Verdun : les évolutions de la mémoire d'une bataille symbolique

Gefallenenehrenmal von Péronne (Somme)
Corps 1
Verdun : die Entwicklung der Erinnerung an eine symbolische Schlacht Bestimmte Namen allein genügen, um die Erinnerung an einen Krieg zu wecken. Verdun ist einer davon. Er erinnert an den Willen und den Mut aller Soldaten. Er erinnert an den Schmutz und die Ratten aller Schützengräben, an den ohrenbetäubenden Lärm aller Maschinengewehre. Er spricht von all den zerfetzten Körpern und von den Toten. Die Erinnerung an diese Schlacht spricht von allen anderen Schlachten. Und sie macht mit der Zeit eine Entwicklung durch.
Corps 2


Die Schlacht von Verdun nimmt einen besonderen Platz in der nationalen Erinnerung ein. Zur damaligen Zeit war es eine paradoxe Schlacht des Ersten Weltkriegs. Männerbrüste widerstanden dem "Stahlgewitter" (1) der Artillerie in einer untypischen Kriegslandschaft, in der die Schützengräben von der Kraft des Feuers eingeebnet wurden. Die Schlacht wurde als Symbol für den Angriff auf den gesamten nationalen Boden empfunden. Aber zur gleichen Zeit begann die Moral der Soldaten zu sinken, gerade als die militärische Lage anfing, besser zu werden. Der Krieg von 1914-1918 war nicht "la der des der", der allerletzte aller Kriege; die Staaten kämpften weiter gegeneinander, und die schrecklichen Verletzungen, die folgten, wirkten sich auf die Erinnerung aus, die heute, in dem Moment, in dem die letzten Poilus verschwinden, eine neue Entwicklung durchmacht. Nach dem Krieg konzentriert sich die nationale Erinnerung zunächst auf Verdun. Mit dem System des Schöpfrads sind viele französische Einheiten in die Flammen geschickt worden. Mit ihrer langen Dauer - über 300 Tage, ohne die Kämpfe von 1917 mitzurechnen, hat die Schlacht alle Erinnerungen der Franzosen geprägt. Was hinter der Front geschah, war für Verdun außerordentlich wichtig. Auf der Voie Sacrée zwischen Bar-le-Duc und Verdun verkehrten jeden Tag Tausende von Fahrzeugen, die 2 500 Tonnen Lebensmittel, 2 000 Tonnen Munition und 20 000 Männer transportierten. Die Einheiten der "Lunge von Verdun" haben so auch die geleistete Kraftanstrengung in Erinnerung. Fast jede Familie hatte die Trauer um einen Gefallenen oder einen Verwundeten zu tragen. Aber das "On les aura" (Wir kriegen sie schon) von Pétain erklingt noch laut hörbar in diesem Land.

Sofort nach Kriegsende widmen sich Menschen der Aufgabe, aus Verdun eine nationale Gedenkstätte von besonderer Bedeutung zu machen. Mgr Ginisty, Erzbischof von Verdun, dem das Ossuarium von Douaumont soviel zu verdanken hat, ist einer von ihnen. Ein "Erinnerungstourismus" (Wallfahrten zu den Orten der Kämpfe und zu den Gräbern) entwickelt sich spontan in den Jahren, die auf das Ende des Krieges folgen, und lässt ebenso schnell wieder nach. Dagegen sind die ersten großen amtlichen Demonstrationen ein wichtiges Studienfeld für das Verständnis und die Bedeutung der Gedenkfeiern. Es ist z.B. interessant, sich etwas näher mit den alle zehn Jahre wiederkehrenden Gedenkfeiern zu befassen.

Die Feier von 1926 ist besonders wichtig: sie findet im Beisein der großen, noch lebenden Führer des Krieges statt und setzt das Ritual für die Erinnerungsfeierlichkeiten fest, das sich später kaum noch verändert. 1936 leidet die Feier unter den politischen Verhältnissen. Die innerfranzösischen Kämpfe im Moment der Machtergreifung der Volksfront spalten die ehemaligen Frontsoldaten. Nachdem Hitler an die Macht gekommen ist, wird die Gedenkfeier für die ehemaligen deutschen Frontsoldaten zu einem Instrument pazifistischer Propaganda, was sich auch auf Frankreich überträgt. 1946 ist die Erinnerung an die Schlacht ziemlich gestört. Die Sterne von Marschall Pétain sind durch seine Politik der Kollaboration während des Zweiten Weltkriegs verblasst, und es wird schwierig, über seinen Platz und seine Rolle in der Schlacht von 1916 zu sprechen. 1956 entsteht durch den Algerienkrieg Unruhe - auch wenn er damals noch als Operation zur Erhaltung der Ordnung bezeichnet wird: Frankreich kann nicht die Schlacht von Verdun feiern, ohne die Dinge zu berücksichtigen, die sich auf der anderen Seite des Mittelmeers abspielen. 1966 ist durch einen Bruch in vieler Beziehung gekennzeichnet. Aus vielerlei Gründen wird das Gedenken wieder lebendig: ein fünfzigjähriger Gedenktag hat immer eine besondere Bedeutung; die französische Gemeinschaft ist etwas beruhigt; General de Gaulle, zu dieser Zeit Präsident der Republik, hat selbst in Verdun gekämpft und teilt zahlreiche Werte mit der Welt der Soldaten; es gibt noch viele Überlebende der Schlacht, die den Feierlichkeiten einen stark emotionalen Anstrich verleihen. In diesem Moment entsteht im Übrigen in Maurice Genevoix und einigen anderen die Idee, die Gedenkstätte von Verdun zu errichten.

Verdun, "Welthauptstadt des Friedens" Die 1967 eröffnete Gedenkstätte gibt Zeugnis von den Leiden der französischen, deutschen und amerikanischen Soldaten im Abschnitt von Verdun. In diesem Jahr 1966 kommt auch das Thema der französisch - deutschen Versöhnung und des Friedens auf, das 1967 durch de Gaulle vertreten wird und das noch heute die wichtigste Leitlinie des Weltzentrums für den Frieden ist. Die Gedenkfeier von 1976 hat keine so große Bedeutung. Mit Valery Giscard d'Estaing ist eine Generation von Politikern an der Macht, die die Schlachten des Ersten Weltkriegs schon nicht mehr erlebt hat. Sie legen mehr Gewicht auf den Zweiten Weltkrieg, während für die Erinnerung ihrer Vorgänger noch der Krieg von 1914-1918 die wichtigere Referenz darstellte. Im Übrigen werden die Zeitzeugen immer weniger, und der Einfluss der ehemaligen Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs nimmt deutlich ab. 1986 erregt die Zeremonie nicht mehr das Aufsehen, das eine zehnjährige Gedenkfeier üblicherweise gehabt hatte. Zwei Jahre vorher, am 22. September 1984, war die Feier, auf der François Mitterrand und Helmut Kohl Hand in Hand die Toten von Verdun ehrten, "das" Ereignis gewesen. Dieser historische Moment zeigt im Übrigen, dass der Präsident der Republik das Gedenken auf eine globale Weise verstanden wissen wollte, indem er den Ersten mit dem Zweiten Weltkrieg verband. Es war in bestimmter Hinsicht eine Antwort auf die Weigerung der Amerikaner, die Deutschen an den Feierlichkeiten des 40. Jahrestages der Landung in der Normandie im Juni 1984 teilnehmen zu lassen. Per Definition liegt die Erinnerung im Bereich der Empfindung und nicht des Verstandes. Ihre Funktion der Sakralisierung stört vielleicht den Historiker, umso mehr, wenn sich Erinnerungen gegenüberstehen, die immer mehr Gemeinschaftsbesitz geworden sind.

Der Historiker will das Ereignis nicht aus der Sicht der derzeitigen Gesellschaft erklären, sondern mit dem Maß der Epoche, in der die Fakten angesiedelt sind. Heute hat sich die nationale Erinnerung an Verdun weiter entwickelt. Der Tod der letzten Poilus lässt den Ersten Weltkrieg aus der Gegenwart heraustreten. Eine Verschiebung der Erinnerung findet unter unseren Augen statt. Sie wird in der kollektiven und familiären Erinnerung an verschiedenen Stellen neu verankert. Seit etwa zwanzig Jahren haben sich die Inhalte der Schulbücher geändert. Der Platz der Beschreibung der Schlacht von Verdun hat sich verkleinert, die Schlacht an der Somme wurde neu bewertet, auf Grund intellektueller Moden und dank des Faktums, dass sie europäischer und infolgedessen emblematischer erscheint als die Schlacht von Verdun, die von einigen vielleicht als zu innerfranzösisch eingeschätzt wird. Anhand der Schulbücher ist die in der Schule gelehrte Geschichte am Aufbau einer kollektiven Erinnerung beteiligt.

Aber die Weitergabe des Wissens (Daten und Rhythmus der Schlacht, Bedeutung der berühmten oder anonymen Beteiligten) ist begleitet von einer Pädagogik auf der Basis der Interaktivität und der persönlichen Forschungen der Schüler. Die Teilnahme der Schüler an den Erinnerungsfeiern ist ein Beispiel dafür. Dies ist eine Art, wie unter einem anderen Blickwinkel die Arbeit des Historikers weiter geführt werden kann. Allerdings unter der Bedingung, dass die "Gesamtheit der Erinnerung" nicht wichtiger wird als die Geschichte und die Kenntnis der Ereignisse.

Durch die Lehren, die man aus der Hölle von dreihundert Tagen und dreihundert Nächten der Schlacht von 1916 gezogen hat, kann Verdun heute den Titel der "Welthauptstadt des Friedens" beanspruchen. Zu diesem Zweck muss der Lehrer die Lehrbücher durch viele präzise Kenntnisse ergänzen. Ein kürzlich gehaltenes Kolloquium (2) erinnert daran, dass die Schlacht von Verdun zur Zeit der Ereignisse eine große Auswirkung in einer großen Zahl von Ländern gehabt hat. Es hat auch gezeigt, dass die Erinnerung an diese Schlacht verschiedene Formen angenommen hat, von denen einige verschwunden sind und von denen sich andere weiter entwickelt haben. Der "Tourismus" der Schlachtfelder der 1920er Jahre überlebt bis heute in einer anderen Form, in den "Chemins de mémoire", den "Wegen der Erinnerung", aus denen die Verantwortlichen für die Erinnerung, das Erbe und die Archive des Verteidigungsministeriums eine der Hauptachsen ihrer Aktivitäten gemacht haben, in der Form einer Internetseite (3). Die Erinnerung, wie sie 2006 in den Schulbüchern gebildet wird, ist nicht mehr dieselbe wie die von 1986. Sie unterstreicht stärker die Idee des Leidens beider Seiten, des Leidens der deutschen und der französischen Soldaten. Die deutschen Schulbücher "entleeren" immer mehr die Zeremonie Kohl-Mitterrand von 1984, nicht weil sie keine Bedeutung mehr hätte, sondern vielmehr weil sie von nun an völlig integriert ist. Die Erinnerungsfeiern der Zukunft können nicht mehr so aussehen wie die früheren.

Im Übrigen zählt in der französischen Gesellschaft von heute die familiäre und persönliche Erinnerung mehr als die "amtliche". Die Menschen unserer Zeit wollen wissen, wo der Urgroßvater gekämpft hat und wo er gefallen ist. Der enorme Erfolg der Internetseite "Erinnerung der Menschen" (4) zeigt dies deutlich. Dieser Wunsch der Gesellschaft nach einer privaten Beschreibung der Schlacht von Verdun muss bei dem Aufbau einer Erinnerung für die späteren Generationen berücksichtigt werden. Wenn in diesem Sinne weiter gearbeitet wird, wird die Erinnerung an die Schlacht ohne Zweifel lange Zeit ihren Sinn behalten.

Anmerkungen : (1) Ernst Jünger, In Stahlgewittern, 1920 (2) 1916-2006: Verdun in der Sicht der Welt, unter der Leitung von François Cochet. 23. und 24. Februar 2006. Die Protokolle dieses internationalen Kolloquiums erscheinen im Herbst bei 14-18 Éditions (Soteca, 48 /50 boulevard Senard, 92210 Saint-Cloud und Diffusion Belin). (3) www.cheminsdememoire.gouv.fr (4) www.memoiredeshommes.sga.defense.gouv.fr