Die Kolonialkolonie 1914–1918

Sous-titre
Die Soldaten aus Übersee

Arbeiter aus Indochina, Vailly-sur-Aisne, in der Nähe des Chemin des Dames, 12. Juni 1917 © ECPAD/Marcel Lorée
Travailleurs indochinois, Vailly-sur-Aisne, près du Chemin des Dames, 12 juin 1917. © ECPAD/Marcel Lorée

Die indigenen Truppen, die unter dem Anker (Ex-Marinetruppen, die 1900 zu „Kolonialtruppen“ wurden) dienten, bestanden aus Infanteristen, die aus allen Winkeln des französischen Überseeimperiums rekrutiert wurden.

Corps 1

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs waren sie folgendermaßen aufgeteilt:

  • HQ und Oberkommando des Korps der Kolonialarmee, in Paris im Hôtel des Invalides.
  • Indochina-Gruppe, HQ in Hanoi: Infanteristen aus den Regionen Tonkin und Annam.
  • Ostafrika-Gruppe, HQ in Antananarivo (Madagaskar): madegassische Infanteristen, indigene Brigade von der Somaliküste in Dschibuti.
  • Äquatorialafrika- und Westafrika-Gruppe, HQ in Saint-Louis (Senegal): senegalesische Infanteristen, indigene Brigaden aus Guinea, Niger, dem Casamance-Gebiet, dem Tschad, aus Gabun, Mittelkongo und Ubangi-Schari.
  • Gruppen von den Antillen und Französisch-Guayana und dem pazifischen Raum: Kompanien aus Martinique, Neukaledonien, die vor allem aus Kräften vom Kontinent (Marineinfanteristen) gebildet wurden.

 

Soldaten aus Indochina, die ehemalige deutsche Schützengräben eingenommen haben, Mont-des-Sapins, in der Nähe des Chemin des Dames, April 1917.
© ECPAD/Paul Queste

 

Die Fahne des 1. senegalesischen Infanterieregiments wurde am 14. Juli 1913 in Paris vom Staatspräsidenten mit der Ehrenlegion ausgezeichnet. An diesem Tage erhielten viele koloniale Einheiten, vor allem aus dem Senegal und Indochina, ihre Truppenfahne.

In allen diesen Formationen bildeten farbige Menschen die Truppe, während die Führungskräfte mehrheitlich Weiße waren.

1914 wurde ein senegalesisches Marschbataillon aus Französisch-Westafrika gebildet und in die Schlacht an der Yser in Belgien geworfen. 141 Bataillone, die bis 1918 geschaffenen BTS (Bataillone der senegalesischen Infanteristen), wurden taktisch gruppiert oder einzeln an allen Fronten, darunter den Dardanellen (Türkei), eingesetzt. Sie waren an die RIC (koloniale Infanterieregimente, die aus kontinentalfranzösischen Soldaten bestanden), an die RMC (gemischte Kolonialregimente, bestehend aus Senegalesen, den „Marineinfanteristen“) usw. angegliedert. Die Infanteristen kämpften ebenfalls in den Einsatzgebieten von Togo und Kamerun bei der Eroberung dieser deutschen Kolonien.

 

Schlacht an der Somme, hinter einer Mauer postierte Infanteristen, Juli 1917. ©ECPAD/Ribar

 

Eine sogenannte „indigene Kolonialtruppe“ entstand per Dekret am 9. November und 12. Dezember 1915. Ihre Depots wurden in Fréjus-St-Raphaël, in Algerien und in Tunesien eingerichtet, wo zahlreiche senegalesische Bataillone ihre Militärausbildung erhielten. 10.000 Madegassen und 5.000 Mann aus Indochina kamen zur schweren Artillerie und zu den Kraftfahrzeugdiensten.

Da die schwarzen Truppen das Klima schlecht vertrugen, wurden sie in der schlechten Jahreszeit von November bis März systematisch von der Westfront abgezogen. So verbrachten die BTS durchschnittlich fünf Monate im Jahr in den Lagern in den Landes und dem Var, um sich auszuruhen, die Truppenstärke zu ergänzen usw.

Sieben Dekrete vom 14. Januar 1918 verstärkten die Rekrutierung in Schwarzafrika, indem sie den Freiwilligen und ihren Familien soziale Vorteile brachten (für sie bestimmte Arbeitsplätze, verschiedene Befreiungen, Prämien und Zuschüsse). Dadurch lieferte die Mission des senegalesischen Abgeordneten Blaise Diagne, Hochkommissar der Republik, 72.540 rekrutierte Soldaten in vier Monaten. Diagne, der bei den lokalen Anführern sehr überzeugend war, stockte die Truppen mit Hilfe des neuen Generalgouverneurs von Französisch-Westafrika, Angoulvant, auf. Letzterer ersetzte Joost van Vollenhoven, der seine Ämter zurücklegte und sich als Offizier des RICM engagierte, da er ein Gegner der von Clemenceau unterstützten Diagne-Methode war. Er fand im Juli 1918 an der Front im Aisne den Tod.

In Madagaskar wurden insgesamt 41.355 Männer aufgenommen. In Indochina begann die intensive Rekrutierungsphase 1916. Die asiatischen Bataillone, die zum Feuern wenig verwendet wurden, dienten eher als Nachschubtruppen, in den Lagern oder als Ordnungsdienst.

 

Infanterist aus Annam, der seine Korrespondenz verfasst, Lager Zeitenlick, Mai 1916.
© ECPAD/Georges Dangereux

 

Die von den Antillen, aus Guayana und La Réunion stammenden Soldaten wurden nie in die Einheiten der indigenen Infanteristen eingegliedert. Sie hatten den Status eines Soldaten aus Kontinentalfrankreich. Fälschlicherweise als „kreolisch“ bezeichnet wurde ihr Kontingent in die weißen Kolonialregimenter verschoben, das heißt die Marineinfanteristen, die Marineartilleristen, die RIC, das RICM, die RACC (koloniale Artillerieregiment) und die RALC (Kolonialregiment der schweren Artillerie). Das betraf 38.220 Männer: 1.929 Guyaner, 6.936 Männer aus La Réunion, 11.615 aus Martinique und 9151 aus Guadeloupe. Jene aus Martinique verzeichneten 2.037 Gefallene und 120 Vermisste. Was die Antillen betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass die Militärgesetze für die Rekrutierung erst ab 1913 angewandt wurden. 796 Indigene aus den französischen Einrichtungen Indiens wurden ebenfalls in die Kolonialeinheiten Kontinentalfrankreichs aufgenommen.

 

Artilleristen aus Martinique, Oise, 1916. ©ECPAD/Collection Garros

 

Bei den anderen noch spezielleren Rekrutierungen wurde am 11. Mai 1916 ein somalisches Bataillon in Madagaskar geschaffen, das 1.400 Somalier, 200 jemenitische Araber, 75 Komorer und 25 Abessiner umfasste, die von weißen Führungskräften befehligt wurden. Diese Einheit kämpfte in Verdun, am Chemin des Dames im Département Oise.

 

Ein verwundeter Senegalese, „Le Balcon“, Chemin des Dames, Aisne, 23. Oktober 1917. ©ECPAD/Jacques Ridel

 

Das 1. pazifische Infanteriebataillon in Neukaledonien in Nouméa wurde am 4. Juni 1916 gegründet. Am 16. April 1917 bestand es aus 5 Offizieren, 13 Unteroffizieren, 18 Korporälen und Soldaten, also 36 Europäern für 530 Infanteristen aus Neukaledonien oder Polynesien. Diese Einheit kämpfte im Juli-August 1918 im Aisne.

 

Mit dem Kriegskreuz und der Militärmedaille ausgezeichnete Infanteristengruppe, senegalesisches Ausbildungslager in Chéry-Chartreuve, 27. Juli 1917. ©ECPAD/Maurice Boulay

 

Alle diese Truppen bewiesen Tapferkeit und sammelten gemeinsam zahlreiche Auszeichnungen, die ihre Fahne und die linke Schulter der Soldaten zierten. So erhielt das 43. BTS die Achselschnur der Militärmedaille und das 27., 36., 43., 53., 61., 62., 64., 68., 69. BTS, das 12. madegassische BT sowie das 1. somalische BT die Achselschnur des Kriegskreuzes.

 

 

Die mit der Achselschnur ausgezeichnete Standarte des 43. Senegalesischen Infanteriebataillons. © L'Illustration vom 12. Januar 1918

 

Das weltberühmte RICM (koloniale Infanterieregiment Marokkos), die am meisten ausgezeichnete Einheit der gesamten französischen Armee, fehlt bei der obigen Aufzählung. Es sei daran erinnert, dass es weder indigen noch marokkanisch war, sondern aus Soldaten Kontinentalfrankreichs des RIC bestand, das bei der Generalmobilmachung in Marokko mit den Bataillons gebildet wurde, die dort seit 1912 kämpften.

Zwischen 1914 und 1918 dienten 181.512 Senegalesen, 41.355 Madegassen, 2.434 Somalier, 48.922 Soldaten aus Indochina, 1.067 aus Neukaledonien oder Polynesien unter der Trikolore. Ihre Verluste betrugen zum 11. November 1918 insgesamt 28.700 Tote und 6.500 Vermisste.

 

Abfahrt der siamesischen Truppen an die Front, Bahnhof Versailles, Yvelines, 20. September 1918.
© ECPAD/Curtat

 

In der Zwischenkriegszeit wurden Denkmäler für die Gefallenen und die Taten der Kolonialtruppen am Chemin des Dames in Cuts, Verdun, Reims, Nogent usw. errichtet. Ihre für Frankreich Gefallenen ruhen auf zahlreichen nationalen Soldatenfriedhöfen in Frankreich und im Ausland, wo ihre Gräber, die mit den für die jeweilige Religion besonderen Zeichen geschmückt sind, dauerhaft gepflegt werden. Zu erwähnen sind Sillery (Marne), Cuts (Oise), Lihons (Somme), Douaumont (Meuse), la Teste (Gironde), Luynes (Bouches-du-Rhône), Toulon (Var), Zeitenlick (Griechenland), Seddul-Bahr (Türkei)…

1966 fand eine große Aktion zur Zusammenlegung der Leichname statt, die vom Gräberdienst der Veteranendirektion in Marseille durchgeführt wurde. Auf den Soldatenfriedhöfen von Fréjus (Lager Gallieni, la Baume, Robert) konnten bei den Exhumierungen 5.793 Leichname auf den Nationalfriedhof verlegt werden, hauptsächlich Senegalesen, Madegassen und Soldaten aus Indochina.

Nationalfriedhof von Luynes bei Aix-en-Provence, also 2.849 Leichname in Gräbern und 2.944 im Beinhaus. 3.329 Leichname von in der Zwischenkriegszeit gestorbenen Soldaten, denen der Vermerk „für Frankreich gefallen“ nicht zuerkannt wurde, blieben im Beinhaus am Friedhof von la Baume.

Im Lager Fréjus errichteten die Infanteristen aus Indochina 1917 die Pagode Hông-Hien, die 1972 restauriert und verschönert wurde und heute noch eine Kult- und Gedenkstätte ist.

 
Verteidigungsministerium/SGA/DMPA