La ligne de démarcation

Demarkationslinie, französischer Kontrollposten - 1941
Corps 1
Am 18. April 1959 erinnert General de Gaulle bei einem offiziellen Besuch in Moulins-sur-Allier an die Teilung, die das deutlichste Zeichen für die deutsche Besetzung mitten in Frankreich war: "Ich weiß genau, was hier alles getan wurde. Das ist umso verdienstvoller, als Sie hier in unmittelbarer Nähe des Dramas waren (...), an dieser Wunde, die quer durch unser Land gerissen wurde und die als Demarkationslinie bezeichnet wird".
Corps 2


Dies ist das erste Mal, dass der Erste der Franzosen die Demarkationslinie in dieser Weise in der Öffentlichkeit bezeichnet. Während der Besatzungszeit hat der Führer der Freien Franzosen in seinen Reden in der BBC die Idee eines Frankreichs verleugnet, das von der Besatzungsmacht willkürlich zerteilt worden war. Wenn die Demarkationslinie und ihre Akteure (Fluchthelfer oder einfache Anwohner) auch in den Gedenkfeiern kaum eine Rolle spielen, abgesehen von vielleicht vierzig Stelen, Tafeln und Denkmälern von geringer Größe, die zwischen 1945 und 2002 eingeweiht wurden, muss man konstatieren, dass die tägliche Realität der Linie sehr viel mehr war als ein manchmal etwas undeutlicher Grenzverlauf auf den Generalstabskarten. Die Historiker haben sie kaum erforscht. Die Demarkationslinie ist aber besonders gut dazu geeignet, die Geschichte der lokalen Wirtschaft von dreizehn geteilten Departements, die Verwaltung der Gemeinden, der Departements und der Präfekturen, und nicht zuletzt auch die Waffenstillstandsarmee und die Polizei zu verstehen.

Die Literatur hält den spektakulärsten Aspekt der Demarkationslinie in Erinnerung. Die sehr erfolgreichen zweiundzwanzig Bände von Oberst Rémy, die zwischen 1964 und 1976 erschienen sind, zeichnen den Fluchthelfer als heroische oder auch als düstere Erscheinung. Claude Chabrol hat sogar einen Film darüber gedreht, der 1966 in die Kinos kam. Schriftsteller wie Joseph Joffo, Jacques Laurent, Jean-Louis Curtis, Bernard Clavel haben Romane über verschiedene Fluchthelfer geschrieben. Diese Erzählungen lehren den Historiker so gut wie nichts über das tägliche Leben der Anwohner der Linie, über den Interzonenverkehr von Menschen, Material und Geldern, über die Arten von geheimen oder legalen "Passierern", über die Chronologie der Unterdrückungsmaßnahmen.

Die Errichtung ohne Vorwarnung



Die gemäß Artikel 2 des Waffenstillstandsvertrages errichtete wichtigste Demarkationslinie des besetzten Frankreichs durchquert dreizehn Departements auf etwa 1 200 Kilometern Länge. Um die Wahrheit zu sagen, die französischen Bevollmächtigten - und in erster Linie General Huntziger - waren auf diese Zergliederung Frankreichs nicht gefasst. Die Linie zerriss die administrative und territoriale Einheit der Forstverwaltung, der Präfekturen und Unterpräfekturen, der Gerichte, der Gendarmerie, der Akademien, der staatlichen Banken, der Bahn usw. Die Regierung in Vichy, die den ganz genauen Verlauf der Linie erst Ende 1941 erfuhr - denn die Besatzer änderten ihn regelmäßig auf örtlicher Ebene -, musste die gesamte Verwaltung des Landes ändern; zum Beispiel mussten in den nicht besetzten Landesteilen neue Abteilungen der früheren, jetzt geteilten Legionen der Gendarmerie gegründet werden. Die Desorganisation des Landes wurde durch andere Demarkationslinien verschlimmert: die im Nordosten; die Linie, die die annektierten Gebiete Elsass und Departement Moselle von der verbotenen Zone - die im Dezember 1941 verschwindet - isoliert, ohne die Errichtung einer Küstenzone zu rechnen, die ab April 1941 auch zur verbotenen Zone wird. Hierzu ist auch zu sagen, dass es schwierig war, die Rückkehr der Franzosen nach dem Exodus zu organisieren, die die Linie überquerten, um in die besetzte Zone zurück zu kehren.

Eine bewachte, aber nicht hermetisch verschlossene "Grenze"



Die Beschilderung an der Linie ist im Allgemeinen unvollständig. Sie besteht aus Tafeln, in den Nazifarben bemalten Pfosten, Fallgattern, Schilderhäuschen und Schranken in den geteilten Städten und Dörfern; an bestimmten Stellen haben die Deutschen die Umgebung der Linie sogar vermint. Sie ist aber nicht hermetisch verschlossen. Ein paar hundert Männer (zuerst Soldaten und dann deutsche Zöllner ab Februar 1941) reichen nicht aus, um Tausende davon abzuhalten, die Linie heimlich zu überqueren, da sie keinen Ausweis - Passierschein - besitzen, der sehr schwer zu beschaffen ist.

Im Übrigen verfügen auch die Minister der Pétain - Regierung nicht über einen dauernden Passierschein. Gegenüber den deutschen Posten richtet Vichy eine französische Bewachung ein, die aus Soldaten der Waffenstillstandsarmee, Gendarmen, Polizisten und Zöllnern besteht, die sich über ihre Aufgaben nicht recht im Klaren sind. Zwischen den Posten gibt es so gut wie keine telefonische Verbindung. So verdanken viele heimliche Grenzgänger ihr Leben französischen Bewachern, die sie in der Ferne durch die Felder laufen sahen. Das Kollaborateur - Regime von Vichy, das sich immer mehr in einem Räderwerk von Zugeständnissen an die Besatzungsmacht verfängt, findet nie einen Weg, um die negativen Auswirkungen der Demarkationslinie zu mildern. Hitler verliert sehr bald das Interesse an den die Linie betreffenden Maßnahmen. Schon seit 1940 fordert er, die Besetzung von ganz Frankreich zu planen.

Das tägliche Leben der Franzosen ist durcheinander gebracht



1940 - 1941 ist die Linie wegen der Kriegsgefangenen der Hauptgegenstand der deutschen Erpressung. Von den Zwangsmaßnahmen am unmittelbarsten betroffen sind natürlich die Anlieger der Demarkationslinie, für die ein Sonderstatus gilt. Sie werden zu "Grenzbewohnern" einer neuen Art, denn sie leben an einer inneren "Grenze" im Herzen ihres Landes und ihres Bodens. Sie haben besondere Passierscheine erhalten, die es ihnen ermöglicht, leichter die Linie zu überschreiten, um tagsüber in einer Zone zu arbeiten und abends zu ihrer Wohnung in einer anderen Zone zurück zu kehren. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, von den Erleichterungen an den deutschen Posten zu profitieren, um Post und heimliche Grenzgänger unter den Sitzen von Lastwagen oder in Fässern auf einem Anhänger hinüber zu schmuggeln.

Im Ganzen gesehen nehmen die Franzosen den Ausweis hin, die seltenen Interzonenreisen im Zug und auch die Interzonenkarten, von denen die ersten zu Beginn der Besetzung gedruckt werden und auf denen man idiotische Sätze wie "ich bin nicht tot" durchstreichen muss. Geldüberweisungen zwischen den Zonen sind einige Zeit unterbrochen. Sie werden wieder möglich, als in der nicht besetzten Zone neue Zweigstellen der Banque de France, des Crédit Lyonnais, der Caisse de Dépôts et Consignations und der Société Générale eröffnet werden. Die Besatzer behandeln die Genehmigungen für den Austausch von Waren, Wertpapieren und Geld von einer Zone zur anderen absichtlich locker. Die von ihnen verwaltete Kriegswirtschaft wird immer gieriger. Die Linie ist auch ein Mittel, die Reichtümer Frankreichs am besten auszubeuten. Und auch die Anwohner der Linie profitieren sehr von dem schwarzen Markt, dessen Kundschaft vor allem aus Deutschen besteht.

Franzosen und belgische, polnische, holländische und deutsche Flüchtlinge lehnen diese Wunde im Herzen von Frankreich ab und organisieren Familiengruppen und nationale Netze für heimliche Grenzüberschreitungen. Die ersten Fluchthelfer gibt es seit dem Sommer 1940. Sie handeln oft allein und wollen helfen. Dann suchen der englische Geheimdienst und Widerstandsbewegungen und Widerstandsnetze nach Grenzgängern, um in beiden Zonen zu arbeiten und die militärischen Einrichtungen der Deutschen auszuspionieren. Die Brüderschaft Notre - Dame von Oberst Rémy hat schon sehr bald mit Hilfe von Louis de la Bardonnie heimliche Passagen im Südwesten organisiert. Am nördlichen Verlauf der Linie (in der Bretagne und in der Normandie vor allem) und im Osten Frankreichs bringen sehr strukturierte Netze Hunderte von Flüchtlingen hinüber, die verfolgt werden oder eine Mission zu erfüllen haben: abgeschossene Flieger, Juden, geflohene Gefangene, einfache Handelsreisende. Manchmal müssen die Passagen bezahlt werden, damit die nächsten Passierwilligen eine Zeitlang ernährt und untergebracht werden können. Einige isolierte Fluchthelfer sind auf Profit aus und nehmen sehr hohe Preise, vor allem wenn mehr Juden an der Linie ankommen, wie z.B. nach den Razzien im Sommer 1942. Es gibt auch falsche Fluchthelfer, die für die Deutschen arbeiten. Aber trotzdem darf man nicht die vielen freiwilligen Fluchthelfer vergessen, deren Motivation auf halbem Weg zwischen der "humanitären" Handlung und dem Widerstand zu suchen ist.

Erinnern wir schließlich daran, dass die Demarkationslinie im Februar 1943 aufgegeben wird, als die Deutschen seit November 1942 das gesamte französische Territorium besetzt haben. Sie verschwindet allerdings nicht von den Generalstabskarten der Deutschen, und bestimmte Einschränkungen bleiben bestehen, vor allem was den Warenverkehr betrifft. So bleibt sie bis zum Ende des Krieges ein Druckmittel, und die Drohung, sie wieder einzurichten, bleibt für die Franzosen bis zum Schluss als schwere Last bestehen.