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La naissance des associations d'anciens combattants

Wimpel der nationalen Union der Frontkämpfer. Fahne aus Stoff, bestehend aus drei Streifen in Blau, Weiß und Rot, mit den drei Buchstaben UNC
Corps 1
Die Entstehung der Verbände ehemaliger Frontkämpfer Der Erste Weltkrieg hat die Männer tief gezeichnet, an Körper und Seele. Die ersten Verbände entstehen schon 1916 als Antwort auf die dramatischen Probleme der Verwundeten, die in den überfüllten Krankenhäusern liegen und darauf warten, wieder in das zivile Leben zurück zu kehren. Zur gleichen Zeit gründen auch Kriegsversehrte auf Urlaub oder wegen Dienstunfähigkeit Ausgemusterte Verbände, um zu helfen und zu beraten. Nach 1918 ist die Rückkehr in das Zivilleben schwierig. Das soziale Klima ist gespannt. So bilden sich Verbände der Frontkämpfer als Ausdruck des Protests von Bürgern, die nach Gerechtigkeit verlangen.
Corps 2


Verbände von ehemaligen Frontkämpfern gibt es in allen Ländern. Die französischen Verbände haben besondere Eigenschaften. Sie sind mächtig - drei Millionen Mitglieder in den 30er Jahren - sehr zersplittert - es gibt mehrere tausend, auch wenn die beiden größten der damaligen Zeit, die Union fédérale des mutilés (UF - Bund der Kriegsversehrten) und die Union nationale des combattants (UNC - nationale Union der Frontkämpfer) mehr als die Hälfte der Mitglieder in sich vereinen -, demokratisch in ihrer Struktur und Leitung. Vor allem haben sie ein besonderes Verhältnis zu dem republikanischen Staat: das von Bürgern, die sich organisieren, um ihr Recht zu erhalten und die die dafür notwendigen Aktionen selbst in die Hand nehmen. Es sind keine Veteranen, denen von Wohlfahrtsverbänden geholfen wird, sondern es sind stolze Bürger und Wähler, die Gerechtigkeit verlangen. Man kann zwei aufeinander folgende Wellen von Frontkämpferverbänden unterscheiden. Die ersten werden schon während des Krieges von 1914-1918 gegründet: es sind die Verbände der Kriegsversehrten und Ausgemusterten. Die Ausmusterung ist das Verfahren, in dem die Armee entscheidet, dass ein Verwundeter oder Kranker nicht mehr dienen kann, entweder vorläufig oder endgültig. Über die Ausmusterung wird von einem Ausschuss von Militärärzten entschieden.

Dieses Verfahren funktionierte sehr schlecht und bewirkte bei den Verwundeten eine tiefe Unzufriedenheit. Zum einen mussten sie sehr oft lange in einem Lazarett oder Lager warten, bevor sie vor der Kommission für die Ausmusterung erscheinen konnten. Diese Kommissionen waren überlastet, denn es gab sehr viele Verwundete und sehr wenige verfügbare Ärzte. Außerdem wartete die Armee damit, die Verwundeten der Kommission vorzustellen, bis sich ihr Gesundheitszustand stabilisiert hatte, in der Hoffnung die Ausmusterung zu vermeiden. Es gab also Tausende von inaktiven Soldaten, die auf die Ausmusterung warteten, und in diesen Gruppen entstand Unzufriedenheit.

Die Kriegsversehrten machen mobil für moralische Anerkennung



Nach ihrer Rückkehr in das zivile Leben hatten die Ausgemusterten mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Viele wussten nicht, wovon sie leben sollten. Der Staat zahlte ihnen nur lächerliche Beihilfen. Das Gesetz über Pensionen, das während des Krieges noch gültig war, stammte aus dem Jahr 1831. Es war für ein Berufsheer erlassen worden, und ganz und gar nicht für ein Heer von Einberufenen und für einen Krieg, in dem achttausend Männer mobilisiert wurden.

Diejenigen, die ihren Beruf nicht wieder aufnehmen konnten, z.B. beinamputierte Landwirte, riskierten, ihren Familien zur Last zu fallen. Manchen blieb sogar nichts anderes übrig als zu betteln. Unabhängig von diesen finanziellen Schwierigkeiten mussten sie zahlreiche Ansprüche bei den Bürgermeistern und Präfekten geltend machen: z.B. die Erlaubnis, sich in der Straßenbahn oder Untergrundbahn hinsetzen zu dürfen. Diese mehr oder weniger großen Schwierigkeiten wurden durch die Umstände verstärkt. Einerseits tagtäglich zu hören, wie man die Helden lobte, und andererseits einen Arm oder ein Bein verloren zu haben und arbeitslos zu sein oder zu betteln, war eigentlich nicht zu ertragen. Der Kontrast zwischen den offiziellen Reden und der Realität der Leiden und des täglichen Lebens war zu stark. Darüber hinaus wird ein Mann in der Etappe während des Krieges, dessen Verwundung nicht sichtbar ist, nur zu leicht als Drückeberger betrachtet. So war eine der ersten Forderungen der Ausgemusterten im Jahr 1917, ein Abzeichen zu erhalten, um diese verletzenden Verwechslungen zu vermeiden. Der Wunsch nach moralischer Anerkennung ist einstimmig. Mehr noch als die materiellen Forderungen ist er es, der die Kriegsversehrten dazu bringt, sich zusammen zu schließen, um in der Gemeinschaft im öffentlichen Raum eine Daseinsberechtigung zu haben. Die lokalen Verbände der Kriegsversehrten - dieser Begriff steht für alle Ausgemusterten - entstehen schon relativ früh: im Februar 1916 in Saint-Etienne, im März in Aix en Provence mit René Cassin, im April in Nancy.

Sie werden aktiv, um Kameraden in Schwierigkeiten zu helfen, und sie werden bei dem Bürgermeister und dem Präfekten vorstellig. Andere werden in Zentren für Rehabilitation oder in Krankenhäusern gegründet, wie z.B. der Allgemeine Verband der Kriegsversehrten in den Invalides, der den kommandierenden General dieser Einrichtung zu ihrem Präsidenten wählt. Die Gründung des Journal des Mutilés (Zeitung der Kriegsversehrten) im Mai 1916 gibt ihnen eine Tribüne, wenn es sich auch für die Gründer außerdem um ein Geschäft handelt. Die Leserschaft dieser Zeitung nimmt schnell zu, und es ist an der Zeit, am 11. November 1917 im Grand Palais in Paris einen Kongress aller Verbände einzuberufen, der nachdrücklich fordert, dass das Recht auf Entschädigung zur Grundlage des Pensionsgesetzes gemacht wird, über das gerade diskutiert wird. Die Veranstalter sind überzeugt, dass dieser erste Kongress zu der Gründung eines vereinigten nationalen Verbandes führen muss, aber einflussreiche lokale Verbände, die sich nicht durch die Pariser manipulieren lassen wollen, berufen vom 24. bis zum 26. Februar 1918 einen zweiten Kongress in Lyon ein. Dieser führt zur Gründung der föderalen Union. Als der Krieg beendet war, gab es die Verbände der Kriegsversehrten demnach schon. Sie waren zu dem Zeitpunkt mit den letzten Diskussionen über das Pensionsgesetz vom 31. März 1919 und der Einrichtung der Departementsausschüsse des nationalen Amts der Kriegsversehrten beschäftigt, die in dem Gesetz vom 2. Januar 1918 vorgesehen waren, um ihre Rehabilitation und Beschäftigung zu organisieren. Da es viel mehr ehemalige Frontkämpfer als Versehrte gab, bedeutete die Aufnahme der ersteren die Gefahr, von anderen Forderungen überschwemmt zu werden und ihre Identität zu verlieren. Manche Verbände beschlossen, sich zu öffnen, wie z.B. die von Le Havre, Lyon und Grenoble, die auf diese Weise schnell wuchsen. Andere, die die gleiche Wahl getroffen hatten, konnten der Spannung zwischen den unterschiedlichen Interessen nicht standhalten und spalteten sich in zwei verschiedene Verbände auf, ohne unbedingt gegeneinander zu arbeiten. Dies geschah im Loiret. Wieder andere nahmen die Frontkämpfer nicht auf, so dass neben ihnen Frontkämpferverbände entstanden.

Unzufriedenheit macht sich unter den demobilisierten Soldaten bemerkbar



Die politischen Zusammenhänge spielen hierbei eine wichtige Rolle. Nach dem Krieg bricht ebenso wie in Frankreich auch in Deutschland, Italien und Großbritannien eine soziale Krise aus, die sich lange vorbereitet hatte und die sich durch die Umwandlung der Munitionsfabriken verschärft.

Die russische Revolution hat riesige Hoffnungen geweckt. Überall brechen Streiks aus, die manchmal revolutionären Charakter haben, wie z.B. der Streik der Metallarbeiter in Paris im Juni 1919. Clemenceau stellt einen Plan zum Schutz der öffentlichen Gebäude auf. Er lässt Paris am 1. Mai 1919 von den Truppen kontrollieren, wobei es zu Schlägereien mit einem Toten und zahlreichen Verletzten kommt. Es besteht die Gefahr, dass sich die ehemaligen Frontkämpfer zu den Reihen der Roten schlagen, denn die Unzufriedenheit wächst unter den demobilisierten Soldaten. Die Regierung macht Konzessionen: sie befreit die Soldaten und Witwen von den Steuern, die für die Kriegsjahre zu zahlen sind, wenn ihr Einkommen unter 5000 F liegt. Sie richtet eine Demobilisierungsprämie von 250 F ein, zuzüglich 20 F für jeden Monat, der an der Front verbracht wurde. Aber die wichtigste Gegenmaßnahme besteht darin, die Demobilisierten zu organisieren, bevor es die Linke tut: dies führt zur Gründung der UNC. Im Gegensatz zu der UF, die langsam von unten wächst, kommt die UNC von oben, und zwar schnell. Es ist die Idee eines Militärpfarrers, des Père Brottier - er leitet nach dem Krieg die Stiftung für die Kriegswaisenlehrlinge von Auteuil - zusammen mit Menschen aus Wohlfahrtsverbänden und sozial tätigen Katholiken. Die UNC wird von konservativen Kreisen unterstützt. Clemenceau ermutigt Père Brottier und gibt ihm eine Beihilfe von 100 000 F. Die Armee genehmigt, dass die UNC, die von einem General geleitet wird, in den Familien der Soldaten Werbung macht.

Mehrere Bischöfe raten ihren Geistlichen, die Gründung von Sektionen der UNC zu fördern. Banken unterstützen sie: eine ihrer ersten Werbeaktionen besteht darin, den Mitgliedern den Betrag ihrer Demobilisierungsprämie in bar ohne Provision auszuzahlen, im Tausch gegen die Schatzanweisungen, die sie erhalten haben. Für dieses Verfahren ist eine Bank erforderlich. Ihrerseits hat die UNC der Eisenbahngesellschaft PLM (1) geholfen, den Eisenbahnerstreik von 1920 zu überwinden und von ihr 100 000 F dafür erhalten. Die Unterstützung der Regierung, der Armee, der Kirche und der Geschäftswelt ermöglicht es der UNC, existierende Netze zu mobilisieren und sich dadurch schnell zu entwickeln, vor allem im Westen. Bei ihrer offiziellen Gründung am 11. November 1918 besteht sie bereits in 72 Departements und hat bei ihrer ersten Hauptversammlung im Februar 1919 schon fast 100.000 Mitglieder. 1921 hat sie mit 317 000 zahlenden Mitgliedern die UF überholt, die auf ihrem Kongress über 255 000 Stimmberechtigte verfügt (2). Danach ist die UNC stark genug, um ohne die anfängliche Unterstützung auszukommen, und die UF wächst weiter, so dass sie sie schließlich sogar überholt. Ohne ganz zu verschwinden, lassen die politischen Gegensätze in einer weniger konfliktreichen Umgebung nach. Durch die Entwicklung von rivalisierenden Verbänden rechts von der UNC und links von der UF rücken die beiden einander näher. Im Übrigen bleibt eine starke lokale Autonomie bestehen, und das Verhältnis von kommunalen Realitäten und nationalen Angelegenheiten ist häufig verschoben.

Neben diesen beiden großen Verbänden werden seit dem Krieg weitere gegründet. Allgemeine Versehrtenverbände wie z.B. der Allgemeine Verband der Kriegsversehrten, die nationale Union der Kriegsversehrten und Ausgemusterten, die nationale Föderation, in der Maginot Ende 1918 die Präsidentschaft übernimmt. Besondere Vereinigungen, wie z.B. der Blinden, der Lungenverletzten, der Amputierten, der Gesichtsverletzten und andere, mehr berufsständische, wie der Verband der Postangestellten oder der Lehrer und, nicht zu vergessen, die mehr politisch ausgerichteten Verbände, wie z.B. die Republikanische Vereinigung ehemaliger Frontkämpfer ARAC von Barbusse oder die Föderation für Arbeiter und Bauern.

Hat diese Vielzahl von Verbänden die Bewegung der Frontkämpfer geschwächt? Internationale Vergleiche lassen diese Frage eher mit nein beantworten, wenn man an die Mitgliederzahlen denkt. Was die Wirksamkeit angeht, so ist sie dadurch nicht behindert worden, denn die gesamte soziale Tätigkeit hat in Partnerschaft mit dem Staat über nationale Ämter (Versehrte, Kriegswaisen, ehemalige Frontkämpfer) und Komitees oder Ämter der Departements stattgefunden, in denen die Verbände entsprechend vertreten waren. Diese Verbindung von demokratischer Vielfalt und paritätischer Verwaltung bildet den besonderen Charakter der Bewegung der Frontkämpfer in Frankreich.

Nota : (1) Eisenbahngesellschaft Paris-Lyon-Mittelmeer (1857-1938). (2) Nähere Angaben und Ergänzungen zu diesem Thema finden Sie bei Antoine Prost, Les anciens combattants et la société française, 1914-1939 (Die ehemaligen Frontkämpfer und die französische Gesellschaft, 1914-1939), Presse de la FNSP, 1977, Band I / Geschichte.