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Befreiung und Verteidigung von Straßburg

Chapeau

Am 2.März 1941 leistet Oberst Leclerc nach einem legendären Sieg in Koufra vor seinen Männern den Schwur „so lange weiterzukämpfen, bis unsere Farben, unsere schönen Farben von der Kathedrale in Straßburg wehen“. Im November 1944 stehen die 2. Panzerdivision und ihr Befehlshaber kurz davor, dieses Versprechen einzulösen.

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Nach den schweren Kämpfen in Dompaire und Baccarat in Lothringen muss die 2. Panzerdivision, die auf alleinigen Befehl von General Leclerc an der Meurthe gekämpft hatte, neue Kräfte sammeln und sich neu organisieren. Diese kurze Pause ermöglicht es ihnen, die von der FFI kommenden Rekruten einzubinden und zu instruieren sowie das Material aufzustocken. Die in das 15. Korps der 3. Amerikanischen Armee unter General Patton eingegliederte 2. Panzerdivision wird in drei taktische Gruppen für schwere Waffen unterteilt: die GTD unter Oberst Dio, die GTL unter Befehlsgewalt von Oberst Langlade, die GTV unter Oberstleutnant de Guillebon. Eine weitere Gruppierung wird den Leichtwaffen der GTR unter Oberstleutnant Rémy unterstellt.

Überquerung der Vogesen

Zwischen der 2. Panzerdivision und Straßburg liegt nur noch ein Hindernis, welches jedoch nicht zu verachten ist: Die Vogesen mit winterlichen Verhältnissen! Am 10. November bestellt Leclerc Oberst de Langlade zu sich und vertraut ihm seine Mission an: Überquerung der Vogesen über die Straße von Dabo. Dadurch sollte ein Zusammentreffen mit dem Widerstand in Sarrebourg und Saverne vermieden werden, der von der GTD angegriffen wird und dann in Wasselonne und Marmoutier zum Fall gebracht werden soll. „"Der Feind wird Sie in Saverne erwarten und nicht in Dabo, denn niemand geht davon aus, dass eine Panzerdivision diese Bergstrecke auf sich nehmen wird…“ Am 15. November startet Leclerc mit seiner leichten Kavallerie den Angriff auf Cirey-sur-Vezouze und die Brücken. Der Untergruppierung Morel-Deville des 1. Marschregiments der marokkanischen Spahis (RMSM) gelingt am 18. nach schweren Kämpfen die Eroberung. Oberstleutnant La Horie wird getötet, nachdem er kurz zuvor Badonviller befreit hatte. Am 19. November marschiert die 2. Panzerdivision in Richtung Straßburg. Die GTD dringt über die Nationalstraße 4 in Richtung Sarrebourg, Phalsbourg und Saverne vor. Die Untergruppierung Quilichini hingegen stößt in Phalsbourg auf heftige Gegenwehr, während es Oberstleutnant Rouvillois gelingt, das Hindernis zu umgehen. Er bringt die Ordnung der 316. Infanteriedivision außer Kontrolle und erreicht am Abend nördlich von Saverne das Elsass. Die GTL, gefolgt von der GTV kämpft in den Vogesen und trifft am 21. November in Dabo ein. Trotz der Verteidigung und dem heftigen Widerstand des Feindes und trotz äußerst schlechten Witterungsbedingungen und dem sehr unwegsamen Gelände gelingt es, die Vogesen zu überqueren und weiter in Richtung Elsass vorzudringen. Nach heftigen Kämpfen sind am Abend des 22. November die Städte Marmoutier, Saverne und Phalsbourg befreit.

Die Befreiung von Straßburg

Der Angriff startet am 23. November 1944 um 6.45 Uhr an vier verschiedenen Orten. Das Endziel sind der Rhein und die Brücke von Kehl. Drei Stunden später treffen drei der vier Kolonnen auf Festungen, die vom Feind besetzt sind. Hinzu kommt, dass diese Anlagen durch unterirdische Gänge miteinander verbunden sind und über Kanonenabwehr verfügen. Die Situation entspannt sich durch die Aktionen der vierten Kolonne unter Oberstleutnant Rouvillois, der die Strecke Hochfelden – Brumath – Schiltigheim gewählt hatte und damit aus einer Richtung kommt, mit der die deutsche Verteidigung nicht gerechnet hatte. Rouvillois und seine Panzer dringen mit ohrenbetäubendem Lärm in die Stadt ein. Das 5. Schwadron der 1. RMSM erreicht als erste die Kathedrale. Und Rouvillois verkündet seine unvergessliche Nachricht: „Tissu est dans iode“. Er drängt weiter in Richtung Rhein vor, kann jedoch die Zerstörung der Brücke von Kehl nicht verhindern. Während das 501. Panzerregiment (RCC), das Panzerregiment der Marineinfanterie (RBFM) sowie Teile des Marschregiments des Tschad (RMT) die Stadt von Widerstandskämpfern und Snipern befreien, steht die Gruppe Bompard des 5/1. RMSM gegenüber der Granitrose der Kathedrale und ist bereit, ihren Schwur von Koufra einzulösen. Der Spahi Maurice Lebrun meldet sich freiwillig, um an der Kirchturmspitze hochzuklettern und ein Glückssymbol anzubringen. Im Schutz seiner Kameraden klettert er hoch mit den Worten: „Ich muss feststellen, dass ich solche Klettereien nicht gewohnt bin. Und dann der eisige Wind, die Höhe: 142 Meter und… welch' schönes Ziel! Ich klettere. Und schon bin ich an der Spitze. Ich halte mich am Blitzableiter fest und ich glaube, ich zittere. Ich nehme die Fahne aus der Jacke. Es ist vollbracht, sie hängt. Dreißig Sekunden bewegungslos im Wind. Ich glaube ein Zischen zu hören. Ich hatte nicht mehr an sie gedacht. Sie sind bereit mich aufzufangen, noch bevor ich es realisiert habe“. Die Säuberung der Stadt wird fortgesetzt und die Festungen werden nacheinander eingenommen. Am 25. November trifft die deutsche Garnison auf ein Sonderkommando der 2. Panzerdivision. Am nächsten Morgen hält General Leclerc auf dem Place Kléber eine Waffenparade ab.

Der Feldzug im Elsass

In den folgenden Tagen gelingt es der 2. Panzerdivision den Sicherheitsgürtel rings um Straßburg zu erweitern und zahlreiche Dörfer zu befreien. Am 28. November erreicht sie den Sektor Erstein, 15 km südwestlich von Straßburg, wo sie auf heftige Gegenwehr der 19. Deutschen Armee trifft. Selbst wenn Straßburg befreit ist, gerettet ist es noch lange nicht! Am 1. Januar 1945 startet Himmler, leitender Kommandant im Elsass, die Operation Nordwind mit dem Ziel, Straßburg zurückzuerobern. Indessen versucht Eisenhower die ins Elsass vorgedrungenen Truppen wieder zusammenzulegen, während de Gaulle General de Lattre de Tassigny den Befehl erteilt, die eroberten Positionen zu verteidigen. Die Spannungen zwischen den Generalstäben Frankreichs und Amerikas nehmen zu. Schließlich kann die Krise dank Intervention von Churchill überwunden werden und de Lattre macht sich bereit für die Verteidigung Straßburgs an einer 248 km langen Front. Während sie auf das Eintreffen der 3. Algerischen Infanteriedivision warten, sind vier Schwadronen der mobilen Gendarmerie und Elemente der FFI in heftige Kämpfe verwickelt, während die Panzer unaufhaltsam gen Straßburg rollen. Im Süden kämpft die 1. motorisierte Infanteriedivision und verliert dabei das 24. Marschbataillon (BM 24), das während der Operation Sonnenwende in Obenheim niedergekämpft wird. Das Opfer ist jedoch nicht umsonst. Am 13. Januar ist der Feind geschlagen und zieht seine besten Divisionen zurück, um sie dem Angriff der Russen im Osten entgegen zu stellen.

Leclerc feiert frenetisch die Erfolge der 1. DMI und schickt General Garbay folgende Nachricht: „Glückwunsch alter Freund!“ Zusammenfassend kann man sagen, dass die Rettung Straßburgs auf die Verdienste der 1. Division des Freien Frankreich (DFL) zurückzuführen ist, nachdem es der 2. Panzerdivision gelungen war, die Stadt einzunehmen. Ich hoffe, dass deine Truppe nicht allzu viele Opfer verzeichnen musste. Herzlichen Glückwunsch von uns und lass dich nicht davon abhalten, die Wahrheit preiszugeben.“ Zwischen Garbay und Leclerc ist die Solidarität des Freien Frankreich zu spüren. Diese Anspielung auf die Verantwortungsbereiche des Generalstabs und General de Lattre für den Verlust der BM 24 zeigt erneut den Antagonismus zwischen dem Freien Frankreich auf der einen und der Afrikaarmee auf der anderen Seite. Nach der Befreiung von Paris und der Befreiung von Straßburg durch die 2. Panzerdivision werden die Streitkräfte des Freien Frankreich in die französische Armee eingegliedert. Man vergisst dadurch leicht die Rolle der Afrikaarmee und seiner Generäle Juin und de Lattre, die sich um ihr Land verdient gemacht haben, genauso wie die beiden Divisionen des Freien Frankreich, die noch heute fortbestehen.


Auteur
Pierre Dufour

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