1963 › 2011: 50 Jahre Auslandsoperationen

Von links nach rechts: Operation „Oryx“ in Somalia. © D. Viola/ECPAD. Operation „Atalante“. © DR/ECPAD. Operation „Harmattan“. © JF. D’Arcangues/ECPAD

Von 1963 bis heute wurden Dutzende Auslandsoperationen durchgeführt, an denen Soldaten aller Armeen, Direktionen und Abteilungen teilnahmen: Landstreitkräfte, Luftstreitkräfte, nationale Marine, streitkräfteüberschreitende Direktionen und Abteilungen sowie die nationale Gendarmerie. Mit den Berichten über gewisse Militäroperationen der letzten Jahrzehnte und den Gründen, die Frankreich veranlasst haben, sich auf diesen Auslandsschauplätzen zu engagieren, lässt sich heute eine echte Geschichte der Opex schreiben.

Corps 1

Die Auslandsoperation, ein kaum genau zu definierender Begriff...

 

Wenn laut Napoleon Bonaparte „die Strategie eines Staates in seiner Geographie liegt“, so ist jene Frankreichs als mächtiges Land mit breiter Öffnung zum Meer berufen, sich sowohl im europäischen Raum als auch im Rest der Welt zu entwickeln. Aus Notwendigkeit oder weil es seinem Ruf als Großmacht Glaubwürdigkeit verleihen will, ist die Überseebeteiligung daher eine Konstante in der Militärgeschichte Frankreichs. Jedoch war sie immer durch die existentielle Notwendigkeit beschränkt, zuerst die Verteidigung der eigenen Grenzen sicherzustellen. Anders gesagt, Frankreich strebt Sicherheit auf dem europäischen Kontinent an - historisch gesehen durch das Gleichgewicht der Kräfte, Dominanz oder Zusammenarbeit - um mehr Handlungsfreiheit zu erlangen und weltweit Gewicht zu haben. Die Erinnerung an diese strategische Konstante ermöglicht es, die Einzigartigkeit der aktuellen Situation hervorzuheben, in der erstmals Aktionen im Ausland vorrangig in der Verteidigungspolitik des Landes wurden.

 

Nachdem sie seit etwa zwei Jahrzehnten in den Vordergrund gerückt sind, drückt die Popularität des Ausdrucks „Auslandsoperation“ diese neue Ausrichtung der operativen Tätigkeit der französischen Streitkräfte aus. Nach und nach hat er sich auf Grund der Verschärfung der Einsätze in den Köpfen als Synonym für „bewaffneter Konflikt“ durchgesetzt und bietet angenehmen Ersatz für die Verwendung des Wortes „Krieg“ selbst. In Zukunft brechen wir „zur Auslandsoperation“ auf, wie man früher „in den Krieg“ oder „an die Front“ aufbrach. Dennoch bezeichnen die Auslandsoperationen eine gleichzeitig vielgestaltige und ältere Realität, die mit einer Verteidigungspolitik zusammenhängt, die zum Zeitpunkt der afrikanischen Unabhängigkeit vor mehr als einem halben Jahrhundert festgelegt wurde und seither ständig aktualisiert wird.

Also, was verstehen wir unter „Auslandsoperationen“? Das geographische Kriterium ist eindeutig erwiesen, aber es reicht nicht für eine Definition aus, da nicht jede militärische Präsenz notwendigerweise in einem operativen Rahmen erfolgt. Tatsächlich umfasst die Bezeichnung Opex eine vielfältige Realität, aus der sich die Grauzone erklären lässt, die diesen Begriff umgibt. So meint Louis Gautier: „Die Auslandsoperationen sind relativ spontan und in großer Zahl entstanden. Das Konzept der Auslandsoperationen ist ein ‚Allerweltskonzept‘. Von der humanitären Maßnahme bis zum Kampf gegen den Terrorismus sind die Auslandsoperationen militärisch verschieden. Sie scheinen hierarchisch schlecht gegliedert und politisch wenig konkret.“ Die Definition einer Auslandsoperation bleibt daher sehr allgemein, auch in den offiziellen Dokumenten, wie dem Bericht von General Bernard Thorette zur Errichtung des Denkmals für die für Frankreich bei Auslandsoperationen gefallenen Soldaten: „Als Auslandsoperation gilt jeder Einsatz der Streitkräfte außerhalb des Hoheitsgebietes (unabhängig davon, ob sie an den Schauplatz entsandt werden oder von französischem Boden aus operieren), in einem Umfeld, das durch vorhandene Bedrohungen oder Risiken gekennzeichnet ist, welche die körperliche Unversehrtheit der Soldaten gefährden könnten.

 

 

... aber ein historisch klar eingeordneter Gegenstand.

 

Wie man sieht, lassen diese Definitionen einen sehr großen Spielraum und geben kaum Hinweise auf die Besonderheit der zeitgenössischen Operationen im Vergleich zu den vielen Formen der früher praktizierten Auslandsinterventionen, vom Expeditionskorps bis zur Kanonenbootpolitik. Mehr als eine spezifische Wirkungsweise definieren das Umfeld und die ursprüngliche Absicht den Platz der Auslandsoperationen in der Geschichte der Streitkräfte. Diese „Zeit der Auslandsoperationen“, die sich von 1963 bis heute erstreckt, zeichnet sich durch die Systematisierung der Militäraktion zur Lösung von Krisen unterschiedlicher Intensität aus. Dieses Engagement begleitet das Wiederaufleben der Afrikapolitik Frankreichs nach der Abrechnung mit der kolonialen Vergangenheit (Unabhängigkeit der schwarzafrikanischen Länder 1960, Bizerta-Krise 1961, Ende des Algerienkriegs 1962). Seit 1963 zeichnet sich eine Militäraktion im Ausland daher durch den bekräftigten Willen zur Stabilisierung oder Vermittlung aus, völlig losgelöst vom Eroberungsgedanken, sei es zur Verteidigung der französischen Interessen oder im Dienste internationaler Einsätze. Sie äußert sich daher in Form der Entsendung von Einheiten, die bereits zuvor stationiert wurden oder vom Mutterland kommen, zu einem bestimmten, punktuellen Mandat, das möglicherweise verlängerbar ist. Diese anfänglich sehr begrenzten Operationen betrafen zuerst nur die Spezialtruppen, die oft auf eine starke koloniale Tradition zurückgingen (Marinetruppen, Fremdenlegion, Fallschirmjäger) und professionelle Teile der Wehrpflichtarmee darstellten. Die Streitkräfte werden infolge der verschwundenen Bedrohung in Europa mit der Wende der 1990er-Jahre in ein Berufsheer umgewandelt und reduzieren ihre Truppenstärke. Nach und nach kommen alle konventionellen Gruppierungen für eine Entsendung in Frage.

 

Die Geschichte der Auslandsoperationen nachzuzeichnen bedeutet daher, parallel zum Bericht der Militäroperationen selbst, einen Anpassungsprozess an die Entwicklung der internationalen Krisen zu verfolgen, durch die sich die französischen Streitkräfte grundlegend geändert haben.

Corps 2

Der französische Begriff des Eingriffs von außen als Ursprung der Auslandsoperationen (1963-1978)

 

Zu Beginn der 1960er-Jahre sollte das Ende des Entkolonialisierungsprozesses Frankreich ermöglichen, sich auf seine militärischen Anstrengungen zur Absicherung des Hoheitsgebiets und Modernisierung seiner Streitkräfte zu konzentrieren, wobei die Bildung der nuklearen Abschreckungsmacht im Vordergrund stand. Folglich wurde am 16. September 1960 beschlossen, die Überseepräsenz des französischen Militärs drastisch zu verringern, um die Garnisonen in Afrika in einem Jahrzehnt auf ein Zehntel und damit auf eine Truppenstärke von 6000 Männern bis 1970 zu reduzieren. Dieser Abzug stellt jedoch eher einen leichten Rückgang als eine echte Zäsur dar, da der französische Rückzug nicht so massiv wie geplant ausfiel. Denn die neuen, unabhängigen afrikanischen Staaten sehen es weiterhin gerne, dass Frankreich zu ihrer Sicherheit beiträgt, während dieses seine Präsenz in Afrika aus verschiedenen Gründen zu einer Konstante seines strategischen Engagements macht (wirtschaftliche Interessen, Überwachung der Seeverbindungswege, Verteidigung des französischsprachigen Raumes). Beim Aufeinandertreffen dieser gegenseitigen Interessen wird das neue Konzept der Überseeintervention im postkolonialen Zeitalter von General de Gaulle in seiner Straßburger Rede vom 23. November 1961 folgendermaßen beschrieben: „In den neuen, an unser Jahrhundert angepassten Formen ist Frankreich wie jeher auch in Übersee präsent und aktiv. Daraus folgt, dass seine Sicherheit, die Hilfe, die es seinen Alliierten schuldet sowie die Mitwirkung, zu der es sich bei seinen Verbündeten verpflichtet hat, in jeder Region der Erde in Frage gestellt werden können. Eine Eingreiftruppe zu Land, Wasser und Luft, die jederzeit und überall handeln kann, ist daher zweifellos notwendig. Das beginnen wir jetzt zu realisieren.

 

Die Militäraktionen der Fünften Republik im Ausland werden daher nach drei Modalitäten neu ausgerichtet, die sie heute noch kennzeichnen: die vorsorgliche Stationierung begrenzter Truppen im Ausland, die Bereitstellung technischer Militärhilfe zur Bildung ausländischer Armeen und die Aufrechterhaltung der Reaktionsfähigkeit bei Krisen. Letztere Aufgabe beruht auf dem französischen Begriff des Eingriffs von außen. Anfänglich sind nur „blitzartige“ Operationen im Rahmen eines Verteidigungsabkommens geplant. Ab 1964 wird daher jede Armee beauftragt, ein Kernteam in ständiger Alarmbereitschaft zu halten, das ohne Vorankündigung für eine Entsendung bereit ist: dies sind die Systeme Guepard (ein Fallschirmjägerregiment), Tarpon (eine Marinegruppe mit Amphibienfahrzeugen) und Rapace (eine Kampf- und  Transportflugzeugeinheit). Streitkräfteüberschreitende Großmanöver werden daher organisiert, um dieses Einsatzkonzept zu validieren. Sie unterstreichen die schnelle Durchführung des Eingreifens auf dem Luftweg im Vergleich zum Seeweg, wo es doch nun weniger um die Mobilisierung eines kompletten Expeditionskorps geht als um die Entwicklung von Mitteln für eine leichte, mehr oder minder sofortige Aktion.

 

Operation „Lamantin“, Mauretanien, 1978. © FX. Roch/ECPAD

 

Die ersten Operationen, die nach diesem Einsatzkonzept durchgeführt wurden, sind „Lamantin“ (Mauretanien, 1977 und 1978) und „Bonite“ (Zaire, 1978). Die Einzigartigkeit der Ersteren besteht darin, dass sie ausschließlich von den in Dakar stationierten Lufteinheiten durchgeführt wurde. Die Frente Polisario fordert damals die Unabhängigkeit der Westsahara und droht mit der Zerstörung Mauretaniens durch Attacken auf die Bahnstrecke für den Transport von Eisen, welches seine einzige Ressource ist. Frankreich entsendet gegen diese ein sehr gestrafftes, aber kraftvolles Kontingent: etwa zehn Jaguar-Jagdbomber, die von Tankflugzeugen, Transportflugzeugen und Seeüberwachungsflugzeugen unterstützt werden. Fünf Mal unterbrechen die Jaguar die gegnerischen motorisierten Kolonnen und fügen ihnen so starke Verluste zu, dass diese ihre Aktion abbrechen und die Frente Polisario an den Verhandlungstisch bringen.

 

Bonite“ seinerseits ist eine spektakuläre Evakuierung von Staatsangehörigen, die gewaltsam in das Zentrum Zaires gebracht wurden. Die katangischen Rebellen besetzen im Mai 1978 die Bergbaustadt Kolwezi im Süden des Landes und nehmen europäische Bewohner als Geiseln. Als Frankreich dies erfährt, beschließt es einzugreifen. Am 17. Mai erhält das 2. Fallschirmjägerregiment der Fremdenlegion den Auftrag, die Stadt zurückzuerobern und die Bevölkerung zu evakuieren. Am 18. wird es nach Kinshasa gebracht und in zwei Wellen, am 19. und 20. Mai über Kolwezi abgesetzt, das es nach heftigen Kämpfen mit fünf Toten und fünfzehn Verletzten in seinen Reihen zurückerobert. Der große Erfolg von „Bonite“ zeigt die Reaktionsschnelligkeit und Flexibilität der französischen Einheiten, die innerhalb von 2 Tagen in eine Entfernung von fast 8.000 km von ihrer Basis entsandt wurden. Bis heute ist diese Art des schnellen Eingreifens mit leichten Truppen, die aber in der Lage sind, eine Kehrtwende in einer gefährlichen Situation vor Ort herbeizuführen, der Archetyp des Eingriffs von außen „auf französische Art“, wie die Operation „Serval“ (Mali, 2013) wieder eindrucksvoll bewies.

Operation „Limousin“, Tschad, 1970. © RP. Bonnet/ECPAD

 

Jedoch finden in den 1970er Jahren auch größere Entsendungen statt, welche die Grenzen des ursprünglichen Konzepts aufzeigen. So müssen zur Verteidigung des Tschad gegen die chronischen Aufstände lange, wiederholte Operationen durchgeführt werden, wie „Limousin“ 1969-1971 und „Tacaud“ 1978-1980. Die letztgenannte Operation markiert überdies eine Wende durch ihren ausdrücklichen streitkräfteüberschreitenden Charakter, bei dem die Marine mit ihren Seeüberwachungsflugzeugen Breguet zur Überwachung des Sahararaums beiträgt.

 

Gleichzeitig wird die Fähigkeit der Streitkräfte für Eingriffe von außen auf zweierlei Veranlassung angepasst. Einerseits profitiert sie von der Verstärkung der konventionellen Streitkräfte, die nach dem 3. Loi de programmation militaire (mehrjährigen Verteidigungsfinanzierungsprogramm) (1971-1975) eingesetzt werden, das mit der Reform von General Lagarde 1975 fortgesetzt wird. Ziel ist es, weniger zwischen den „Manövertruppen“ zur Verteidigung der Grenzen gegenüber dem Warschauer Pakt (1. Armee), den „Landesverteidigungstruppen“ zum Schutz der strategischen Einrichtungen (Einheiten von Reservisten und Schulen, Gendarmerie) und den „Eingreiftruppen“ zu unterscheiden. Jedoch bleibt die Entsendung des Kontingents in der Praxis politisch sehr sensibel und nur die 9. Marineinfanteriedivision und die 11. Fallschirmjägerdivision, die weitgehend professionalisiert sind, werden an die Auslandsschauplätze entsendet. Wir werden bis zur Aussetzung der Wehrpflicht, die 1997 angekündigt und 2001 umgesetzt wurde, warten müssen, um das gewünschte Maß an Vielseitigkeit zu erreichen.

 

Andererseits will Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing eine Verteidigung „in allen möglichen Bereichen“ beschließen, oder zumindest eine, die nicht nur gegen den Osten gerichtet ist: „Ich glaube, dass die derzeitigen Gefahren der Welt aus verschiedenen Gebieten der Erde kommen können und unsere Streitkräfte mobil sein müssen.“ So wird der Schwerpunkt der nationalen Marine, der bisher den atlantischen Raum betraf, auf die Achse Mittelmeer-Rotes Meer-Indischer Ozean neu ausgerichtet. Französische Minenjagdboote beteiligen sich von 1974 bis 1978 an der Entminung des Suezkanals und die Unabhängigkeit der Republik Dschibuti wird durch die zweimalige Entsendung der Flugzeugträgerkampfgruppe („Saphir 1“ 1975 und „Saphir 2“ 1977) gewährleistet; Dschibuti wird neben Dakar zu einem der wichtigsten französischen Stützpunkte in Afrika.

 

Zwischen den Jahren 1970 und 1980 überwachen die französischen Streitkräfte die Seewege vor der Küste Afrikas (Golf von Guinea, Rotes Meer und Straße von Mosambik) und greifen punktuell auf dem Kontinent an der Südflanke des Nordatlantikvertrags (NATO) angesichts des zunehmenden sowjetischen Einflusses in Zentralafrika, Äthiopien und Libyen ein. Paris zögert auch nicht, den Hinterhof zu verlassen und seinen Einfluss auf andere Länder seiner früheren Kolonien (Zaire, Burundi, Ruanda, Äquatorialguinea...) auszudehnen.

 

Konvoi auf einer Straße in Sidon, Libanon 1978. © FX. Roch/ECPAD

 

Ein erster Bruch in den durchgeführten Operationen tritt jedoch mit der Teilnahme eines französischen Kontingents an der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (UNIFIL) ab 1978 in einem Umfeld auf, das jenes der folgenden Jahrzehnte auf verschiedene Arten erahnen lässt: ein Bürgerkrieg zwischen vielfältigen Gruppen, eine Aktion unter dem Mandat der UNO, das sehr strenge Einsatzregeln vorschreibt und eine multinationale Truppe, die Einheiten aneinanderreiht, ohne jedoch eine echte Koalition zu bilden. Die französischen Truppen, die bei den afrikanischen Interventionen unterbrochen wurden, befinden sich dort in einer heiklen Lage und der Großteil des französischen Kontingents schifft sich 1979 wieder ein.

 

 

Die Grenzen des französischen Modells des Eingriffs von außen angesichts der Diversifizierung der Krisen (1978-1991)

 

Man hätte glauben können, dass der Impuls für die Eingriffe von außen abgeändert worden wäre, als François Mitterrand an die Macht kam, der „Präsident, der den Krieg nicht mochte“, um den Titel des Buches von Alexandra Schwartzbrod („Le président qui n’aimait pas la guerre“) zu zitieren. Aber im Gegenteil, Präsident Mitterrand zögert nicht, sich auf die Streitkräfte zu stützen, um die internationale Bedeutung Frankreichs zu verteidigen, das ständiges Mitglied des Sicherheitsrates ist, oder die Idee einer Macht Europas zu unterstützen, das Herr über sein Schicksal ist. Dieser Einsatz der Streitkräfte durch Mitterrand beschränkt sich jedoch auf klar definierte Grenzen: die Aktionen werden unter Einhaltung der Rechtmäßigkeit des internationalen Rechts begonnen; ihr Ziel ist die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit; schließlich setzen sie Gewalt in begrenztem Maß ein und dies nur mit den unbedingt notwendigen Mitteln zur Erfüllung ihrer Aufgabe.

 

Während der ersten siebenjährigen Amtszeit von François Mitterrand (1981-1988) engagiert sich Frankreich in neuen friedenserhaltenden Bemühungen im Libanon im Rahmen der multinationalen Sicherheitstruppe. Von 1982 bis 1984 sind 2.000 französische Soldaten in Beirut und werden vom Meer aus durch ein ständiges Marinekontingent bei den „Olifant“-Missionen unterstützt. Dieser Einsatz führt zu einem direkten Zusammenstoß mit der libanesischen Hisbollah, einer islamistischen schiitischen Partei, die von Syrien und vom Iran unterstützt wird und das Selbstmordattentat gegen den Posten Drakkar in Auftrag gegeben hat. Im Vergleich ist der Vergeltungsschlag der Super-Étendard der Luftwaffe der Marine eher symbolisch als effizient. Schließlich verlässt das französische Kontingent am 31. März 1984 ein zweites Mal Beirut. Die französische Bevölkerung hat hierbei das Risiko durch die friedenserhaltenden Missionen und beiläufig die Rolle seiner Streitkräfte auf Auslandsschauplätzen entdeckt.

Operation „Manta“, Tschad, 1983. © B. Dufeutrelle/ECPAD

 

Die Interventionen in Afrika setzen sich auch in der kontinuierlichen Einhaltung der Verteidigungsabkommen fort. Frankreich stört sich besonders an den Ambitionen von Oberst Gaddafi, der versucht, den Einfluss Libyens im Tschad auszudehnen, indem er den Aufstand von Goukouni Oueddei gegen die Regierung von Hissène Habré unterstützt. Zwei Mal kann durch die Entsendung beträchtlicher Truppen von Paris das Manöver vereitelt werden. Bei der Operation „Manta“ (9. August 1983 bis 11. November 1984) werden 3500 Mann im Tschad stationiert und von den Stützpunkten in Bangui und Libreville unterstützt. Ziel ist die Verteidigung der Hauptstadt N’Djamena und die Unterstützung der Nationalen Armee des Tschads (ANT) bei der Rückeroberung des Nordens des Landes. Im Januar 1984 bombardieren die Luftstreitkräfte die Rebellengruppen; sie verlieren dabei einen Jaguar und dessen Piloten, jedoch werden die Aufständischen jenseits der „roten Linie“ am 16. Breitengrad in Schach gehalten. Ein Abkommen über den französisch-libyschen Rückzug ermöglicht den Truppenabzug im Oktober-November 1984 (Operation „Silure“).

 

Bei dieser Gelegenheit wird der Flugzeugträger Foch unauffällig vor der libyschen Küste stationiert, um eine Vergeltungsaktion im Falle der Nichteinhaltung der Vereinbarungen durch Tripolis zu ermöglichen (Operation „Mirmillon“). Eine erneute Offensive Libyens südlich des 16. Breitengrades zwingt Paris jedoch, sich am 16. Februar 1986 neuerlich zu engagieren. Die Operation „Sperber“ macht auf die Luftwaffe und Flugabwehr aufmerksam, denn es geht hauptsächlich um die Ausschaltung der libyschen Luftunterstützung für die Rebellen im Tschad. Daher führen die Luftstreitkräfte einen erfolgreichen Schlag gegen den Stützpunkt Ouadi Doum durch und die Zerstörung eines libyschen Tupolew-Bombers durch ein Hawk-Flugabwehrraketensystem erweist sich als abschreckend. Nachdem sie von jeder Bedrohung aus der Luft befreit war, gewinnt die Nationale Armee des Tschads am Boden das, was man den „Toyota-Krieg“ nennen sollte, indem sie die herkömmliche „Rezzou“-Praxis der Sahara (schneller Angriff auf dem Feindesgebiet) durch Anbringen von Milan-Panzerabwehrraketen auf einfachen Pick-ups modernisierte. Ein Waffenstillstand wird im September unterzeichnet, aber das „Sperber“-Kontingent wird nur verringert, aber nicht entfernt, da die Verteidigung des Tschad für die Afrikapolitik Frankreichs von besonderer Bedeutung ist. Als wichtiger Zwischenstopp für Flugverbindungen nach Äquatorialafrika oder in den Indischen Ozean reiht sich N’Djamena mit Dakar, Bangui und Libreville in ein Netz von Stützpunkten ein, die sich gemeinsam unterstützen. Die ständigen Anstrengungen und schweren Mittel, die im Tschad eingesetzt werden, geben bereits einen Vorgeschmack auf die Neuausrichtung der französischen Verteidigungspolitik der Auslandsoperationen im folgenden Jahrzehnt.

 

Operation „Sperber“, Tschad, 1986. © P. George/ECPAD

 

1987-1988 führt die Flotte ihre spektakulärste diplomatische Marinemission durch, die Operation „Prométhée“. Im Zusammenhang mit einer Krise, die zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Paris und Teheran führt, wird der Flugzeugträger Clemenceau im Golf von Oman stationiert, um den Iran davon abzubringen, gegen die französischen Interessen vorzugehen und um die Seewege im Persischen Golf zu schützen. Die Bedeutung, die Präsident Mitterrand dieser Machtdemonstration beimaß, zeigte sich in einem langen Fernsehinterview, das er auf der Gangway des Flugzeugträgers während der Mission gab; dies ist ein einzigartiger Fall der Nutzung der militärischen Symbolik durch die Exekutivgewalt, die bis heute in der Geschichte der Auslandsoperationen einmalig blieb.

 

Der Zeitraum zwischen 1978 und 1990 kann auch als Ende des klassischen Modells des Eingriffs von außen unter der Fünften Republik betrachtet werden. Die Operationen werden, mit Ausnahme jener im Libanon, unter nationalem Mandat durchgeführt, oft im Rahmen eines bilateralen Abkommens. Diese Zeit wertet besonders die Eingreiftruppen auf, die zur Speerspitze der Streitkräfte geworden sind und, im Fall der Landstreitkräfte, zu der am 1. Juli 1984 geschaffenen schnellen Eingreiftruppe (FAR) zusammengefasst wurden. Die FAR, die sowohl den Auftrag hat, auf Auslandsschauplätzen einzugreifen, wie auch in Mitteleuropa, nimmt in einem gewissen Maß die Berufsarmee vorweg, die auf die Bildung von Expeditionskorps ausgerichtet ist.

Dieses Modell, das auf einem moderaten Einsatz des Militärapparats angesichts eines begrenzten Widerstands beruht, wird jedoch durch das Ausmaß des Golfkriegs 1990-1991 in Frage gestellt. Denn dieses Mal geht es um die Entsendung von schweren Mitteln angesichts eines modernen Kampfkorps, dessen Fähigkeiten man damals überschätzt. Die Wehrpflicht erscheint daher als großes Handicap für die Bildung des französischen Kontingents und die mangelnden Kapazitäten zwingen Frankreich, mit alliierter Unterstützung zu kämpfen oder überhaupt nicht an den Kämpfen teilzunehmen, wie im Fall der nationalen Marine.

 

 

Die französischen Streitkräfte vor der Herausforderung, sich an die internationalen Krisen der Zeit nach dem Kalten Krieg anzupassen (1991-1999)

 

Der Golfkrieg, den man nicht erwartete, scheint in erster Linie wie eine Wiederentdeckung des Konflikts mit hoher Intensität in einem Umfeld mit mehreren Streitkräften und Alliierten, eine Situation, die es seit der Suez-Krise nicht gegeben hatte. Die französische Erfahrung in diesem Krieg (vom 2. August 1990 bis 28. Februar 1991) beginnt tatsächlich durch diplomatische Operationen der Marine mit der Entsendung des Flugzeugträgers Clemenceau und der Einführung eines Embargos zu Wasser. Sie setzt sich durch Luftangriffe fort und erlebt schließlich das Eingreifen einer leichten Panzerdivision im irakischen Sand. Sie markiert aus drei Blickwinkeln eine entscheidende Wende für die Auslandsoperationen.

 

Zuerst durch Festlegung eines Entscheidungsprozesses in Krisenzeiten, der sich von den fehlenden ausdrücklichen Regeln abhebt, die bisher vorherrschten. Der Staatspräsident übernimmt in der öffentlichen Meinung klar seine Rolle als Oberbefehlshaber der Streitkräfte durch seine berühmte Formulierung „wir befinden uns in einer Kriegslogik“. Täglich leitet er einen engeren Ausschuss aus Ministern, militärischen Führern und Verwaltungsbeamten. Diese stehen in direktem Kontakt, um die Aktionen zu koordinieren und jede Phase des französischen Einsatzes zu notieren. Der eigene Generalstabschef des Präsidenten, der diesem nahe und dessen Sprecher ist, erhält eine neue Bedeutung und spielt eine Vermittlerrolle, die sich als entscheidend erweisen kann.

 

Die Änderung des geopolitischen Umfelds ist eine zweite Bruchstelle. Der Golfkrieg liegt auf der Trennlinie zwischen zwei strategischen Welten, der des innerstaatlichen Konflikts, der aus dem Kalten Krieg hervorgeht und jener einer neuen strategischen Ordnung, die durch die Macht Amerikas gebündelt wird. Im Namen der nationalen Unabhängigkeit wurden zuerst die Brigade, dann die „Daguet“-Division und ihre Luftunterstützung mit einer Befehlsautonomie in den Irak entsandt, die in der Defensivphase des Konflikts täuschen konnte, die Operation „Wüstenschild“. Die Planung von „Wüstensturm“ ab dem Monat Oktober erfordert jedoch die Eingliederung der französischen Einheiten unter das amerikanische Kommando, da diese sonst von der Schlussoffensive ausgeschlossen gewesen wären. Fortan räumen die französischen Entscheidungsträger ein, dass sie sich ohne Präsenz der Vereinigten Staaten an ihrer Seite nicht mehr in einem großen Konflikt engagieren würden und sich folglich drauf vorbereiten müssten.

 

Schließlich geht dieser Versuch einer größeren Interoperabilität mit unseren Alliierten mit dem Abschluss des streitkräfteüberschreitenden Prozesses einher, der bereits stattfindet. Um verbündet zu sein, müssen sich die Streitkräfte überschneiden... Die Synthese des Erfahrungsaustausches führt zur Bildung neuer, streitkräfteüberschreitender Organe, wie die Délégation aux affaires stratégiques (DAS) (Strategieabteilung), die Direction du renseignement militaire (DRM) (Direktion des militärischen Nachrichtendienstes), das Commandement des opérations spéciales (COS) (Oberkommando für Sondereinsätze), das Centre opérationnel interarmées (COIA) (streitkräfteüberschreitende Einsatzzentrale) und der État-major interarmées de planification opérationnelle (EMIA-PO) (streitkräfteüberschreitender Stab für operative Planung), wobei die beiden Letzteren später zum aktuellen Centre de planification et de conduite des opérations (CPCO) (Planungs- und Führungszentrum der Operationen) zusammengelegt wurden.

 

So ist die Truppenentsendung mit dem Weißbuch ab 1994 keine Randerscheinung mehr, sondern wird zum neuen strategischen Ziel der französischen Streitkräfte. Tatsächlich verzeichnet das Jahrzehnt ab 1990 eine Vervielfachung der Einsätze und eine Diversifizierung der Mandate, was die Verwendung des Sammelbegriffs „Auslandsoperationen“ zu ihrer Beschreibung rechtfertigt, da ihr einziger gemeinsamer Nenner oft ihr überseeischer Charakter ist. Die Diversität der Mandate, unter denen die französischen Streitkräfte operieren, zeigt sich auch in der Suche nach einem entsprechenden Rahmen für die Gestaltung der internationalen Sicherheitspolitik.

 

An erster Stelle steht die Fortsetzung der Operationen zugunsten der afrikanischen Verbündeten. Afrika versinkt damals in wirtschaftlichen, politischen oder ökologischen Krisen, welche, manchmal mehrmals, humanitäre Operationen oder die Evakuierung von Staatsangehörigen erfordern. Sie veranlassen Frankreich, sich stark für die Bildung afrikanischer Streitkräfte einzusetzen, indem sie das RECAMP-System (Verstärkung der Militärkräfte der afrikanischen Länder) entwerfen. Die nationale Marine beteiligt sich auch an diesen Bemühungen der militärischen Zusammenarbeit mit den afrikanischen Ländern im Rahmen der „Corymbe“-Missionen, welche die ständige Stationierung eines Schiffes im Golf von Guinea sicherstellen.

 

Kambodscha, 1992. © M. Riehl/ECPAD

 

Auf internationaler Ebene werden zuerst die Operationen unter dem Mandat der UNO bevorzugt: Unterstützung der Friedensmission in Kambodscha (UNTAC, 1992), humanitäre Hilfe in Somalia („Oryx“, 1993) und Ruanda, wo die Operation „Türkis“ (Juni-August 1994) die französischen Soldaten mit der schrecklichen Realität des ruandischen Genozids konfrontiert. Die markanteste Auslandsoperation dieses Jahrzehnts ist jedoch der Einsatz der UNPROFOR zur Friedenserhaltung in Jugoslawien (1992-1995). Auf militärischer Ebene ist das Personal durch die schlechte Definition des Mandats und die unklaren Bedingungen für den Einsatz von Gewalt verunsichert, so dass es zwischen der Empathie angesichts der unter dem Krieg leidenden Bevölkerung und der fehlenden operativen Entschlossenheit zur Beendigung dieser Situation hin und her gerissen ist. Die Wiedereinnahme der Vrbanja-Brücke am 27. Mai 1995 zeigt jedoch den intakten Kampfwert der französischen Soldaten und ermöglicht die Befreiung mehrerer als Geiseln genommener Kameraden. Jedoch kann dieser symbolische Vorstoß nicht das schmähliche Scheitern der UNPROFOR verbergen.

 

Diese Situation führt schließlich zur Anerkennung der amerikanischen Führungsrolle und Erneuerung des strategischen Konzepts der NATO im März 1999. Die Verteidigungsallianz in Europa wird zu einer militärischen Organisation zur Kontrolle von Krisen größeren Ausmaßes. Gleichzeitig wird der Rahmen der humanitären Maßnahme durch den Begriff des Rechts auf Einmischung neu definiert, das, obwohl es politisch umstritten ist, eine größere Freiheit für militärische Aktionen bei Krisen erlaubt: die „Friedenserhaltung“ wird somit durch die „Friedensstiftung“ ersetzt. Der Kosovo-Krieg ist das Prüffeld für diese neue, „härtere“ Interventionspolitik, die sich in Form von Luftangriffen äußert, der Operation „Allied Force“.

 

Am 3. Juni stimmt Belgrad schließlich dem Abzug seiner Truppen aus dem Kosovo und der Besetzung dieser Provinz durch die NATO-Truppen (die KFOR) zu. Mit 101 Geräten der Luftstreitkräfte und der Marine stellte Frankreich das zweitgrößte Kontingent der Koalition und die Farben der Trikolore beteiligten sich Tag und Nacht an allen Missionen. Dieser Konflikt zeigt die Anpassungsfähigkeit der Streitkräfte an das neue operative Modell, das nach dem Golfkrieg vorweggenommen wurde und sich durch offensive Operationen hoher Intensität, die im Rahmen einer Koalition durchgeführt werden, auszeichnet. Dies ist umso bemerkenswerter, als die neue Waffengeneration (Rafale, Scalp-Marschflugkörper, atomgetriebene Flugzeugträger) noch nicht in Betrieb war und die Verteidigungsmittel mitten im Umbau zwischen den Reformen nach dem Golfkrieg und der erwarteten Professionalisierung steckten. Die von Präsident Jacques Chirac im Oktober 1997 angekündigte Aussetzung der Wehrpflicht sollte im Juni 2001 in Kraft treten.

 

 

Die Auslandsoperationen als einziges operatives Ziel der Streitkräfte (2000-2011)?

 

Zur Jahrtausendwende erlauben das nachhaltige Fehlen der kontinentalen Bedrohung und die Professionalisierung der Truppen die Ausweitung der Auslandsoperationen, die eine der drei wesentlichen Aufgaben der französischen Streitkräfte wurden, neben dem Schutz des Hoheitsgebietes und der Bevölkerung sowie der atomaren Abschreckung. Die Einheiten werden vielseitiger und die frühere Unterscheidung zwischen Truppen im Mutterland und Überseetruppen verschwindet. In dieser Zeit lässt sich sagen, dass die gesamte französische Armee zu einem Expeditionskorps wird, das laut den Zielen des Weißbuchs von 2008 innerhalb von sechs Monaten 30.000 Mann entsenden kann. In der Praxis liegt die jährlich entsandte Truppenstärke zwischen den Jahren 2000 und 2015 zwischen 14500 Mann (im Jahr 2000) und 8000 Mann (im Jahr 2015), jedoch für zunehmend längere Operationen.

 

Einem sich bereits abzeichnenden Trend folgend reihen sich die Auslandsoperationen aneinander oder überlagern sich, so dass gleichzeitig Entsendungen an wohlbekannte Schauplätze (Elfenbeinküste, 2004; Tschad, 2008), völlig neue Schauplätze (Afghanistan, 2002-2013) und durch neue Sicherheitsbedrohungen, wie den Kampf gegen die Piraterie, stattfinden.

 

Operation „Einhorn“, Elfenbeinküste, 2011. © S. Dupont/ECPAD

 

 Die Operation „Einhorn“, die über lange Zeit in der Elfenbeinküste durchgeführt wird, um sich zwischen die zwei Gruppen zu stellen, die sich um das Land streiten, ist von zwei besonders harten Phasen geprägt. Zuerst im November 2004, nachdem ein Luftangriff der Regierung neun Tote unter den Soldaten des Lagers Booaké gefordert hat; Paris antwortet darauf mit der Zerstörung der Luftstreitkräfte der Elfenbeinküste am Boden. Dann im März-April 2011, als die Einhorntruppen in Abidjan eingreifen, um zwölftausend französische Staatsangehörige vor Ort zu schützen und das Ergebnis der von der UNO und der Afrikanischen Union anerkannten Wahlen durchzusetzen.

 

Zweifelsohne ist es aber die Erfahrung in Afghanistan, die die Soldaten dieser Generation am meisten geprägt hat, insbesondere nach der Aufstockung des französischen Kontingents und der Berücksichtigung eines besonderen Zuständigkeitsbereichs, der Provinz Kapisa (2008-2012). Die Wiederentdeckung der Aufstandsbekämpfung - mit der zivil-militärischen Zusammenarbeit innerhalb der Bevölkerung, die sie kennzeichnet - sowie eine gewisse Verharmlosung der Kampfhandlungen sind die wichtigsten Merkmale dieses afghanischen Erbes. Dies führt zu einer gewissen Abhärtung, die mit dem Preis des Blutes bezahlt wird: mit 10 gefallenen französischen Soldaten sowie ihrem afghanischen Übersetzer und 21 Verletzten sind die Verluste durch den Hinterhalt im Usbin-Tal am 18. August 2008 die schwersten durch eine einzige Aktion seit dem Attentat von Drakkar, fünfundzwanzig Jahre zuvor. Sie lösen große Debatten über die Einsatzbedingungen und das operative Niveau der französischen Truppen aus, jedoch nicht, das ist festzuhalten, über die Richtigkeit der Operation selbst.

 

Operation „Atalante“ 2009. © DR/ECPAD

 

Gleichzeitig stehen die Marinesoldaten einer versteckteren, jedoch gleichermaßen relevanten Sicherheitsbedrohung gegenüber: dem Wiederaufleben der Piraterie, insbesondere vor den Küsten am Horn von Afrika. Seit 2008 beteiligen sie sich an der Antipiraterie-Kampagne der Europäischen Union EUNAVFOR im Indischen Ozean, oder „Atalante“, wie sie in Frankreich genannt wird. Sie besteht aus der Sicherung der Seewege und Eskortierung der Schiffe des Welternährungsprogramms. Zwei Mal zeichnen sich die französischen Schiffe aus, indem sie Freizeitskipper befreien, die von den somalischen Piraten als Geiseln genommen wurden (Unternehmung der „Ponant“ und „Carré d’as“ im Jahr 2008).

 

Operation „Harmattan“, Libyen, 2011. © JY. Desbourdes/ECPAD

 

Die seither erfolgten Auslandsoperationen bestätigen die Erhöhung des operativen Niveaus der französischen Streitkräfte, insbesondere die Operation „Harmattan“ gegen Libyen im Jahr 2011. Infolge der Volksaufstände, welche die arabische Welt im Dezember 2010 erschüttern (der „Arabische Frühling“), wird die Macht von Oberst Gaddafi ab Februar 2011 angegriffen, insbesondere in Kyrenaika, einer traditionell widerspenstigen Provinz gegen die Zentralmacht in Tripolis. Während die ersten Aktionen Frankreichs die humanitäre Hilfe und das Krisenmanagement betreffen, wird die Lage ab März unkontrollierbar. Gestützt auf die zwei Tage zuvor angenommene Resolution 1973 der Vereinten Nationen engagiert sich Frankreich am 19. März offensiv im libyschen Bürgerkrieg und führt einen Luftschlag gegen die Selbstfahrlafetten durch, die Bengasi bedrohen. Dieser sieben Stunden dauernde Luftangriff, der direkt von der Luftwaffenbasis 113 Saint-Dizier aus geleitet wird, gibt den Anstoß für die Operation „Harmattan“.

 

Ungewohnterweise wird er hauptsächlich von Frankreich und Großbritannien unter NATO-Befehl durchgeführt, aber mit einer einfachen amerikanischen Unterstützung, welche die Absicht Washingtons zeigt, sich nach einem Jahrzehnt harter Kämpfe in Afghanistan und im Irak von den Auslandsinterventionen zurückzuziehen. Der massive Beschuss mit amerikanischen und britischen Marschflugkörpern, die in der Nacht von 19. auf 20. März abgefeuert werden, erweist sich als nicht weniger entscheidend bei der Neutralisierung der libyschen Luftabwehr. Später lassen sich drei ungleiche Phasen der Operation beobachten: die anfängliche Phase der Einhalt gebietenden Schläge bis 31. März; dann eine lange Zermürbungsphase, die in die Einnahme von Tripolis durch die Aufständischen am 27. August mündete; und schließlich die Verringerung der letzten loyalen Widerstandsnester. Der Tod von Oberst Gaddafi am 20. Oktober bedeutet das Ende der Kampagne und den Sturz des Regimes, eröffnet aber den Beginn einer neuen Phase der Instabilität, unter der Libyen nach wie vor leidet. In jeder dieser Phasen zeichnen sich die französischen Streitkräfte durch ihr Engagement bei der Aktion aus. Zuerst durch die Luftschläge, die von Korsika oder vom Flugzeugträger Charles de Gaulle aus durchgeführt werden, der sich am nächsten, etwa 100 bis 200 km von der Küste entfernt, befindet. Dann durch taktische Kühnheit, die von der Wiederentdeckung des Beschusses von Land durch die Marine (3.000 Kanonenschüsse) bis zur bemerkenswerten Demonstration der Luftkampffähigkeiten durch die Helikopter der Leichtaviatik der Landstreitkräfte von den Führungsschiffen der Flotte aus reicht. Schlussendlich haben die französischen Truppen 28 % der Einsätze der Koalition, jedoch 35 % der Offensiveinsätze durchgeführt. Natürlich begünstigten die libysche Geographie und der relativ schwache militärische Wert des Gegners diese Machtdemonstration der entsandten Truppen, aber dennoch scheint „Harmattan“ die Kapazitätsfortschritte der einzelnen französischen Streitkräfte und ihre erfolgreiche Integrationsfähigkeit in ein Gesamtkonzept unter Beweis zu stellen.

 

 

Welchen Blick soll man auf fünfzig Jahre Auslandsoperationen richten?

 

Für die Streitkräfte fasst die Geschichte der Auslandsoperationen ihre operative Bilanz aus fünfzig Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit entwickelt sich die Truppenentsendung von einer sekundären Rolle, auf die sich bestimmte Einheiten spezialisiert haben, zu einer zentralen Aufgabe, die das echte Herzstück der Streitkräfte bildet, um das sich der gesamte Militärapparat neu formiert, ausgenommen die atomare Abschreckung. Die Auslandsoperationen haben so zur Bildung neuer, großer Einheiten geführt, dann die Professionalisierung gerechtfertigt und schließlich die gesamte Landesverteidigung, das Allgemeine Sekretariat für Verwaltung (SGA) eingeschlossen, zu ihren Gunsten für rechtliche, finanzielle, personelle und schlussendlich Fragen des Gedenkens eingesetzt.

 

Daraus ergibt sich eine große Anpassung der drei Streitkräfte an diese Aufgabe, eine Steigerung der Entsendekapazitäten hinsichtlich der Streitmacht oder Leistung, die zu echten taktischen und operativen Erfolgen führt (Libyen 2011, Mali 2013). So hat die Operation „Serval“ nicht nur schmeichelhafte Kommentare von der anderen Seite des Atlantiks hervorgerufen, sondern auch eine Debatte rund um die Schlüsse, welche die US Army aus dem französischen „leichten“ und „rustikalen“ Modell ziehen kann. Auch wenn dieses „Modell“ oft aus reiner Notwendigkeit besteht, ist es interessant festzustellen, dass Frankreich dadurch als eine der wenigen Mächte bekannt ist, die in der Lage ist, selbstständig einzugreifen, um den Verlauf eines weit entfernten Konflikts zu beeinflussen.

Dennoch ist diese Anpassung nicht ohne Spannungen vonstatten gegangen. Zunächst, weil sie mit einer Reduzierung der Truppenstärke einhergeht, wodurch die Belastung durch die Auslandsoperationen mit der Gefahr einer „operativen Überhitzung“ stärker wird. Dann vom finanziellen Gesichtspunkt aus, denn die Kosten der Auslandsoperationen werden vom ursprünglichen Haushaltsgesetz systematisch unterschätzt, obwohl es schnell steigt (durchschnittlich 723 Millionen Euro zwischen 2002 und 2005 gegenüber 1,1 Milliarden Euro zwischen 2013 und 2015 sowie 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2016); dieser fehlende Budget-Realismus, der regelmäßig vom Rechnungshof bemängelt wird, äußert sich in einer Aufteilung der Belastung auf alle Ministerien. Schließlich, weil sich der den Auslandsoperationen eingeräumte Vorrang tatsächlich häufig durch eine starke Aufmerksamkeit für die laufenden Operationen äußert, was eine kurzfristige Sicht zulasten einer zukunftsorientierten Forschung oder mittel- bzw. langfristigen Strategie begünstigt. Daraus ergibt sich eine abweichende Bedeutung, zum Beispiel für den Krieg zur Aufstandsbekämpfung, der durch die Entsendung nach Afghanistan ausgelöst wurde.

 

Lässt sich also schon von einer Abweichung der Expedition sprechen? Die Frage ließe vermuten, dass man in der Lage sei, die durch diese Politik erzielte strategische Wirkung zu beurteilen und die Meinung der Bürger zu diesem Thema zu kennen. Nun lassen sich die Auswirkungen der Auslandsexpeditionen auf die Verbindung zwischen den Streitkräften und der Nation nur schwer festmachen. Da der Schutz des Hoheitsgebietes und der Bevölkerung die offensichtlichste Daseinsberechtigung der Landesverteidigung ist, sind die Auslandsoperationen kein selbstverständlicher Faktor der Legitimität für die Streitkräfte. Das Ende der Wehrpflicht lässt ebenfalls eine Schwächung der Verbindung zwischen den Streitkräften und der Nation befürchten. Wir sind weiterhin weit vom Verdacht eines rechtlichen Abgleitens entfernt, welches ein besonders aktives Berufsheer in der Dritten Republik anklingen ließ... Das Parlament hat überdies seine Kontrollfunktion für die Auslandsoperationen erkannt, die durch die Verfassungsreform vom 23. Juli 2008 mit der Änderung von Artikel 35 der Verfassung verstärkt wurde. Diese verpflichtet die Regierung, ihre Entscheidung zur Entsendung der Streitkräfte spätestens drei Tage nach Beginn der Operation bekannt zu geben und nach vier Monaten eine parlamentarische Genehmigung einzuholen.

 

Pflegetätigkeiten auf der Kinderstation in Cyangugu, Ruanda, 1994. © X. Pellizarri & C. Savriacouty/ECPAD

 

Bemerkenswerterweise scheint sich die teils sehr heftige Kritik am französischen Interventionismus eher auf die zugrundeliegende Politik zu konzentrieren, die als Ursache für die Entscheidung zum Eingreifen vermutet wird (zum Beispiel gegen den französischen „Neokolonialismus“ in Afrika oder gegen die „proamerikanische Haltung“ im Falle von Interventionen unter einem NATO-Mandat), als auf die militärischen Aspekte der Operation selbst. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildete die Operation „Türkis“ in Ruanda, die gleichermaßen schwere wie polemische Vorwürfe in Bezug auf die Gründe für die französische Intervention sowie die Aktion der Soldaten vor Ort hervorrief.

 

Auch wenn der Einsatz als Blauhelme allgemein von vornherein positiv beurteilt wird, werden die Streitkräfte, die schlussendlich vom Scheitern der friedenserhaltenden Operationen den Vereinten Nationen (Jugoslawien, 1992-1995, Somalia, 1993) betroffen sind, genauso wenig verschont. Dennoch hat nur der Golfkrieg 1990-1991 Friedensdemonstrationen hervorgerufen, zweifelsohne, weil der Bevölkerung eine Auseinandersetzung angekündigt worden war, deren vorhersehbare Intensität Erinnerungen an den letzten Weltkrieg wachrief. Diese erste Analyse sollte man durch die Untersuchung der Reaktionen auf die „Schicksalsschläge“ bestätigen, die damals das Attentat von Drakkar, die Geiselnahme der französischen Blauhelme in Ex-Jugoslawien oder der Hinterhalt im Usbin-Tal waren. In letzterem Fall erfolgte eine starke Polemik, die soweit ging, dass die rechtliche Verantwortung der militärischen Führer in Frage gestellt wurde, aber der Grund für die Präsenz der französischen Truppen in Afghanistan wurde nie wirklich angefochten.

 

Es lässt sich daher wahrscheinlich feststellen, dass das Phänomen der Auslandsoperationen auf eine gewisse Art als normaler, regelmäßiger Rahmen des Eingreifens für unsere Streitkräfte akzeptiert wird. Zwei Beobachtungen bestätigen diese Analyse seit 2007, als die verstärkte Intervention in Afghanistan begann. Die erste betrifft das neue Interesse für „brandaktuelle“ Augenzeugenberichte: mehrere Werke erscheinen, die von Journalisten verfasst wurden, oder, was noch aufschlussreicher ist, von Militärangehörigen aller Grade. Diese Werke werden von der Presse verbreitet und die folgenden Operationen (Libyen, Mali) bestätigen diesen Trend.

 

Die erste betrifft eine größere Aufmerksamkeit seitens der zivilen Welt für die Soldaten, die für Frankreich gefallen sind oder im Dienst verwundet wurden. Die Ehrungen, die offiziell im Invalidendom stattfinden, sind auf Initiative der Vereine auch auf der Brücke Pont de l‘Alma anzutreffen. Kriegsinvalide oder Opfer eines posttraumatischen Schocks werden immer mehr zum Gegenstand der Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit sowie die Behörden.

 

Das Wort „Krieg“, das lange durch den Militärjargon verschleiert wurde - beginnend mit dem Ausdruck Auslandsoperation selbst - erlangt wieder etwas von seinem früheren Glanz. Die Entscheidung, das frühere Collège interarmées de Défense in „École de guerre“ (Kriegsschule) umzubenennen, ist ein deutliches Zeichen dieser Tendenz, und die verantwortlichen Politiker greifen diese neuerlich nach den Attentaten von Paris im Jahr 2015 auf. Zweifelsohne muss man es als Zeichen der Bewusstwerdung sehen, dass die Friedensforschung, die das Ende des Kalten Krieges geprägt hat, nun hinter uns liegt.

 

Dominique Guillemin - Studienrat für Geschichte und Geographie, Doktorand in Geschichte, Service historique de la Défense (Historischer Verteidigungsdienst)

  • Opération "Lamantin", Mauritanie, 1978. © FX. Roch/ECPAD

  • Des soldats du 1er régiment de hussards parachutistes patrouillent aux abords de leur PC, Liban, 1984. © P. Fernandez/ECPAD

  • Le porte-avions Clemenceau. Opération "Salamandre", Djibouti, 1990. © M. Riehl/ECPAD

  • Mission "Oryx", Somalie, 1992. © D. Viola/ECPAD

  • Opération "Trident", Kosovo, 1999. © X. Pellizarri/ECPAD

  • Le colonel Duffour interviewé par RFI, Afghanistan, 2005. © A. Battestini/ECPAD