Die Befreiung vor 75 Jahren

Chapeau

Am Ende eines vierjährigen Gedenkzyklus, welcher der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg gewidmet ist, war das Jahr 2019 von Gedenkfeiern im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere dem 75. Jahrestag der Landungen und der Befreiung Frankreichs geprägt.

Feier zum 75. Jahrestag der Kämpfe der Glières am Friedhof von Morette, im Beisein des französischen Staatspräsidenten. 31. März 2019. © Soazig de la Moissonnière/Présidence de la République
Texte

Das Jahr 1944 war ein Jahr des Übergangs, das durch die Ankunft der französischen und alliierten Kräfte über das Meer und aus der Luft, die Kämpfe der Maquis, den außergewöhnlichen Jubel der befreiten Bevölkerung, aber auch durch Dramen geprägt war, wie die Massaker von Tulle, Oradour-sur-Glane und Maillé.

Im Rahmen der Gedenkpolitik, die von der Staatssekretärin der Verteidigungsministerin festgelegt wurde, hat die Direktion für Kulturerbe, Erinnerung und Archive (DPMA) ein Gedenkprogramm ausgearbeitet, das sich auf das Jahr 2019 erstreckt und dem Fortschritt der Befreiung des Landes von Juni bis November 1944 folgt.

Auf der Route der Befreier

Der auf diese Weise festgelegte Zyklus umfasst nationale und internationale Feierlichkeiten, bei denen die Aktion der Widerstandskämpfer im Inneren, der Mut der französischen und alliierten Truppen bei der Landung an den Küsten Frankreichs, aber auch das Leiden der Zivilbevölkerung gewürdigt werden, die unter Bombardierungen oder Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Truppen auf dem Rückzug litt. Am 21. Februar begann diese Gedenksaison mit einer Feier am Mont-Valérien, bei welcher der Exekution von Missak Manouchian und der Gruppe „Affiche rouge“ (Rotes Plakat) gedacht wurde. Diese Gedenkfeier, die von der Staatssekretärin der Verteidigungsministerin geleitet wurde, bot Veteranen armenischer Herkunft einen besonderen Platz sowie Schülern und mehreren Generationen, die zur Würdigung der Mitglieder der Freischützen und Partisanen-Eingewanderten Arbeitskräften (FTP-MOI) zusammengekommen waren. Am 31. März erwies der französische Staatspräsident der Résistance am Friedhof von Morette (Haute-Savoie) zur Erinnerung an die Kämpfe auf dem Plateau der Glières die Ehre.

Am 6. Juni wurde der 75. Jahrestag der Landung in der Normandie gefeiert. Aus diesem Anlass fand gegen Ende des Tages eine internationale Feier unter Vorsitz des Premierministers im Zentrum Juno Beach von Courseulles-sur-Mer (Calvados) statt. Am Vormittag wurde eine nationale Ehrung des Kieffer-Kommandos in Colleville-Montgomery veranstaltet. Diese Gedenkfeier erfolgte unter Vorsitz des Staatschefs im Beisein von Léon Gautier, einem der drei letzten noch lebenden Mitglieder des Kieffer-Kommandos.

Die Würdigung der Résistance folgte am 21. Juli bei den Gedenkfeiern der Kämpfe der Widerstandsgruppe des Vercors, im Beisein der Staatssekretärin am Friedhof von Vassieux-en-Vercors (Drôme). Am 15. August fand die Jubiläumsveranstaltung der Landung in der Provence von 1944 statt. Am Nationalfriedhof von Boulouris (Var) wurde eine nationale Feier unter Vorsitz des französischen Staatspräsidenten im Beisein von zwei ausländischen Staatschefs und mehreren Botschaftern der alliierten Länder abgehalten. Etwa 50 Veteranen, die an der Landung teilgenommen hatten, waren ebenfalls anwesend. Der Zyklus wurde in die Niederlande ausgedehnt, wo die Staatssekretärin am 31. August auf Einladung der königlichen Familie bei den Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung des Landes dabei war.

Die Gedenksaison 2019 endet schließlich im November zur Erinnerung an die Befreiung Straßburgs mit einer Radrallye, die von der 2. BB (Panzerbrigade, Nachfolgerin der 2. DB) zugunsten der Verwundeten der Landstreitkräfte durchgeführt wurde, und mit einer Ausstellung im Palais des Militärgouverneurs von Straßburg, die auf einer Arbeit der DPMA beruht und mit Leihobjekten von den Regimentern der 2. BB ergänzt wurde. Die Gedenkfeiern zur Befreiung der Stadt finden am 16. und 17. November statt.

Gedenkfeiern, mit wem?

Die verschiedenen Feierlichkeiten boten vielen Schülern die Möglichkeit, durch das Lesen historischer Texte oder Berichte echte Gedenkarbeit zu leisten und Akteure des Gedächtnisses zu werden. So haben zum Beispiel die vergangenen Februar bei der Feier zu Ehren der Erschossenen des Mont Valérien anwesenden Schüler Auszüge von Briefen der zum Tode Verurteilten vorgelesen. Vor ihrer Teilnahme achteten die Lehrer darauf, sie mit dem historischen Zusammenhang dieses Jahrestages sowie den Fragen des Gedenkens der Feier vertraut zu machen. Neben den Schülern gibt die Anwesenheit von Zeugen der Ereignisse, denen gedacht wird, der Feier einen besonderen Sinn. Sie teilnehmen zu lassen stellt eine unschätzbare Chance und Gelegenheit dar.

Leider schreitet die Zeit fort und die letzten Überlebenden verschwinden unvermeidlicherweise. Dennoch konnten wir, auch weil es sich um den 75. Jahrestag der Landungen und der Befreiung handelte, auf die Anwesenheit von Veteranen nach dem Beispiel von Léon Gautier zählen, der am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet war, von Veteranen der 1. Armee, die im August 1944 an den Küsten der Provence angekommen waren oder von ehemaligen Widerstandskämpfern des Vercors.

Aufwertung der Gebiete

Auch wenn diese Gedenkfeiern auf nationaler Ebene gesteuert werden, finden sie in den Gebieten eine konkrete Umsetzung durch die Mobilisierung lokaler Akteure, auf welche sich die DPMA stützt (Departementabteilungen des Office national des anciens combattants et victimes de guerre (Nationales Büro der Kriegsveteranen und Kriegsopfer), militärische Delegierte der Departements, Präfekturen der betroffenen Departements) und dank deren unersetzlicher Kenntnis der Gebiete und der lokalen Vereinswelt. In diesen Gebieten ermisst man auch die Mobilisierung und das Verlangen unserer Mitbürger nach Gedenkthemen anhand hunderter Gedenk-, Kultur- und Lernprojekte, die entstanden sind.

Die DPMA hat eine eigene Kennzeichnungspolitik für das 75. Jubiläum eingeführt, das diese Aktionen ermutigen und fördern soll. Sie achtete vor allem auf die Beteiligung der örtlichen Bevölkerung an den verschiedenen Feierlichkeiten, da dieser die Teilnahme an einer Veranstaltung am Herzen liegt, die mit der Geschichte ihrer Stadt oder ihrer Region in Verbindung steht, wie bei den Feiern am 6. Juni in der Normandie und am 15. August am Friedhof von Boulouris im Departement Var.

Denn diese Gedenkfeierlichkeiten rufen nicht nur ein vergangenes Ereignis in Erinnerung, sondern beleuchten auch den Ort, wo es stattfand. Durch eine Gedenkveranstaltung können wir unseren Bürgern die Bedeutung und den Reichtum des Erbes näher bringen. Das Mémorial de la France combattante in Suresnes, die Landungsstrände der Normandie, der Nationalfriedhof von Boulouris und das Leclerc-Denkmal in Straßburg sind nur einige der bedeutungsvollen Gedenkorte, die es anlässlich der Gedenkzyklen zu entdecken und aufzuwerten gilt.


Auteur
Maurice Bleicher und Laurent Poirier - Bureau de la vie associative et des commémorations, DPMA

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