Die Soldaten Nordafrikas. 1914-1918

Sous-titre
Monumente und Grabstätten

„Der Balkon“, Chemin des Dames, Aisne, ein verwundeter Artillerist. 23. Oktober 1917. Fotograf: Jacques Ridel. Quelle: ECPAD
"Der Balkon", Chemin des Dames, Aisne, ein verwundeter Artillerist. 23. Oktober 1917. Fotograf: Jacques Ridel. Quelle: ECPAD
Corps 1

Senlis (Oise): Monument zum Gedenken der französisch-marokkanischen Zusammengehörigkeit. Das am 20. Juli 1924 von Marschall Lyautey in Casablanca (Marokko) eingeweihte Monument wird nach Senlis verlagert und am 11. November 1965 erneut eingeweiht. Quelle: Foto: Régis Biaux.

Zu den einheimischen Truppen, leicht zu erkennen an dem aufgestickten Halbmond auf Flaggen und Uniformen und dem 1915 Modell des Helms, zählen Infanteristen, Spahis und Meharisten. Am Vorabend vor Kriegsausbruch gab es sieben algerische Infanterieregimente (1., 2., 3., 5., 6., 7. und 9. R.T.A.), zwei tunesische Regimente (4., 8. R.T.T.), fünf Spahis-Regimente (vier algerische, ein tunesisches), mehrere Kompanien der Meharisten und in Marokko weitere Einheiten: Die Goums-Gruppe der Tabor.

Flagge des 1. Marschregiments der algerischen Artillerie. 1914-1918. Quelle: Infanteriemuseum

All diese Gruppen bildeten wiederum mit weiteren Einheiten (Zuaven, Gebirgsjäger Afrikas, Bataillone der B.I.L.A., Legionäre) das 19. Armeekorps, auch bekannt als “Armee Afrikas” mit Kommandositz in Algier.

Artillerie des Senegals. Quelle: Radio France International

Sämtliche Führungspositionen waren mit Soldaten aus dem Mutterland besetzt. Dennoch fanden sich in untergeordneten Stellen auch zahlreiche einheimische Offiziere und Unteroffiziere: Unter ihnen auch Hauptmann Khaled Ould el Hadj Abd el Kader, Enkel des Emirs, der dem Herzog Aumale unterlegen war, der wiederum dem 1. Spahi diente.

Uniform der Spahi. Quelle: military-photos.com

Die algerischen Truppen waren zwischen 1913 und 1914 sehr geschätzt. Ein einfacher Infanterist oder Spahi verdiente 4,5 Mal so viel wie ein Soldat aus der zweiten Schicht des Heimatlandes (22 Centimes pro Tag, verglichen mit 5 Centimes), sofern er Mitglied der drei ältesten Regimente war.

Algerische Spahis. Kampfuniform. Truppen. September 1914. Quelle: spahis.fr

Im August 1914 beginnen die Entsendungen der Truppen aus Frankreich, darunter das 19. Armeekorps mit drei Infanteriedivision, der 37., 38. und 45. Infanteriedivision, unter denen sich zahlreiche Regimente der R.T. und der R.S. befanden. Marokko entsendet einheimische Jägerregimente, die später als R.T.M. bekannt waren. Vom Feind waren sie gefürchtet und daher auch “Schwalben des Todes” genannt. Während des Angriffs auf Mesnil-lès-Hurlus am 15. März 1915 wird einer der Offiziere schwer verwundet. Dieser Hauptmann sollte später den Sieg von 1943-44 miterleben: Inzwischen zum General ernannt, befehligte er das französische Expeditionskorps in Italien, gewann die Schlacht um Garigliano und kehrte siegessicher nach Rom zurück: Alphonse Juin wird 1952 zum Marschall von Frankreich ernannt. Der Großteil dieses Expeditionskorps besteht aus nordafrikanischen Truppen, der 2. Infanteriedivision und der 4. D.M. Marokkos, der 3. Infanteriedivision Algeriens, darunter das 4. Artillerieregiment Tunesiens sowie marokkanische Tabor-Gruppen. Sie alle waren bekannt für ihren Mut und ihre Ausdauer in den Kämpfen von 1914-18.
1915 bildeten die Tabor der Kavallerie das so genannte Marschregiment der marokkanischen Spahis (R.M.S.M.). Sie war die einzige Einheit der französischen Armee, der es gelang, einen ranghohen deutschen Armeechef gefangen zu nehmen. Er war in der Tat der einzige Gefangene während des gesamten Krieges - Marschall von Mackensen.

Mackensen in Belgrad zwischen 1914 und 1915. Quelle: Lizenzfrei.

Er wurde im November 1918 in Budapest verhaftet, wo er bereits kurz zuvor in Gefangenschaft der ungarischen Republikaner geraten war. Auf das Konto der R.M.S.M. geht der schreckliche Angriff 70 km vom feindlichen Gebiet entfernt und in 2.000 Meter Höhe. Ohne Straßen, Karten oder Infanteristen gelingt es den 75 Batterien am 29. September 1918, gemeinsam mit den Gebirgsjägern Afrikas unter Befehl von General Jouinot-Gambetta die Stadt Uskub im serbischen Mazedonien einzunehmen.
Zwischen 1915 und 1918 werden zahlreiche Formationen gegründet: die R.M.Z.T., unter ihnen ein Artilleriebataillon Nordafrikas, schloss sich mit zwei Bataillonen der Zuaven zusammen, dem 10., 11., 13., 14. und 21. R.M.T.A., dem 1. und 2. R.M.T.M., der 48. Infanteriedivision usw. Eine Besonderheit dieser Zusammenschlüsse: Die berühmte marokkanische Division, die 1. Marschdivision, bestand nicht aus einheimischen marokkanischen Einheiten, sondern aus Tunesiern, Algeriern, Legionären, Zuaven des 4. R.T.T., des 7. R.T.A., R.M.L.E., den 8. Zuaven, der Kavallerie des 5. R.C.A., Pionieren und Artilleristen der 2. Pioniere und dem 276. R.A.C.

“Der Balkon”, Chemin des Dames, Aisne, ein verwundeter Artillerist. 23. Oktober 1917. Fotograf: Jacques Ridel. Quelle: ECPAD

Die nordafrikanischen Truppen wurden pausenlos für alle Fronten angefordert, an denen die Lage schwierig war, unter anderem in Ägypten und Palästina, um an der Seite der Engländer zu kämpfen. Das gemischte Regiment der Kavallerie Afrikas (Spahis und Jäger), das am helllichten Tag des 19. September 1918 Nablus einnahm, nahm 2.000 türkische Soldaten in Gefangenschaft und beschlagnahmte die gesamte Ausrüstung.
Für ihre Verdienste erhielten sie zahlreiche Ehrungen: Die Schulterschnur der Ehrenlegion für das 2., 7. R.M.T.A., das 4. R.M.T.T., 4. R.M.Z.T.; die Militärmedaille für das 1., 13. R.M.T.A., 8. R.M.T.T., 1. R.M.Z.T., 1. R.M.T.M., 1. R.M.S.M.; das Kriegskreuz für das 3., 5., 6., 9., 10., 11. R.M.T.A., 2. R.M.T.M.

Im Juli 1919 in Paris während der Siegesfeier: Fahne der 2. R.M.T.A., eine der am meisten geschmückten Fahnen der französischen Armee. Die Artilleristen der Ehrengarde tragen ihre Medaillen zur Schau. Quelle: R Merly. (Album de la guerre 1914-1919, l'Illustration).

In den Jahren 1914 bis 1918 dienten Frankreich 173.019 Algerier, 80.339 Tunesier und 40.398 Marokkaner. Ihre Verluste am 11. November 1918 zählten 28.200 Tote und 7.700 Vermisste.

Corps 2

Gedenkstätten

Marokkanische Gräber in Missy-sur-Aisne. 1915. Alte Postkarte mit deutscher Bezeichnung: Marokkanergräber bei Missy.

Die provisorischen Gräber an der Front sowie die vorläufigen Gräber der Muslime waren mit Holzstelen geschmückt. Auf diese Weise konnten sie von den christlichen Gräbern unterschieden werden, die mit einem lateinischen Kreuz verziert waren. Diese Differenzierung der Grabstätten entstand gemäß einer Verordnung des Ministeriums vom 3. Dezember 1914, in der die Vorschriften für die Beerdigung von muslimischen Soldaten präzisiert wurden: Es muss das Shahada vorgelesen werden. Dann muss der Leichnam gewaschen und in ein weißes Leichentuch aus Baumwolle gewickelt werden. Es darf kein Sarg verwendet werden und eine Stele muss nach Mekka ausgerichtet werden.

Muslimischer Friedhof in Bagneux, Gräber von algerischen und marokkanischen Artilleristen sowie einheimischer Arbeiter, die zwischen Januar und März 1915 gestorben sind. Quelle: Centre des Archives d'outre-mer, Aix-en-Provence

Diese Koranvorschriften konnten während der Beerdigung im Kampf an vorderster Front niemals eingehalten werden. In den hinteren Frontreihen war dies eher möglich (z. B. auf dem Friedhof von Faubourg Pavé, in Verdun) und in den Innenregionen (Paris, Friedhöfe von Ivry, Pantin usw.) hielt man sich streng daran, denn dort wachte der “Algerier” und die Vereinigung der Besucher von afrikanischen Verwundeten, die Vertreter zu den Beerdigungen von gefallenen Soldaten in die Hauptstadt entsandten.
Nach Kriegsende wurden die muslimischen Gräber innerhalb nationaler Friedhöfe in speziellen Bereichen zusammengeführt, wie z. B. in Douaumont, wo 592 Stelen nach Mekka gerichtet sind. 14.263 Kreuze sind in direkter Nähe zu finden.
In den 30er-Jahren werden die Holzstelen durch Betonstelen ersetzt. Die Gravur zeigt den Stern und den Habmond sowie die Inschrift “Hier ruht” auf arabisch. Auf einer rechteckigen Platte wurden die Identität des Verstorbenen, sein Dienstgrad, seine Einheit sowie der Spruch “Gestorben für Frankreich”, gefolgt vom Todestag, eingraviert.

Muslimischer Bereich in der nationalen Gräberstadt von Amiens (Saint-Acheul). Im Vordergrund das Grab eines Soldaten der 45. RTS, der während der Schlacht um die Somme gestorben ist. Quelle: Foto Claude Villetaneuse

Zahlreiche Militärfriedhöfe in Frankreich und im Ausland beherbergen Grabstätten von Nordafrikanern, deren dauerhafte Pflege dem Verteidigungsministerium obliegt.

Monument zum Gedenken der Toten von Mostaganem, neu errichtet im Jahr 2010 auf dem Exerzierplatz des 1. Artillerieregiments in Epinal. Das Y steht für algerische Artilleristen, ein Werk von Maurice Favre. Quelle: Foto Association des anciens de Mostaganem.

Die Errichtung der Monumente zum Gedenken der Toten sowie die Stelen für die Regimenter begann nach Kriegsende. Sie dienten dem Gedenken an die Gefallenen in den Kämpfen. Das Monument von Vimy (Pas-de-Calais) gedenkt dem Angriff vom 9. Mai 1915 der marokkanischen Division unter General Blondlat.

Vimy (Pas-de-Calais): Monument zum Gedenken der Kämpfe der marokkanischen Division vom 9. bis 11. Mai 1915. Quelle: Lizenzfrei.

Am 11. November 2010 wird in der Großen Moschee von Paris eine Tafel zu Ehren der muslimischen Soldaten eingeweiht, die für Frankreich gestorben sind.

Tafel zu Ehren der muslimischen Soldaten, die ihr Leben für Frankreich gelassen haben, in der Großen Moschee in Paris. Bildnachweis: Cch Chatard/DICoD

Diese Gedenkstätte ist eine Erweiterung des Monuments zum Gedenken an die muslimischen Kämpfer, das im Juni 2006 in Douaumont (Maas) eingeweiht wurde.

Gedenkstätte für die muslimischen Soldaten in Douaumont. Quelle: petit-patrimoine.com