Der Widerstand von Bigorre (65)

Die Gruppe Bernard in Bagnères-de-Bigorre (vermutlich am 8. Juni 1944) © Ville de Loucrup
Le groupe Bernard à Bagnères-de-Bigorre (certainement le 8 juin 1944) © Ville de Loucrup

Der am 22. Juni 1940 geschlossene Widerstand setzt den Kämpfen ein Ende…

Corps 1

Vergebens widersetzte sich die französische Armee dem Blitzkrieg: Die im Norden platzierte Armee wurde in Dünkirchen umzingelt und die Maginot-Linie war bereits durchdrungen worden. Am 14. Juni marschiert die deutsche Armee in Paris und am 22. Juni in La Rochelle und Lyon ein.

Die Regierung von Reynaud wurde entlassen und Maréchal Pétain übernahm die Staatsmacht. Nachdem die Wehrmacht bereits den Norden des Landes und die Atlantikküste besetzte, richtet Maréchal Pétain den neuen Regierungssitz in der neutralen Zone von Vichy ein. Die Flut an Flüchtlingen wurden immer größer: Tarbes nahm insgesamt 90.000 Menschen auf, davon im Juli 1940 allein 21.000 Einwohner der Ile-de-France.

Währenddessen führte General de Gaulle mit seinen Truppen die Kämpfe in Richtung London weiter und rief die Franzosen auf weiterzukämpfen: Der Widerstand ist geboren.

Corps 2

Die ersten Demonstrationen auf nationaler Ebene entstammten einer spontanen Aktion von Informationsnetzwerken und Fluchthelfern.

Die Widerstandsbewegungen waren geboren. Die Entwicklung des Widerstands wurde als Zuflucht und strategische Zone für die Neuaufstellung zugleich unterstützt:

  • von der Armee des Waffenstillstands durch Leutnant Ceroni

  • auf Gewerkschaftsebene, mittlerweile illegal tätig, formt sich die lokale “Befreiungsfront” (Fourcade, Le Goff, Nolibos)

  • von der öffentlichen Verwaltung und den öffentlichen Diensten (Präfekten Gonzalve und Le Gentil)

  • von ehemaligen Kämpfern der Jahre 1914 - 1918, als Reaktion auf ein Programm zur Zusammenarbeit mit dem Staat (Zusammenkunft von Montoire im Oktober 1940) und dessen Handhabung, unter ihnen Pierre Cohou

  • von den Eisenbahnarbeitern, deren Widerstandskämpfe um die Lager in Tarbes und die Bahnhöfe von Lannemezan, Lourdes usw. in dem Film “Schienenschlacht” verfilmt wurden

  • von der Presse und Journalisten, z. B. Pierre Dumas oder Pierre Bertrand, die in der Zeitung Petite Gironde entsprechend Stellung beziehen


Die Netzwerke, d. h. nationale, lokale oder direkt vom britischen (Intelligence Service) oder französischen (2e Bureau und B.C.R.A.) Geheimdienst unterstützten Gruppierungen organisierten entsprechende Informationsdienste (militärisch oder politisch) oder Fluchtwege an den Grenzen. Weiterhin waren sie verantwortlich für die Vorbereitung und den Empfang von Fallschirmspringern und gewissen Sabotageakten. Im Juli 1940 errichten die Briten das Netzwerk “Edouard”. Als Initiator dieses Netzwerks gilt der Gastwirt Gaston Hèches. Eine Abordnung der Special Operation Executive (S.O.E.), das Netzwerk “Action” unter Leitung von Charles Rechenmann, war dem Netzwerk von Major Buckmaster direkt unterstellt. Andere mit der S.O.E. verbundene Gruppen: Die Netzwerke “Hilaire”, “Whelwright”, “Polonais”, “Alliès” in Lourdes, “Meccano” in Tarbes und Lourdes, “Kasanga-Bigorre”, verbunden mit der im Mai 1942 von Jean Cénac (Pailhé) gegründeten Bewegung “Combat” in Tarbes, “Alliance”, im November 1942 von Hauptmann Doué in Lourdes ins Leben gerufen, “Andalousie”, die Absplittung B.C.R.A., in der Zone Lourdes/Argelès, unter Befehl von Oberst Bistos usw.


Die Widerstandsbewegung spiegelt den nationalen Charakter der Gegenpropaganda wider. Die von Henry Frenay 1941 in der besetzten Zone gegründete “Combat”-Bewegung wird auf Departement-Ebene von Pierre Dumas strukturiert. Gemeinsam mit Pierre Teitgen organisiert er die Veröffentlichung und Verbreitung von Untergrundzeitungen. Die Bewegung wird durch zahlreiche, hochrangige lokale Persönlichkeiten unterstützt: Sahuc, Mercier, Cénac, Charier, Sajous, Moreau, Lafon-Puyo, Gachies.

Die Gruppe unterstützt sowohl den Untergrund als auch bestimmte Guerilla-Aktionen, z. B. Anschläge mit Plastikbomben im August 1942, und auch die Verwaltung der Arbeitskräfte Deutschlands in Bagnères-de-Bigorre. Die im September 1939 straffällig gewordene und von der Pétain-Regierung verfolgte Bewegung Franc-Tireurs-Partisans-Français (F.T.P.F.) setzt sich zusammen aus zahlreichen Kommunisten und Gewerkschaftern sowie Überlebenden der spanischen republikanischen Armee, den so genannten Guérilleros. Die Bewegung ist in kleinen unabhängigen Zellen organisiert. Nachdem die deutsche Armee im November 1942 die Demarkationslinie überschritten hat, bildet sich in der südlichen Zone die F.T.P.F. Zu ihren Zellen zählen auch die Mouvements Unis de la Résistance von 1943. Jean Toujas, Bordedebat, Serra, Briard und Chastellain führen den Kampf der F.T.P.F im Departement Hautes-Pyrénées an. Sie veröffentlichen die Untergrundzeitung “L'Humanité” und kümmern sich um die von der Polizei verfolgten Widerstandskämpfer und die Fahnenflüchtlinge des Service du Travail Obligatoire (S.T.O.). Zu ihnen gehören die Widerstandsgruppen Nistos-Esparros und Soulagnets sowie die Gruppen von Marquis, Torres und Dhugues. Die F.T.P.F. besetzt am 10. Juni 1944 den Sektor Bagnères und trägt wesentlich zur Befreiung von Lourdes bei (19. August 1944).

Die Organisation Métropolitaine de l'Armée (O.M.A.), Organisation de la Résistance de l'Armée (O.R.A.) besteht ab 1944 aus Führungskräften, Offizieren und Unteroffizieren der Armee des Waffenstillstands sowie der Südwest-Gruppierung des Korps unter Franc Pommiès (Offizier des 18. Infanterieregiments) und unterstützt die Militäraktionen im Kampf gegen das Reich und seine Alliierten.


Die Mitglieder stammen aus allen Verwaltungsebenen und haben somit Zugriff auf alle wichtigen Informationen über die Produktionsstätten, den Materialtransport der Truppen und die Versorgungswege. Sie koordinieren Fallschirmspringer und führen Sabotageakte durch: Einem Kommando, bestehend aus F.T.P.F., Mitgliedern der A.S. und der C.F.P. (Corps Franc Pommiès) gelingt es, dass die Aktivitäten des Hispano-Werks am 15. April 1944 eingestellt werden.

Die Mouvements Unis de la Résistance (M.U.R.), gegründet von Jean Moulin im Januar 1943, bevor sich die Gruppe neu geordnet und unter derselben Führung wieder vereinigt hatte, leitet die Aktionen der nationalen Organisationen “Libération”, “Franc-Tireur” und “Combat” und nimmt seine Tätigkeit im Juli 1943 auf. Verdier (Forain) wird mit der regionalen Führung betraut, während Marcel Le Goff und Pierre Cohou dieselbe Rolle auf Ebene der Departements übernehmen. Am 20. August 1944 wird das Departement Hautes-Pyrénées befreit. Bei den zwischen Juli 1942 und August 1944 durchgeführten 150 Guerilla-Aktionen kamen 205 Widerstandskämpfer ums Leben. Weitere 527 Menschen wurden aufgrund ihres Widerstands, ihrer politischen Meinung oder ihrer jüdischen Abstammung interniert oder deportiert. Die Vergeltungsmaßnahmen der Deutschen, die gegen die Zivilbevölkerung gerichtet waren, führten in den letzten drei Monaten zu weiteren 78 Toten und 50 Verletzten.