Das Kriegskreuz feiert 100-jähriges Bestehen

Chapeau

Bereits bei den ersten Kämpfen im Sommer 1914 ist der Fehler im System der französischen Auszeichnungen schnell erkannt, um verdienstvolle Kämpfer auszuzeichnen. Erst im April 1915 wird das Kriegsverdienstkreuz verliehen, das fortan als Zeichen für siegreiche Frontsoldaten galt. Vidéo commémorative du 11/11/2015

Carte postale patriotique, 1915. © Coll.particulière / DR
Texte

Bei Ausbruch des Krieges gab es für die französischen Soldaten ausschließlich die Militärmedaille und die Auszeichnung der Ehrenlegion, mit der die tapfersten Soldaten auszeichnet wurden. Dennoch konnte die Verleihung dieser Auszeichnungen nicht ausreichend dafür entschädigen, was die Soldaten während des Dienstes mit der Waffe geleistet hatten. Im Oktober 1914 gelingt es General Boëlle, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Erst am 2. April 1915 wurde nach langwierigen Parlamentsdebatten ein Gesetz über die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes beschlossen. Alexandre Millerand, Kriegsminister, sah keine Notwendigkeit zur Verleihung einer solchen Auszeichnung, weil die Erwähnungen auf der Tagesordnung des öffentlichen Amtsblatts der Armee erschienen waren. Das insbesondere vom Journalisten Maurice Barrès und Oberstleutnant Driant forcierte Projekt sollte vielmehr dazu dienen, eine Auszeichnung zu bieten, die einen Nachweis über die Taten liefert und den Mut der Kämpfer sichtbar macht.

Selbst vor Anwendung des Gesetzes gab es Wettbewerbe, um möglichst viele Ideen für das Design der zukünftigen Auszeichnung zu sammeln. Der Aufruf war ein voller Erfolg und es gingen über 30 Vorschläge ein. Die Wahl fiel auf das Modell des Graveurs Bartholomé, das sehr einfach und schlicht gehalten war. Es besteht aus einem Bronzekreuz mit vier Tatzen, sowie zwei sich kreuzenden Schwertern. Die Vorderseite ziert das Bildnis der Republik, während auf der Rückseite der Jahrgang der Verleihung vermerkt ist. Das Band, grün mit roten Streifen, erinnert an die Medaille der Sainte-Hélène. Diese Erinnerung stieß bei den Verächtern der neuen Auszeichnung auf Missfallen, was auf den Bezug auf das Empire zurückzuführen ist. Wiederum andere störten sich an der religiösen Konnotation des Begriffes "Kreuz". Trotz aller Schwierigkeiten und Kritiken wurde die Auszeichnung dennoch ein großer Erfolg.

Eine innovative Neuheit dieser Auszeichnung war die sichtbare Nennung aller Heldentaten, ohne die Auszeichnungen unangemessen zu multiplizieren, was durch ein erfinderisches System zum Anheften der Auszeichnungen am Band möglich wurde. Ein kleiner Stern in Bronze (Auszeichnung auf Anordnung des Regiments oder der Brigade), in Silber (Division) oder vergoldetes Silber (Armeekorps) verdeutlicht die jeweilige Auszeichnung. Die Auszeichnungen auf Vorschlag der Armee wurden in Form von Palmen in Bronze verliehen, wobei fünf Palmen auch durch eine Palme in Silber ersetzt werden konnten. Auch wenn manche Kämpfer mehrere Auszeichnungen erhielten, wie z. B. das "As" René Fonck (28 Palmen) oder Georges Guynemer (26 Palmen), wurde diese Maßnahme kaum angewandt. Die zweite Besonderheit des Kriegsverdienstkreuzes war, dass es an jedermann verliehen werden konnte: Militärs aller Grade, Franzosen und Ausländer, und sogar Zivilisten, einschließlich Frauen. Auch juristische Personen (2.952 Städte und Dörfer und über 800 militärische Einheiten) und selbst Tiere wurden mit dieser neuen Auszeichnung geehrt. Bei Kriegsende wurden über zwei Millionen Auszeichnungen verliehen, davon insgesamt 1,2 Kriegsverdienstkreuze.

Das Kriegsverdienstkreuz wird schon bald überall sichtbar: Kunst aus den Schützengräben, Gedenkstätten für die Gefallenen, Abzeichen der Vereinigungen für Veteranen usw. Einfach und mit Wiedererkennungswert wird die Medaille zum Symbol der Wertschätzung von Kämpfern. Auch andere Länder lassen sich von dieser Auszeichnung inspirieren und entwerfen eigene Kriegsverdienstmedaillen, in Ästhetik und Funktionsweise dem Original sehr ähnlich, wie Belgien (1915). Portugal (1916), Griechenland (1917) und die Tschechoslowakei (1919) folgen dem Beispiel.

Diese Auszeichnung wirkt sich nachhaltig auf das System der Auszeichnungen in Frankreich aus, indem weitere Kriegsverdienstkreuze ins Leben gerufen werden: 1921 für die Kriegsschauplätze im Ausland

(Operationen zwischen zwei Kriegen, dann der Krieg in Indochina und die Suezkrise) und 1939 für den Zweiten Weltkrieg. Es folgt 1956 das Kreuz militärischer Ehren, das denselben Zweck erfüllt und für die Operationen in Nordafrika und alle folgenden Operationen verliehen wurde, an denen die französische Armee beteiligt war. 100 Jahre nach der Geburtsstunde des Verdienstkreuzes wird es immer noch verliehen, ganz im Sinne von 1915.


Auteur
Jean-François Dubos. Bibliothekskonservator, Abteilungsleiter der Bibliothek des historischen Diensts der Verteidigung - Verwalter der Gesellschaft für die Geschichte von Orden und Auszeichnungen

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