Philippe Apeloig

Chapeau

Der Grafiker und Typograf Philippe Apeloig hat in einem wunderschönen Band die Fotografien aller Gedenktafeln zum Zweiten Weltkrieg in Paris gesammelt. Zwischen Typografie und Erinnerung offenbaren diese Tafeln die tragische Geschichte dieser Zeit.

6, place du Petit-Pont, 5e arr. © Philippe Apeloig
Texte

Enfants de Pariswurde gerade veröffentlicht. Wie entstanden die Idee zu diesem Buch und Ihr Interesse an diesen Gedenktafeln an den Mauern von Paris?

Dieses Projekt ist das Ergebnis einer langen Reifezeit. Ausgangspunkt ist „The Wall“, ein Denkmal zur Erinnerung an die Vietnamveteranen, das 1982 von Maya Lin in Washington erreichtet wurde. Diese in Stein gemeißelten Namen haben mich sehr beeindruckt. Dann, nach den Anschlägen vom 11. September 2001, war ich erschüttert angesichts all dieser Blätter, die überall in New York, wo ich lebte, mit dem Wort „Missing“ und den Namen der Vermissten hingen. Später, im Jahr 2004, ließ meine Mutter in Châteaumeillant, im Cher, eine Gedenktafel anbringen, um den Gerechten im Dorf zu danken, die während der Besetzung ihre Familie und andere versteckt hatten. Ich habe dann mehrere Anläufe unternommen, Fotos von Tafeln unserer Hauptstadt zu machen, die alle im Sand verliefen ... Erst vor fünf Jahren habe ich das Projekt ernsthaft wieder aufgegriffen, indem ich es in das Programm meines Studios aufnahm.

Das Fotografieren aller Pariser Tafeln aus den Jahren 1939-1945 - etwa 1.500 - erfordert eine lange Bestandsaufnahme. Wie sind Sie vorgegangen?

Es mag überraschend erscheinen, es gibt tatsächlich keine umfassende Datenbank. Es war daher notwendig, durch die Zusammenstellung der verschiedenen Teillisten und sonstigen Angaben, die hier und da vorhanden waren - bei der Direktion für kulturelle Angelegenheiten der Stadt Paris, im Archiv der Gedenkstätte der Shoah, auf Internetseiten, in Büchern - zusammen mit all denen, die wir auf unseren Stadtwanderungen entdeckt haben, zunächst die Tafeln der Zeit von 1939 bis 1945 aufzulisten. Diese Erhebungsarbeiten wurden nicht „vorgelagert“, sondern während des gesamten Prozesses durchgeführt. Während wir die Aufnahmen machten, stießen wir immer wieder auf neue Tafeln: Manchmal hatten wir den Eindruck, dass es niemals enden würde! Und natürlich mussten wir diejenigen berücksichtigen, die während der Gestaltung des Buches angebracht wurden, und die wir oft nur durch Zufall entdeckten.

Hat sich bei Ihrer Herangehensweise das Thema der Übermittlung von Erinnerung durchgesetzt?

Es hat sich nicht durchgesetzt, aber es ist eine unbestreitbare Komponente. Indem wir all diese in der Stadt verstreuten Spuren zusammengestellt und aus nächster Nähe gezeigt haben, an denen wir sonst vorbeilaufen, ohne sie wahrzunehmen, lädt das Bucht sicherlich dazu ein, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Und mein Ansatz ist auch, wie oben erwähnt, eine Übermittlung meiner Familienerinnerung.

Sie sind Grafikdesigner und haben besondere Sorgfalt auf dieses schöne Werk" verwendet. War der künstlerische Aspekt ausschlaggebend für die Realisierung?

Dieses Buch ist kein Geschichtsbuch, sondern ein Kunstbuch. Es wurde als Designobjekt konzipiert, mit seinem bildlosen Deckel, den vertieften Buchstaben, als wären sie eingraviert, mit den blauen und roten Deckblättern, die zusammen mit dem weißen Schnitt der restlichen Seiten die Tricolore bilden, bis hin zur Auswahl der für das Layout verwendeten Schriftarten. Das schlicht gehaltene Layout unterstreicht die Schönheit und die grafische Vielfalt der Tafeln. Das Buch beginnt und endet mit Nahaufnahmen: als würden wir die Tafeln mit einer Lupe betrachten, um das Handwerk hervorzuheben. Das Buch möchte die unerkannte Schönheit dieses typografischen Ensembles in der Stadt enthüllen.

Warum haben Sie sich für den Titel Enfants de Parisentschieden?

Der poetische Titel erinnert an Marcel Carnés Film Les Enfants du Paradis, der während der Besatzung gedreht wurde und dessen Geschichte in einer Paris Kulisse spielt, die vom jüdischen Dekorateur Alexandre Trauner im Verborgenen rekonstruiert wurde. Es erinnert auch an den republikanischen Ausdruck „Enfants de la Patrie“ (Kinder des Vaterlands), der unsere Nationalhymne eröffnet und schließlich würdigt es die Erinnerung an die jungen Menschen, die ihren Einsatz mit ihrem Leben bezahlt haben (Widerstandskämpfer, Soldaten, Gerechte ...) oder verhaftet und deportiert wurden, weil sie jüdischer Abstammung waren.


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Enfants de Paris, 1939-1945, Philippe Apeloig, éditions Gallimard.

https://apeloig.com/

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