Henry Frenay

1905-1988
Henry Frenay. Foto Ordre national de la Libération

Henri Frenay wurde am 19. November 1905 in Lyon geboren. Sein Vater war Offizier, dessen beide Söhne ebenfalls. Henri Frenay gehört der Generation an, die den Sieg Frankreichs über Deutschland 1918 feierte und dies von Grund auf hassten. Er besuchte von 1924 bis 1926 die Militärakademie Saint-Cyr, diente von 1926 bis 1929 in Frankreich, wurde 1929 nach Syrien versetzt und kam 1933 wieder nach Frankreich zurück. 1935 machte Henri Frenay eine Bekanntschaft, die sein Leben prägen sollte: Die von Berty Albrecht, einer außergewöhnlichen Frau und großen Figur des Feminismus, die sich stark für die Menschenrechte einsetzte. Sie beteiligte sich an der Betreuung der ersten Flüchtlinge aus dem NS-Deutschland. Durch sie lernte Henri Frenay eine andere Welt und vor allem die wirkliche Bedrohung des Nationalsozialismus kennen, die mehr als eine pangermanistische Schwärmerei war. Wahrscheinlich beschloss er aus diesem Grund, nach dem Besuch der Kriegsakademie von 1937 bis 1938 nach Straßburg zu gehen und dort im gemanistischen Seminar die nationalsozialistische Doktrin und deren Anwendung in Deutschland eingehend zu studieren. Er begriff schnell, dass ein Krieg unvermeidlich sein würde und dass dies ein Zivilisationskrieg sein würde, der wenig mit dem 1. Weltkrieg gemein haben dürfte.

Tief enttäuscht darüber, dass sich die politischen Parteien mit internen Querelen abgaben, wendete sich Frenay fortan dem europäischen Themenbereich zu. In seinen Artikeln in Combat träumte Frenay von einem Europa, das mit sich und mit Deutschland Frieden geschlossen hat. Als Präsident der 1946 gegründeten Union Europäischer Föderalisten unternahm er alles in seiner Macht stehende, um die damaligen Regierungen davon abzubringen, hauptsächlich national zu denken, sondern vielmehr eine einheitliche Währung und eine gemeinsame europäische Wehrmacht zu schaffen. Nach der Rückkehr des Generals de Gaulle an die Macht 1958 begriff Frenay, dass sein Traum nicht verwirklicht werden würde. Er gab alle "staatsbürgerlichen" Tätigkeiten auf und widmete sich der Aufzeichnung seiner Erinnerungen als Widerstandskämpfer. Diese kamen in dem sehr schönen Buch "La Nuit" zum Ausdruck, das 1973 veröffentlicht wurde. Darin befasst er sich u.a. auch mit den Gründen für seine Rivalität mit Jean Moulin. Bis zu seinem Tod 1988 warf er Jean Moulin - eher aus persönlichen Gefühlen als auf der Suche nach der Wahrheit - vor, ein "crypto-communiste" zu sein, der de Gaulle und die Résistance verraten habe. Dies war eine zweifelhafte Anklage und ein Schritt zuviel, den ihm die öffentliche Meinung nicht verzeihte.