Die Polen in Frankreich

1914-1918

 

Die Polen in Frankreich, 1914-1918

 

Während Polen im Jahr 1914 aufgeteilt ist zwischen einerseits Russland und andererseits dem österreichisch-ungarischen Königreich und Preußen, beginnen sich die Polen zwischen den beiden Lagern zu mobilisieren. Viele erhofften sich vom zukünftigen Eroberer zumindest eine Zustimmung auf Autonomie: Während das nationale Komitee in Warschau auf Russland setzt, vertraut das nationale Komitee von Wien eher auf Österreich, dessen Armeen die Legionen von Pilsudski (30.000 Männer) umfassen.
 
Schnell wird deutlich, dass die zukünftige Hauptbedrohung Polens von Deutschland ausgeht: Besatzung von Warschau durch die Truppen des Reichs im August 1915, Ankündigung der Errichtung eines neuen Königreichs im November 1916 durch Generalsekretär von Bessemer, der sogar versuchte, polnische Soldaten zu rekrutieren.

 

 

General Jozef Pilsudski, zwischen 1910 und 1920. Quelle: Library of Congress. Lizenzfrei.

 

 

Während viele Polen nach Frankreich emigrieren, nährt sich durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Hoffnung auf eine Wiedergeburt des zerrissenen Heimatlandes, das zwischen Deutschland, Österreich und Russland aufgeteilt war. Bei den emigrierten Polen handelt es sich hauptsächlich um Minenarbeiter aus dem Norden Frankreichs, die sich in einem Turnverein in Faucon (Sokol) kennengelernt hatten. Nach Paris zog es eher die Intellektuellen und Kaufleute.
 
Ab der ersten Woche im August 1914 melden sich beim neu gegründeten Komitee für polnische Freiwillige in Paris hunderte begeisterte Landsmänner für die Fremdenlegion. Aus diesem Ansturm von Freiwilligen werden zwei Kontingente erstellt. Eines von ihnen wird nach Bayonne geschickt, das andere wird in der Kaserne Reuilly in Paris stationiert, wo die Polen eine militärische Ausbildung, Ausrüstung und Waffen erhalten.

 

Die Legion Bajończyków, erste Militärformation Polens in Frankreich während dem Ersten Weltkrieg. Autor: Obergefreiter Michael Kaznowskiego. Lizenzfrei.

 


 

Männer mit preußischer und österreichischer Herkunft erhalten eine neue Identität und einen französischen Namen. Dadurch sollte verhindert werden, dass ihnen im Falle der Gefangennahme durch den Feind nicht als Deserteur oder Fahnenflüchtling die Todesstrafe drohte.
 
Im Frühjahr 1915 ziehen die freiwilligen Polen als Legionäre an die Front. Sie machen den Großteil der 2. Kompanie des 3. Bataillons des 2. Marschregiments des 1. Fremdenregiments aus. Andere wiederum dienen im 3. Bataillon des 3. Marschregiments des 1. Fremdenregiments. Diese Einheiten kämpfen in der Champagne und der Picardie, und dann in Artois.

 

Polnische Flagge. Quelle: CRDP, Reims

 

 

Im April stirbt der Fahnenträger der polnischen Kompanie des 2. Marschregiments, der Soldat W. Szuyski in Marne. Der etwa 50jährige Bauingenieur wird von der 5. Armee mit folgenden Worten von der 5. Armee ausgezeichnet: „Ein polnischer Patriot, ehrenvoll gefallen im Kampf gegen Deutschland, als Fahnenträger des auferstandenen Polen“. Er trug die rote Flagge mit weißem Adler, die von den Bewohnern von Bayonne zur Verfügung gestellt wurde.
 
 
Die Fremdenlegion ist am 9. Mai 1915 am Angriff auf Artois beteiligt, der sich bis Juni hinauszieht. Während der Schlacht um Arras kämpft das 1. Fremdenregiment während des von der marokkanischen Division angeführten Angriffs in der Region Neuville-Saint-Vaast. Ihr Ziel ist die Eroberung der deutschen Positionen: Die schweren Verluste führen dazu, dass die Ausrüstung der Kompanie zur Neige geht. 
 
 
Zur gleichen Zeit multiplizieren sich die Vormärsche der polnischen Patrioten gegen die französischen Behörden und sie fordern die Wiederherstellung ihres Landes. Als Alliierter von Russland ist es Frankreich jedoch unmöglich, sich in innere Angelegenheiten Russlands einzumischen und ein unabhängiges Polen einzufordern. Ende 1916 geben die deutschen und österreichischen Regierungen eine Wiederherstellung des polnischen Staats zu ihren Gunsten bekannt. Durch den Sturz des Zaren ergibt sich jedoch eine vollkommen neue Situation und der Erlass des Präsidenten vom 4. Juni 1917 sieht die Gründung einer polnischen Armee in Frankreich vor.
 
 
Diese von Frankreich unterhaltene Armee soll autonom sein. Sie soll einerseits eigene Führungskräfte und Fahnen haben, eigene Abzeichen an den Helmen, Uniformen usw. tragen, jedoch andererseits unter französischem Kommando stehen. Für die Bereitstellung der erforderlichen Mittel wird eine französisch-polnische Militärmission unter General Archinard, unterstützt durch General Capdepon, errichtet. Sämtliche Polen, Zivilisten oder Soldaten, aus dem Ausland oder Frankreich, können dieser Armee beitreten. Die Rekrutierungskommission wendet sich insbesondere an die Gefangenen in Frankreich, an Mitglieder der kaiserlichen Armee Deutschlands aus den Provinzen Schlesien und Posen, denen freisteht, sich unter einem Pseudonym zu verpflichten.

 

General Louis Archinard, erster Kommandant der polnischen Armee in Frankreich. Quelle: Library of Congress. Lizenzfrei.

 



Am 17. Januar 1918 wird das 1. polnische Jägerregiment (R.C.P.) gegründet: 1. und 2. Bataillon in Mayenne, 3. und Generalstab in Laval. Die Truppen setzen sich aus zahlreichen Freiwilligen der USA (infolge der Mission von Gasiorowski in den USA hatte die amerikanische Regierung am 6. Oktober 1917 der Rekrutierung von Freiwilligen zugestimmt) und 1.500 ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen zusammen. Die Zusammensetzung der Kader ist heterogen: Die 72 Offizieren dieser Einheit unterteilen sich in 20 Polen der Fremdenlegion, 4 der russischen Armee, 46 der amerikanischen Armee und 2 der deutschen Armee. Die Unteroffiziere sind zu 60% Amerikaner, der Rest stammt aus Deutschland. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft verbindet sie ein glühender Patriotismus für Polen.

 

Plakat von Władysław Benda zur Rekrutierung von polnischen Freiwilligen in den USA. Autor W.T. Benda. Quelle: Library of Congress. Lizenzfrei.

 

 

Am 27. Februar findet sich das 1. R.C.P. im Lager Mailly (Aube) zu einer umfassenden Fachausbildung ein. Die Ergebnisse werden am 13. Mai von General Franchet d'Espérey überprüft, der dem Vorgesetzten des Korps, Oberst Jasinski zu seiner hervorragenden Einheit gratuliert. Das zur 163. Infanteriedivision zugehörige Regiment wird der 4. Armee von General Gouraud zugeordnet und in die Champagne in die Regionen Prunay-Prosnes und Saint-Hilaire-le-Grand beordert, wo schwere Kämpfe toben. Die Kampfhandlungen werden ohne Unterbrechung bis August fortgeführt.
 
 
Am 22. Juni 1918 treffen der Präsident der Republik und der Außenminister im Lager Mailly ein, wo sie auf Präsident Domwski und die Mitglieder des polnischen Nationalrats stoßen. Präsident Poincaré übergibt den polnischen Einheiten feierlich ihre Nationalflagge, ein Geschenk der Städte Paris, Nancy, Belfort, Verdun.

 

Der weiße Adler Polens an der französischen Front, 22. Juni 1918. Bild des polnischen Malers Jan Styka. Quelle: l'album de la guerre 1914-1919. © L'illustration

 

14. Juli 1918, Parade der polnischen Truppe am Place de la Concorde. Quelle: gallica.bnf.fr / Staatsbibliothek Frankreich

 

 

Durch den Zustrom weiterer Freiwilliger wird am 4. August die 1. Infanteriedivision unter Befehlsgewalt des französischen Generals Vidalon gegründet, die auf polnischen Elementen basiert: 1., 2., 3. Jagdregimente, eine Staffel der leichten Kavallerie, eine Pionierkompanie, unterstützt durch die französische Artillerie (75 mm Feldgeschützmunition des 1. Artillerieregiments und 155 mm des 113. Regiments der schweren Artillerie).

 

Polnisches Jäger-Bataillon in Frankreich. Quelle: Spezielle Sammlung. DR


 

Am 28. September 1918 wird nach einer Übereinkunft zwischen der französischen Regierung und dem polnischen Nationalrat, unter Leitung von Roman Domwski, die Unabhängigkeit der polnischen Armee anerkannt. Sie agiert als alliierter Partner, kämpft unter polnischem Kommando und untersteht dem Nationalrat. Weiterhin wird eine 2. polnische Infanteriedivision gegründet. Gemeinsam mit der 1. bildet sie die polnische Armee in Frankreich (sie setzt sich zusammen aus 430 Offizieren, 17.000 Unteroffizieren und Soldaten der Truppe). Am 4. Oktober 1918 wird General Haller vom Nationalrat mit der Führung betraut.

 

General Haller beim Schwur auf die Flagge des 1. polnischen Regiments am 6. Oktober 1918. Quelle: Spezielle Sammlung. DR

 

 


Nach ihrem Einsatz in der Champagne besetzt die 1. Infanteriedivision Mitte September 1919 einen Sektor in den Vogesen. Am 5. November erreicht sie die Front in Lothringen und hält sich für den geplanten Angriff auf Metz bereit, der jedoch aufgrund des am 11. November unterzeichneten Waffenstillstands nicht mehr ausgeführt wird.

 

Marschall Pétain gratuliert den Polen. 1919. Quelle: gallica.bnf.fr / Staatsbibliothek Frankreich

 


 

Am selben Tag wird die Unabhängigkeit Polens ausgerufen. Am 16. sendet Marschall Pilsudski, Chef des neuen Staates und Kommandant der Armee, eine Depesche an Marschall Foch mit der Aufforderung, die Armee von Haller, mit 1.240 Offizieren, 68.000 Soldaten, 18 Flugzeugen und 120 Panzern zurückzuführen. Im April kommen die ersten dieser Kontingente im Heimatland an und werden von der Bevölkerung frenetisch gefeiert.
 
Durch die Verträge von Versailles werden Polen am 28. Juni Teile Preußens (Oberschlesien und Posen), die Regionen Österreichs Krakau und Lemberg sowie ein Zugang zum Meer zugesprochen.

 

Siegesfeier, 14. Juli 1919. Die Polen. Quelle: Postkarte. Spezielle Sammlung.



Während des russisch-polnischen Krieges in den Jahren 1920-1921 unterstützen zahlreiche Militärs Frankreichs (Führungskräfte, Techniker) die polnischen Truppen. Dank ihrer Hilfe gelingt es, das Land gegen die Rote Armee unter Léon Trotsky zu verteidigen und die Westukraine zum Nachteil von Russland zu erobern.

 

Ankunft von Marschall Foch und Frau Foch am Gare de l’Est, aus Polen kommend. Quelle: gallica.bnf.fr / Staatsbibliothek Frankreich

 

 


 

Friedhöfe und Gedenkstäten


In seinem Schreiben vom 27. Februar 1922 teilt der Kriegsminister der polnischen Republik, General Sosnkowski, dem Pensionsminister André Maginot die Bitte des polnischen Volkes mit, die sterblichen Überreste der in Frankreich beerdigten Polen auf einem speziellen Friedhof zusammenführen zu dürfen. Am 16. März antwortet Minister Maginot, dass der Staat „glücklich sei mitteilen zu dürfen, der polnischen Regierung einen geeigneten Platz bereitstellen zu können und die Überführung und Zusammenführung der polnischen Soldaten von ihnen übernommen werden".

 

Gräberstadt in Aubérive, wo Deutsche, Franzosen und Polen beerdigt sind, die während des Ersten Weltkriegs gefallen sind. Autor Gérald Garitan. Quelle: Llicence Creative Commons Paternité. Lizenzfrei.

 

 

In den darauffolgenden Tagen wird beschlossen, dass im April 1923 ein solcher Friedhof in Prosnes (Marne), in der 6. Militärregion entstehen soll. Nach weiteren Besprechungen wird im Oktober 1923 entschieden, die polnischen Grabstätten auf dem französischen Militärfriedhof in Bois du Puits, in Aubérive (Marne) zusammenzuführen.
 
Die Einzelheiten der Übereinkunft werden an den Bereichsleiter für zivile Angelegenheiten von Mourmelon übergeben. Die polnische Regierung ist mit dieser Lösung einverstanden und bittet ihren Militärattaché in Frankreich um die Umsetzung dieses Projekts, gemeinsam mit dem zuständigen Dienst für Kriegsgräber.
 
Die Exhumierungen werden in den Jahren 1923 bis 1926 durchgeführt. In den 30er Jahren wird der Nationalfriedhof in Aubérive, einschließlich des polnischen Bereichs, neu gestaltet. Die Holzembleme auf den Gräbern werden durch wetterfeste Zementmodelle ersetzt. Gemauerte Beinhäuser, ein Portal, matte Farben und Pflanzen verleihen dem Friedhof ein neues Bild.

 

Gräber im polnischen Bereich der Gräberstadt (Aubérive). Autor Gérald Garitan. Quelle: Licence Créative Commons Paternité. Lizenzfrei.

 



Auf einer Fläche von 23.461 m2 beherbergt der Friedhof in Aubérive die sterblichen Überreste von 6.424 Franzosen, darunter 2.908 in drei Beinhäusern, 129 Polen, Soldaten im Ersten Weltkrieg sowie 256 Polen, die im Krieg zwischen 1939-1945 gefallen sind. 175 polnische Soldaten werden zwischen 1914-1918 in 28 anderen Departements beerdigt, davon 54 in Meurthe-et-Moselle, 32 in den Vogesen, 22 in Sarthe, 13 in Hauts-de-Seine...

 

Gräberstadt in Aubérive, wo Deutsche, Franzosen und Polen beerdigt sind, die während des Ersten Weltkriegs gefallen sind. Autor Gérald Garitan. Quelle: Licence Créative Commons Paternité. Lizenzfrei.

 

 

Am 25. Juli 1954 wird die Gedenkstätte zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen polnischen Soldaten auf dem Friedhof von Aubérive, ein Werk von Regulski, durch General Pierkarski eingeweiht. An der Feier nehmen zahlreiche Veteranen aus beiden Ländern, ihre Familien sowie offizielle Vertreter des Departements teil. Die Soldaten der 7. Panzerdivision von Reims bilden die Ehrengarde.

 

Monument zum Gedenken der polnischen Gefallenen. Quelle: Stadtverwaltung Neuville-Saint-Vaast

 



In Pas-de-Calais, Targette (Gemeinde Neuville-Saint-Vaast) findet sich das Monument zum Gedenken der Polen, die im Dienst der Fremdenlegion gefallen sind. Das Monument ist ein Bauwerk des Bildhauers Maxime Real del Sarte. Dank der von den in Pas-de-Calais ansässigen Polen durch die Gründung eines Ehrenkomitees bereitgestellten Gelder, konnte das Monument im Dezember 1929 errichtet werden. Die Eröffnung findet am 21. Mai 1933 durch den Botschafter Polens statt.

 

Friedhof in Neuville Saint Vaast - La Targette. Quelle: Jean-Pierre Le Padellec

 

 

externen Websites :

 

CRDP Champagne Ardenne     

Neuville Saint Vaast

Légion étrangère

Quelle: MINDEF/SGA/DMPA