Erich Ludendorff

1865-1937
Porträt von General Ludendorff.
Source : L'Illustration - l'album de la guerre 1914-1919

 

Erich Ludendorff entstammt einer Geschäftsfamilie und wurde am 9. April 1865 in Kruszewnia (Provinz Posen, heute Polen) geboren. Von 1877 bis 1882 besucht er das Kadettenkorps von Pl½n und dann die Hauptkadettenschule in Groß-Lichterfelde. Vor seinem Eintritt in die Berliner Kreigsakademie dient er als Leutnant im 57. Infanterieregiment Wessel, als Oberleutnant im 2. Marinebataillon Kiel-Wilhelmshaven und bei den 8. Grenadierern in Frankfurt an der Oder. Nach der Kriegsakademie, die er 1895 als Kapitän verlässt, wird er dem Generalstab zugewiesen und ist dort von 1908 bis 1912 Chef der Aufmarschabteilung. Er entwickelt den Einmarschplan für Frankreich weiter, unter dem Kommando von Schlieffen und Moltke, und ist zeitweise Chef einer Infanteriekompagnie in Thorn, im Stab der 9. Infanteriedivision in Glogau und des 5. Armeekorps in Posen. Er wird 1900 zum Major, 1907 zum Oberstleutnant und 1911 zum Oberst befördert.

Ende 1912 wird er zum 39. Infanterieregiment nach Düsseldorf versetzt. Im April 1914 übernimmt er das Kommando der 85. Infanteriebrigade in Straßburg und führt zahlreiche Generalstabstätigkeiten weiter. Im August 1914 nimmt er die Stelle eines Quartiermeisters in der 2. Armee unter der Befehlshabe von von Bülow ein und übernimmt während des Einmarsches in Belgien einen aktiven Part an der Einnahme Lüttichs. Durch diesen Handstreich wird er am 21. August 1914 zum Chef des Generalstabs der 8. Armee an der Westfront berufen und später, nach der Schlacht von Tannenberg, zum Chef des Generalstabs unter der Oberbefehlshabe von Hindenburg. Nach der Entlassung von Falkenhayn im Sommer 1916 übernimmt Hindenburg mit Ludendorff als ersten Generalquartiermeister die oberste Heeresleitung. Zu seinen Aufgaben zählen Fragen der Intendanz, die Vorbereitung von militärischen Plänen und die Leitung des Aufmarsches. Er ist Anhänger des totalen Krieges und eifriger Verfechter des uneingeschränkten und rücksichtslosen U-Boot-Krieges. Er wiedersetzt sich in dieser Beziehung dem Kanzler Bethmann-Hollweg und erzwingt im Juli 1917 dessen Rücktritt. Er ist ebenfalls maßgeblich an den Friedensverhandlungen von Brest-Litovsk (3. März 1918) beteiligt, die Russland zur Abtretung zahlreicher Gebiete zwingen, darunter Polen, das Baltikum, Finnland und die Ukraine. Seine große Frühjahrsoffensive 1918 an der Westfront kann die deutsche Niederlage trotz heftiger Kämpfe nicht verhindern. Ende September wendet er sich an die Regierung, damit Waffenstillstandsverhandlungen eingeleitet werden. Er zieht dieses Gesuch aber wieder zurück.

Im Oktober 1918 wird er aus dem Dienst entlassen. Er flieht nach Schweden und schiebt die Verantwortung für die Niederlage auf die zivile Regierung. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, im Frühjahr 1919, wird er politisch aktiv, nimmt Verbindungen zu den Nationalsozialisten auf und unterstützt Adolf Hitlers Putschversuch von 1923. Im Mai 1924 als Abgeordneter in den Reichstag gewählt, nimmt er im März 1925 als Kandidat der Nationalsozialisten an der Reichspräsidentenwahl teil, erhält aber nur wenig Stimmen. Hindenburg gewinnt diese Wahl. 1926 gründet Ludendorff seine eigene Partei, den Tannenbergbund. Adolf Hitler möchte ihm 1935 den Würdentitel des Marschalls verleihen, doch Ludendorff schlägt dieses Angebot aus. Neben einer autobiographischen Schrift "Meine Kriegserinnerungen" (1919) ist er Verfasser zahlreicher militärischer Werke und politischer Schriften. Er stirbt am 20. Dezember 1937 in Tutzing, Bayern.