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Gedenkstätte der Landung und der Befreiung der Provence

Chapeau

Das Denkmal der Landung und der Befreiung der Provence ist eine wichtige nationale Gedenkstätte des französischen Armeeministeriums und zeugt von der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Die Ereignisse, die sich 1942 im Mittelmeerraum abgespielt haben, stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Kulturprogramms.

© ONAC-VG
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Am 15. August 1964 von General de Gaulle eingeweiht, der damit den Beitrag Frankreichs zu seiner Befreiung, aber auch die Verbindungen zu den kürzlich unabhängig gewordenen afrikanischen Ländern verdeutlichen wollte, wird die Gedenkstätte für die Landung und Befreiung der Provence  vom Nationalen Amt für Kriegsveteranen und Kriegsopfer (ONAC-VG), einer öffentlichen Einrichtung unter der Aufsicht des Armeeministeriums, verwaltet und gefördert. Die Gedenkstätte bietet einen außergewöhnlichen Panoramablick auf die Küste und die Berge des Hinterlandes von Toulon und präsentiert auf 600 m² Ausstellungsfläche eine Sammlung von Gegenständen aus der damaligen Zeit sowie Audio- und Video-Zeugnisse, die es den Besuchern ermöglichen, die verschiedenen Phasen der Landung in der Provence, einer entscheidenden Etappe bei der Befreiung des nationalen Territoriums, nachzuvollziehen. Nachdem sich bereits 1940 ein Teil des Kolonialreichs General de Gaulle angeschlossen hatte, Nordafrika durch die Operation Torch im November 1942 und Korsika 1943 befreit worden war, bildeten die Landungen in der Normandie und in der Provence den Würgegriff, der die deutsche Armee 1944 aus dem französischen Mutterland vertrieb.


Nach einer umfangreichen Renovierung zwischen 2015 und 2017 ist die Gedenkstätte zu einem didaktischen und interaktiven Interpretationszentrum geworden, das sich an die junge Generation, aber auch an die breite Öffentlichkeit und die Welt der Veteranen richtet. Die neuen Räumlichkeiten bieten eine neue historische und pädagogische Perspektive mit einem chronologischen Rundgang, der zwei Jahre vor der Landung am 15. August 1944 beginnt und den Besucher Raum für Raum näher an den D-Day heranführt. Die Rolle aller Akteure - britische und französische Soldaten, Soldaten europäischer und afrikanischer Herkunft, Widerstandskämpfer und Zivilisten - wird eingehend beleuchtet. Ein Breitwandfilm zeigt auf einer 17 Meter langen Leinwand Bilder von der Nacht vom 14. auf den 15. August 1944 bis zu den Befreiungen von Toulon und Marseille. Darüber hinaus gibt es ein Medienangebot für alle Zielgruppen: Führungen, thematische Rundgänge, pädagogische Aktivitäten und Workshops, Spielhefte usw. Die am 16. März 2017 eingeweihte, renovierte Gedenkstätte empfängt jährlich 30.000 Besucher und setzt ihre Berufung zur Vermittlung des Gedenkens an die Landung der Alliierten fort.


Anlässlich des 80. Jahrestags des entscheidenden Kriegsjahres 1942 ist die Gedenkstätte umfassend mobilisiert. Sie bietet ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Kulturprogramm, das mit den Ereignissen in Zusammenhang steht, die in Südfrankreich und im weiteren Sinne im Mittelmeerraum stattgefunden haben. So werden in einer Vortragsreihe die Schlacht von Bir Hakeim, die von den anglo-amerikanischen Streitkräften in Marokko und Algerien durchgeführte Operation Torch, die Invasion der Südzone im November durch die Truppen der Achsenmächte oder auch die Flucht des U-Boots Casabianca aus dem Hafen von Toulon vorgestellt. Diese wird von renommierten Historikern wie Jean-Marie Guillon, emeritierter Universitätsprofessor und Vorsitzender des wissenschaftlichen Rates der Gedenkstätte, geleitet. In der zweiten Jahreshälfte wird eine temporäre Ausstellung über die Casabianca die Erinnerung an ihre Besatzung, ihr Schicksal und ihre Missionen zur Unterstützung der Résistance auf Korsika und in der Provence wachrufen. Der Besuch der Gedenkstätte bietet übrigens die Gelegenheit, sich auf die etwa 15 km unterhalb der Stätte gelegene Reede von Toulon zu begeben, um die genaue Stelle zu entdecken, an der die französische Flotte im November 1942 einen Großteil ihrer Schiffe sabotierte, damit sie nicht in die Hände des Feindes fallen. Im Sommer werden weitere kulturelle Veranstaltungen, wie ein Jazzkonzert oder ein Open-Air-Kino den Veranstaltungskalender bereichern.

 


Auteur
Mickaël Blasselle - Historischer, wissenschaftlicher und pädagogischer Leiter

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Provence août 1944