre). Diese folgt drei Kindern in ihrem Tempo und selbstständig bei ihrer Erkundung des Museums. Diese Art der Einrichtung, die ein „serious game“ (ernsthaftes Spiel – eine Tätigkeit, die eine „ernsthafte“ Absicht – pädagogischer, informativer Art – mit spielerischen Bereichen kombiniert) ist, wird auch von anderen Gedenkorten entwickelt. Das Erlernen der Geschichte zeitgenössischer Konflikte wird durch diese Mittel, die sich seit der Covid-19-Gesundheitskrise ständig weiterentwickeln, gefördert.

      Die digitale Technik in Krisenzeiten

      Die Gesundheitskrise hat die Kultureinrichtungen gezwungen, sich neu zu erfinden und sich neue digitale Mittel einfallen zu lassen. Da die Gedenkorte durch die Lockdowns immer wieder geschlossen waren, wurden mehrere Maßnahmen ergriffen, damit sie ihren Aufgaben so gut wie möglich gerecht wurden. Sie stützten sich zuerst auf die vorhandenen Inhalte und entwickelten dann neue, um Internetbenutzer stärker anzusprechen. So blieben sie mit ihren regelmäßigen Besuchern in Kontakt und verstärkten sogar ihre Verbindung zu ihnen, während sie gleichzeitig ein neues Publikum ansprachen. Eines der Merkmale des digitalen Angebots ist dessen Anpassung an jedes Publikum, sowohl an jene, die üblicherweise Gedenkorte besuchen, aber auch an andere.

      Die Idee bestand darin, die jeweiligen Erwartungen (von Veteranen, Eltern, Kindern, Lehrern oder einfachen Interessierten) im Rahmen mehrerer Zielsetzungen zu erfüllen: gedenken, sich erinnern, entdecken, sich unterhalten, lernen und lehren. Die Gedenkorte und -stätten haben ihre Inhalte mit zahlreichen Maßnahmen in den sozialen Netzwerken aufgewertet, wie zum Beispiel dem Programm „Restez à bord, la mer s’invite chez vous“ (Bleiben Sie an Bord, das Meer kommt zu Ihnen nach Hause), das vom Nationalen Marinemuseum gestartet wurde. Zusätzlich zu den verschiedenen Online-Ressourcen auf den Internetseiten stellten sie Lehrmittel zur Verfügung.

      Dem Publikum wurden durch innovative und interaktivere Vermittlungsformen auch mehrere wöchentliche Termine in den sozialen Netzwerken angeboten. Mit dem gleichen Ziel hat das Museum des Ordre de la Libération eine Zusammenarbeit mit dem Youtuber Nota Bene, der über eine Million Abonnenten hat, gestartet. Auf diese Weise lassen sich seine Sammlungen erkunden und den Jüngsten die Geschichte der Befreiung Frankreichs zu vermitteln.

      So sind in dieser Krise neue Möglichkeiten für den Gedächtnistourismus entstanden. Da die Besucher nicht mehr vor Ort sein konnten, kamen die Institutionen mit virtuellen Führungen auf elektronischem Wege zu ihnen. Internetnutzer konnten die nationalen Gedenkstätten des Verteidigungsministeriums von besonderer Bedeutung mittels 360°-Führungen erkunden, die während der Lockdowns auf YouTube online gestellt wurden. Darüber hinaus wurden die meisten Gedenkfeiern in eingeschränkter Form abgehalten, wodurch die Gedenkorte und ihre Partner gezwungen waren, sich andere Gedenkpraktiken auszudenken. Damit die Franzosen sie verfolgen konnten, wurden sie von mehreren Institutionen, wie zum Beispiel der Gedenkstätte der Shoah und dem Mont Valérien, aber auch dem Verteidigungsministerium, über die sozialen Netzwerke (Facebook, Instagram, YouTube…) übertragen. Diese Praxis wurde seit Jahresbeginn dauerhaft für die meisten nationalen Feierlichkeiten eingeführt. Viele Internetnutzer haben auf diese Weise die verschiedenen Gedenkstätten entdeckt und bekamen dadurch Lust, sich dorthin zu begeben.

       

      Anne Franck

      Bild aus „Anne Frank House VR“. © FeelU

       

      Welche Perspektiven?

      Die Covid-19-Krise hat die Art des Reisens und folglich die Praktiken im Zusammenhang mit dem Gedächtnistourismus verändert. Der Tagestourismus hat stark zugenommen, was die Gedenkorte berücksichtigt haben. Um die Neugier einer immer breiteren Kundschaft zu stillen, entstehen neue Innovationen.

      So hat das Armeemuseum beispielsweise eine Smartphone-App entwickelt, mit der Familien die Einrichtung durch Spiele erkunden können, ebenso wie das Historial de la Grande Guerre de Péronne – Thiepval. In der Einrichtung des Historial können die Besucher den Ersten Weltkrieg und die Geschichte wichtiger Persönlichkeiten durch Overlap Reality miterleben. Schließlich hat die Region Normandie die Anwendung „TimeTravel“ eingeführt, die das vorhandene Erbe in der Bucht des Mont-Saint-Michel zeigt, indem sie die Besucher in eine bestimmte Zeit versetzt.

      Die Gedenkorte werden auf diese Weise mit anderen historischen Denkmälern verbunden und tragen dank verschiedener digitaler Innovationen zum zunehmenden Erfolg des Slow Tourism (langsamer Tourismus, der sanfte Formen des Reisens bevorzugt, um ein Land oder eine Region zu entdecken und dabei die Auswirkungen auf die Umwelt minimiert) bei. In diesem Sinne werden derzeit neue Formen virtueller Führungen ausgearbeitet, damit ausländische Touristen diese Orte besichtigen können, ohne durch das Reisen einen CO2-Abdruck zu hinterlassen. Es geht dabei um die Anpassung an die neuen Erwartung der Reisenden, indem man sich auf die digitale Technik stützt, damit sie neue Erfahrungen machen können.

      Denn jüngere Besucher wollen starke und authentische Eindrücke erleben. Denn der „Erlebnistourismus“ verzeichnet eine starke Nachfrage und ist bei den nach Erlebnissen und Emotionen hungrigen Urlaubern sehr beliebt. Der Gedächtnistourismus spricht die Emotionen an, die mittels digitaler Technik hervorgerufen werden können. Die neuen Technologien werden daher von den Akteuren dieses Sektors eingesetzt, damit der Reisende einmaligen Augenblicke erlebt. Das Museum Jean et Denise Letaille – Bullecourt 1917 bietet zum Beispiel die Möglichkeit, die Schlacht von Arras mit einem Augmented-Reality-Helm zu erleben. Die Akteure des Gedächtnistourismus sind daher mit Veränderungen durch die neuen Technologien konfrontiert. Um all diese Transformationen zu unterstützen, hilft das Verteidigungsministerium als Akteur und Partner des Gedächtnistourismus den Fachleuten mit zahlreichen Maßnahmen (Seminare zur Professionalisierung, Projektausschreibungen „Innovative digitale Dienste“ usw.).

      Die Entwicklung innovativer digitaler Einrichtungen an Gedenkorten bildet derzeit einen der Schwerpunkte der Politik zur Strukturierung des Gedächtnistourismus. Frankreich positioniert sich beim jungen Publikum als attraktive Destination der Erinnerung und Geschichte, die international konkurrenzfähig ist. Die von den Gedenkorten entwickelten Einrichtungen werden immer stärker fachbereichsübergreifend, indem sie im Vorfeld oft das Publikum (vor allem die Jugend), die Dimension der nachhaltigen Entwicklung und das Konzept der Netzwerkbildung der betroffenen Akteure miteinbeziehen. Die Gesundheitskrise stellt darüber hinaus ihre Finanzierungsmethode in Frage. Ihre Monetarisierung ist umstritten. Obwohl sie von der Öffentlichkeit sehr geschätzt werden, scheint diese keine Bezahlung für den Zugang in Erwägung zu ziehen.

      Da diese Ansicht von einer großen Mehrheit der Gedenkstätten geteilt wird, entwickeln sie verschiedene wirtschaftliche Modelle, um diese ziemlich kostspieligen digitalen Mittel zu finanzieren. Denn auch wenn große Gedenkeinrichtungen die Mittel haben, solche Systeme zu entwickeln, können sich kleinere Strukturen mit deren Anschaffung schwer tun. Die Stellen müssen nicht nur die digitalen Medien zahlen, sondern auch verschiedene Fachleute beiziehen, wie Historiker, Akteure oder auch Entwickler, die sie bezahlen müssen. Darüber hinaus müssen die Anlagen gewartet werden, damit sie nicht veralten. Um die Ausgaben einzudämmen, können die digitalen Einrichtungen im Ticketpreis enthalten sein oder durch öffentliche Subventionen unterstützt werden. Das Hauptziel dieser Mittel ist nicht die Rentabilität, sondern vor allem die Attraktivität und die Erneuerung des Publikums. Dies impliziert auch eine Evaluierungsphase für diese Einrichtungen, um den Erwartungen und technologischen Entwicklungen am besten gerecht zu werden.

       

      Das Museum des Ersten Weltkriegs in Meaux aus der Ferne besuchen

       

      musée Grande Guerre Meaux

      © Museum des Ersten Weltkriegs, Meaux

       

      Das Museum des Ersten Weltkriegs bietet seit 2014 Schulgruppen die Möglichkeit, über eine Internetplattform mit einer interaktiven digitalen Tafel (oder einem Videoprojektor) von der Klasse aus eine Führung zu besuchen, die von einem Kulturvermittler auf einer Dauerausstellungsfläche von 3.000 m² begleitet wird. Mithilfe von fixen und mobilen Kameras besteht die Möglichkeit des direkten Austauschs zwischen den Schülern und dem Gegenüber am Bildschirm. Während der Gesundheitskrise wurden Führungen aus der Ferne auch für die breite Öffentlichkeit organisiert.

       

      Das immersive audiovisuelle System des Denkmals auf dem Mont-Faron

       

      Mémorial-MontFaron

      © Patrick Palmesani

       

      Das Denkmal für die Landung und Befreiung in der Provence ist eine nationale Gedenkstätte des Verteidigungsministeriums mit besonderer Bedeutung auf der Anhöhe von Toulon (Mont-Faron) und besitzt seit 2017 eine neue Museumsgestaltung. Der Besucherrundgang bietet verschiedene innovative Einrichtungen, darunter ein großes immersives audiovisuelles Spektakel. Auf einer riesigen Bildfläche von 17 Metern Länge versetzt ein didaktischer Film die Besucher mitten in die Kämpfe, von den ersten Tagen der Landung bis zur Befreiung der Provence. Dieses immersive Erlebnis mit einer Dauer von 10 Minuten, das gleichzeitig auf mehrere Bildflächen projiziert wird, vermittelt ein besseres Verständnis für die Herausforderungen und die militärischen Fakten, die zur Befreiung der Provence beitrugen.

       

      Die InstaLive des Mémorial de la Shoa (Gedenkstätte der Shoah)

       

      Brochoire expo perm

      © Photo Florence Brochoire/Mémorial de la Shoa

       

      Während der aufeinanderfolgenden Lockdowns entschied sich die Gedenkstätte der Shoah zur Beibehaltung ihres Kulturprogramms, indem sie es an die verfügbaren Kommunikationskanäle anpasste. Zusätzlich zu den über Zoom und Youtube organisierten Konferenzen oder die Bereitstellung von Filmen auf ihrer Website bot die Gedenkstätte ungefähr dreißig virtuelle Begegnungen auf Instagram (InstaLives) an, bei denen Persönlichkeiten eingeladen waren, live Texte aus dem Archivbestand vorzulesen. Aufgrund des großen Erfolges wird diese Initiative immer noch gelegentlich fortgesetzt.

      Autor

      Lise Denis - Zentrum „Gedächtnistourismus“ in der Direktion für Kulturerbe, Erinnerung und Archive

      Die Gedenkstätte von Verdun

      © Gedenkstätte von Verdun

      Hervé Morin

      Hervé Morin. © Rechte vorbehalten

      Ausschreibung für digitale Projekte

      © SGA Com

      Der Beitrag der Überseegebiete im Zweiten Weltkrieg

      Nationalfriedhof Signes

      Feierlichkeiten vom 18. Juli 2012. Sammlung des ONACVG

       

      Um die Infotafel des Friedhofs aufzurufen, klicken Sie hier vignette Signes

      Das Grundstück, das auf dem Gemeindegebiet von Signes im kleinen Ort „Vallon des Martyrs“ liegt und um einen symbolischen Franc gekauft wurde, wird 1996 zum Nationalfriedhof. Er wurde am 25. Juni desselben Jahres im Beisein des beigeordneten Ministers für Veteranen und Kriegsopfer feierlich eingeweiht und würdigt 38 Widerstandskämpfer, die an dieser Stelle im Juli und August 1944 hingerichtet wurden. Auf einer Fläche von 54 Ar gibt es auf diesem Friedhof keine Leichen im eigentlichen Sinne, sondern ein Beinhaus sowie 38 einzelne Gedenkplatten.

      Der Widerstand in der Südzone

      Ab dem Sommer 1940 protestierten Einzelpersonen und kleine Gruppen gegen die Besatzung und kritisieren die politische Ausrichtung der französischen Regierung, die seit kurzem an der Macht ist. Widerstandsbewegungen und -netzwerke entwickeln sich zunehmend in der nicht besetzten Provence und im ganzen Land.

      Im November 1942 überschreiten die Deutschen die Demarkationslinie und stürmen die freie Zone. Der Widerstand gewinnt neue Personen und die bewaffneten Aktionen gegen den Besatzer nehmen zu.

      Am 26. Januar 1943 schließen sich die drei großen Bewegungen der Südzone (Combat, Libération Sud und Franc Tireur) auf Veranlassung von Jean Moulin zu den Vereinigten Résistance-Bewegungen (Mouvements Unis de la Résistance, MUR) zusammen. Sie richten eine gut strukturierte Geheimorganisation mit verschiedenen Aktionsabteilungen ein: die geheime Armee (Armée Secrète, AS), die Unterwanderung der öffentlichen Verwaltung (Noyautage des Administrations Publiques, NAP), die Abteilung für Fallschirmlandungen (Section Atterrissage Parachutage, SAP), die Propagandaorganisation für Rekrutierungen (Recrutement Organisation Propagande, ROP), eine Universitätsorganisation (Organisation Universitaire, OU) usw. Aus den MUR, den Freischützen (Francs-tireurs) und Partisanen (FTP) oder der Widerstandsorganisation der Armee (Organisation de Résistance de l’Armée, ORA) hervorgehende Widerstandgruppen bilden sich in den Gebirgsregionen, wo viele vor dem obligatorischen Arbeitsdienst (STO) Zuflucht suchen. Verschiedene Streitkräfte der Résistance schließen sich zwischen Dezember 1943 und Februar 1944 zu den französischen Streitkräften des Inneren (Forces Françaises de l’Intérieur, FFI) zusammen.

      Die Widerstandskämpfer bereiten 1944 in der Südzone die Befreiung des Staatsgebietes vor. Es werden die Befreiungskomitees der Departements (Comités Départementaux de Libération, CDL) gegründet. Nach der Landung der alliierten Truppen in der Normandie am 6. Juni 1944 nimmt die Repression durch die deutsche Armee, die Gestapo und die Miliz zu, insbesondere gegen die im Juni in der Provence gebildeten Widerstandsgruppen.

      Die Hinrichtungen im Juli und August 1944

      Im Sommer 1944 ermöglicht ein Verrat der Gestapo, zahlreiche Widerstandskämpfer der R2 (heutige Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur) zu verhaften. Dies gilt am 16. Juli 1944 für fast alle Mitglieder des Befreiungskomitees des Departements Basses-Alpes, die in Oraison versammelt waren. Andere werden zu Hause oder bei Treffen festgenommen. Nachdem sie am Sitz der Gestapo in Marseille, in der Rue Paradis 425, Befragungen und Folter ausgesetzt wurden, werden sie in das Gefängnis Les Baumettes überstellt.

      Nach einem Scheinverfahren werden neunundzwanzig dieser Männer am 18. Juli in einer abgeschiedenen Talmulde im Wald von Signes erschossen. Neun weitere Widerstandskämpfer werden am 12. August an derselben Stelle hingerichtet. Die Leichen werden vor Ort vergraben.

      Als im September 1944 dieses Massengrab entdeckt wird, zeigt sich die Brutalität dieser Exekutionen: einige wurden lebend begraben und Ätzkalk wurde auf die Leichen geschüttet, wodurch manche unkenntlich gemacht wurden. Unter den Opfern lassen sich Widerstandskämpfer aus verschiedenen Bewegungen und Organisationen identifizieren: der Präsident des Befreiungskomitees des Departements Basses-Alpes (CDL), mehrere Mitglieder der Vereinigten Résistance-Bewegungen (MUR), der Universitätsorganisation (OU) und der Unterwanderung der öffentlichen Verwaltung (NAP), der Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte des Inneren (FFI) der Region 2, der regionale Militärdelegierte (DMR), junge Offiziere der Freien Französischen Streitkräfte (FFL), ein Brite des Special Operations Executive, ein amerikanischer Offizier usw.

      Im Wald von Signes fügten die Nazis der provenzalischen Résistance schwere Verluste zu, indem sie diese am Vorabend der Landung in der Provence mehrerer Verantwortlicher beraubte.

      Am 21. September 1944 findet unter Leitung des damaligen Regionalkommissars der Republik im Beisein ziviler, militärischer und religiöser Repräsentanten Raymond Aubrac ein Staatsbegräbnis am Friedhof Saint-Pierre in Marseille statt. Seither werden in diesem „Vallon des martyrs“, das zum Nationalfriedhof geworden ist, alljährlich am 18. Juni die 38 Widerstandskämpfer feierlich gewürdigt.

       

      Cérémonie du 18 juillet 1945

      Feier vom 18. Juli 1945. Sammlung Chiny

       

      Die Erschossenen von Signes

      • Marcel ANDRÉ

      44 Jahre - Schuldirektor - CDL der Basses-Alpes

      • André AUNE

      45 Jahre - Makler - Chef des AS im Departement Bouches-du-Rhône

      • Georges BARTHÉLEMY

      37 Jahre – Leutnant der FFI

      • Lucien BARTHÉLEMY

      40 Jahre - Handelsvertreter - Netzwerk La France au Combat

      • Charles BOYER

      59 Jahre - Rechtsanwalt - Netzwerk La France au Combat

      • Albert CHABANON

      29 Jahre – Professor – Regionalleiter der OU

      • Henri CHANAY

      30 Jahre – französischer Offizier – Leiter der Mission interalliée (interimistisch DMR)

      • Roger CHAUDON

      36 Jahre – Direktor einer landwirtschaftlichen Genossenschaft – SAP Basses-Alpes

      • Georges CISSON

      34 Jahre - Ingenieur für Brücken und Dämme - Regionalleiter der NAP

      • Paul CODACCIONI

      55 Jahre - Hauptkontrolleur der PTT - Regionalleiter der NAP-PTT

      • François CUZIN

      29 Jahre - Philosophieprofessor - CDL der Basses-Alpes

      • André DAUMAS

      44 Jahre - Arzt - Arzt der FFI Basses-Alpes

      • Jean-Pierre DUBOIS

      49 Jahre – Raumausstatter - MLN

      • Léon DULCY

      32 Jahre - Arzt - britische SOE

      • Guy FABRE

      19 Jahre – Student - OU

      • Maurice FAVIER

      27 Jahre - Gemeindesekretär - CDL der Basses-Alpes

      • Paul KOHLER

      44 Jahre, Chefmechaniker - NAP SNCF

      • Pierre-Jean LAFFORGUE

      29 Jahre – französischer Offizier - ORA

      • Émile LATIL

      41 Jahre – Maler – CDL der Basses-Alpes

      • Jean-Louis LESTRADE

      20 Jahre – Student - OU

      • Maurice LEVY

      32 Jahre – Publizist - Geheimdienstagent OSS

      • Jean LIBERT

      20 Jahre – Leiter der Verbindungsstelle des MLN

      • René MARIANI

      22 Jahre – Student - OU

      • Louis MARTIN-BRET

      46 Jahre - Genossenschaftsdirektor - Verantwortlicher des MLN und Präsident des CDL der Basses-Alpes

      • Jules MOULET

      45 Jahre - Unternehmer - Chef des NAP von Bouches-du-Rhône

      • Jean M. MUTHULAR

      34 Jahre - amerikanischer Offizier - Mission interalliée OSS

      • Francis NINCK

      30 Jahre - französischer Offizier – Kommandant der AS-Abteilung von Marseille

      • Léon PACAUD

      31 Jahre - französischer Offizier – FFL

      • François PELLETIER

      23 Jahre - französischer Offizier - BCRA – FFL

      • Jean PIQUEMAL

      39 Jahre - Krankenpfleger - CDL der Basses-Alpes

      • Terce ROSSI

      28 Jahre - Mechaniker - Agent der FTP Basses-Alpes

      • Robert ROSSI

      31 Jahre - französischer Offizier - Regionalleiter der FFI

      • Georges SAINT-MARTIN

      20 Jahre - Student - FFI (Sekretär von Robert Rossi)

      • Robert SALOM

      18 Jahre - Student - Agent der FTP Basses-Alpes

      • André WOLFF

      44 Jahre - Notar - AS

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