Der Wiederaufbau

Auf Tage der Volksfeststimmung nach der Befreiung folgte ein böses Erwachen. Nach Jahren von Krieg und Besetzung ist Frankreich verletzt und ausgeblutet. Viele Opfer sind zu beklagen, Städte sind verwüstet, die Volkswirtschaft ist zerstört und die Rationierung hält weiter an. Das Land steht vor zahlreichen Herausforderungen.

La ville de Royan en 1945.
La ville de Royan en 1945. - © ECPAD/Henri Malin

Zusammenfassung

    Chronologie Cartes Fotogalerie

    Für einen Großteil der Franzosen bleibt 1944 das Jahr der Befreiung. Mit seinen Festzügen, Ballveranstaltungen, seiner Euphorie…und seinen Illusionen stellt der Sommer 1944 einen Meilenstein in der französischen Geschichte dar, wie zuvor das Föderationsfest 1790, die ersten Wochen der Revolution 1848 oder der 11. November 1918. 1944 rückt die Gegenwart nach der Niederlage von 1940 und den vier langen Jahren der deutschen Besatzung in den Vordergrund.

     

    Im Jahr 1945 macht sich die Vergangenheit erneut bemerkbar: Enttäuschungen und Verdrossenheit angesichts einer Lage, die sich nicht wirklich verbessert. Das Jahr 1945 kann im Vergleich zu 1944 nur schlecht abschneiden. Die Zeit ist gekommen, eine Bilanz des Konfliktes zu ziehen. Ernüchtert müssen sich die Franzosen den erdrückenden Folgen des Krieges und der deutschen Besatzung stellen.

     

    FRANKREICH BESETZT UND BOMBARDIERT

     

    Zweimal war Frankreich Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen: im Mai und Juni 1940 im Zuge der deutschen Invasion und später, im Juni 1944 während der Befreiungskämpfe. Blieb das Land während der vier Jahre, die zwischen den zwei Daten liegen, von Konflikten verschont? Kann man dem Argument von Pierre Laval zustimmen, der seine Landsleute am 6. Juni 1944 dazu anhält, die Alliierten, die gerade in der Normandie gelandet sind, nicht zu unterstützen: „Wir sind nicht im Krieg!" In Wahrheit stellte der Waffenstillstand im Juni 1940 keinen Schutzschild gegen die Feindlichkeiten dar. Die Luftangriffe der Alliierten auf Frankreich setzten sich ständig fort. Mit 550.000 Tonnen abgeworfener Bomben (das entspricht 22% der Gesamtmenge), hält Frankreich den traurigen Rekord des am meisten bombardierten europäischen Landes nach Deutschland.

    In den Jahren 1940 und 1941 beschießt die RAF die Häfen entlang des Ärmelkanals und des Atlantiks in Erwartung einer deutschen Invasion in England. Mit dem Einsatz der US Air Force in den Jahren 1942 bis 1943 beginnen sich die Bombardierungen aufs Landesinnere auszuweiten, wobei die Küste nach wie vor nicht verschont bleibt. Die Unternehmen, die für Deutschland arbeiten, werden besonders ins Visier genommen, insbesondere der Sitz von Renault in Boulogne-Billancourt. 80% der auf Frankreich abgeworfenen Bomben fallen im Jahr 1944. Im Rahmen der Operation Overlord wurde im Zuge der Operation „Transportplan“ die Zerstörung der Verbindungswege, insbesondere der Schienenwege anvisiert. Aber Frankreich muss die Last des Krieges auch in Form einer intensiven Besatzung durch die deutschen Truppen im Jahr 1940 tragen (Vorbereitung der Operation Seelöwe). Die Situation verbessert sich deutlich im Jahr 1942, aber verschlechtert sich erneut ab 1943. Im Jahr darauf besteht die Besetzungsmacht aus mehr als einer Million Soldaten, die insbesondere entlang der Küste stationiert sind.

     

    PLÜNDERUNG UND VERFOLGUNG

     

    Die „Unterhaltskosten“ dieser Truppen, die den Besiegten vom Sieger abverlangt werden, belaufen sich auf die astronomische Summe von 700 Milliarden Francs für die vier Jahre. Dazu kommt die Plünderung der Konsumgüter, der sich die deutschen Soldaten dank der mutwilligen Aufwertung der Reichsmark ungeniert hingeben können. Aber die Plünderung nimmt auch andere Formen an: modernste Maschinen werden abmontiert und über den Rhein transportiert; Pferde werden massenweise beschlagnahmt, um in einer deutschen Armee zum Einsatz zu kommen, die bei Weitem nicht so mechanisiert ist, wie man allgemein annimmt; Besitzergreifung von fast 30% der Kohleproduktion, 74% des Eisenerzes und 50% des Bauxits; Abgaben auf Fleisch (21%), Weizen (13%), Milch, Butter und andere Lebensmittel, die nunmehr für die Speisekammern deutscher Familien bestimmt sind. All dies wird beglichen durch…die Besatzungskosten, d. h. durch den französischen Staat. Göring hat gesagt „ich gedenke zu plündern, und zwar ausgiebig“, was dann auch der Fall war.

    Man darf hierbei die Ausbeutung der Menschen nicht vergessen. Auf Grund eines erheblichen Kriegseinsatzes an mehreren Fronten fehlt es der deutschen Wirtschaft an Arbeitskräften. Ab 1940 werden 1.500.000 französische Gefangene in deutsche Lager verfrachtet, wo viele von ihnen als Arbeitskräfte eingesetzt werden, insbesondere in der Landwirtschaft. Die Öffnung der Ostfront verschärft jedoch den Bedarf. In Frankreich, wie in anderen eroberten Ländern, versucht eine intensive Propaganda, freiwillige Arbeitskräfte zu gewinnen. Ungefähr 200.000 Personen (und nicht 70.000, wie oft gesagt und geschrieben wurde), waren einverstanden, ihr Land für einen mehr oder weniger langen Zeitraum zu verlassen. Unter ihnen eine relativ große Anzahl an Ausländern und Frauen. Um den wachsenden Anforderungen Deutschlands gerecht zu werden, erlässt Vichy zwei Gesetze, eines im September 1942 (welches die Zwangsarbeit einführt) und eines im Februar 1943 (obligatorischer Arbeitsdienst), auf Grund derer 650.000 hauptsächlich junge Männer ins Reich entsandt werden.

    Die Verfolgung stellt eine andere Facette der deutschen Besatzung dar. 90.000 Männer und Frauen wurden in Konzentrationslager deportiert. Es handelte sich um Mitglieder der Résistance (44%) oder um Personen, die dem Besetzer widersprochen oder sich ihm gegenüber feindlich eingestellt gezeigt hatten. Der Rest (27%) waren Geiseln, Opfer von Razzien, gewöhnliche Strafgefangene, ehemalige Kommunisten…Gleichzeitig traf die Verfolgung durch die Deutschen 75.000 Juden, hauptsächlich ausländischer Abstammung, die großteils nach Auschwitz deportiert wurden. Alle jene, die für arbeitsfähig erklärt wurden, wurden in Fabriken und Werkstätten platziert, genau wie die Insassen der Konzentrationslager vor ihnen. Die Anzahl der durch Erschießungskommandos Hingerichteten beläuft sich auf ca. 4.000 Personen (diese Zahl wurde lange überschätzt). Während die Bevölkerung im Norden ab 1940 den Ausschreitungen der deutschen Truppen (insbesondere der SS) ausgesetzt waren, hatten die Massenhinrichtungen in Frankreich bis Anfang 1944 ein Ende genommen, bis im Februar der Sperrle-Erlass im Westen die Einführung scharfer Maßnahmen gegen die Résistance und die zivile Bevölkerung erlaubte, welche bereits an der Ostfront zum Einsatz kamen. Die schlimmsten Gräueltaten waren somit erlaubt, ohne dass die Beteiligten zur Rechenschaft gezogen wurden. „Zu scharfe Maßnahmen können kein Grund zur Bestrafung sein“. Die ersten Opfer der Massaker waren die Widerstandskämpfer im Massif Central sowie die Zivilisten, die sie unterstützten, aber ebenso die Bewohner von Ascq im Norden als Reaktion auf einen Sabotageakt.

    Auf die Landung folgten in dieser Logik des Schlimmsten die Massaker von Tulle, Oradour-sur-Glane, Argenton-sur-Creuse, Buchères, Maillé, ausgeführt von verschiedenen SS-Einheiten…

    Mit Ausnahme des Elsass und der so genannten Poches de l’Atlantique ist ein Großteil des französischen Territoriums im Herbst 1944 befreit. Aber in welchem Zustand?

     

    HOHE ZAHL AN TODESOPFERN

     

    Die Zahl der Opfer, die im Zuge der Kriegsereignisse zwischen 1939 und 1945 getötet wurden, liegt zwischen 460.000 und 480.000, weit unter den von der Kriegsentschädigungskommission Ende der 40er Jahre geschätzten 600.000. Diese Zahl ist nicht mit dem Massensterben des Ersten Weltkriegs zu vergleichen, entspricht aber den Werten der vom Vereinigten Königreich (400.000) und Italien (440.000) erlittenen Verluste. Der andere Unterschied zum Ersten Weltkrieg ist die relativ gleichmäßige Aufteilung zwischen militärischen und zivilen Opfern, was im Übrigen der globalen Opferbilanz des Zweiten Weltkriegs entspricht.

    Zwischen 55.000 und 65.000 Männer fielen in den Schlachten von Mai bis Juni 1940, und nicht 100.000, wie allgemein angenommen wird. Den Gegenbeweis liefert die Datenbasis des Verteidigungsministeriums. Die Abweichung beruht auf dem - absichtlich oder unabsichtlich - bestehenden Irrtum, die zu den Opfern des Frühlings 1940 die Toten des Sitzkrieges (mehr als 10.000) und die 30.000 bis 40.000 Kriegsgefangenen hinzuzählt, die zwar 1940 gefangen genommen wurden, aber später in Deutschland verstarben. Hinzu kommen im Prinzip die Verluste der Armee von Vichy in Syrien, Nordafrika… (4.300), jene des befreiten Frankreichs (3.200) und schließlich jene der 1943 neu aufgestellten französischen Armee, die in Tunesien und Italien, sowie danach bei der Befreiung Frankreichs und dem endgültigen Angriff auf Deutschland kämpfte. Die Zahl der getöteten Soldaten beträgt 23.000, dazu kommen 14.000 der FFI, die im Kampf gefallen sind oder in Frankreich hingerichtet wurden. Letztendlich darf man auch die 32.500 Elsässer und Mosellaner nicht vergessen, gefallen in deutscher Uniform. Die zivilen Opfer sind den Deutschen, den Alliierten...und nebenbei auch den Franzosen zuzuschreiben. Die von den Nazis ausgeführten Unterdrückungen und Verfolgungen sind verantwortlich für den Tod von fast 4.000 Geiseln und zum Tod durch Erschießen Verurteilten, 36.000 Deportierten, die in Konzentrationslagern starben, mehr als 70.000 Juden und zwischen 10.000 und 15.000 Zivilisten, die Opfer von Massenhinrichtungen oder mutwilligen Massakern wurden. Zu dieser Gesamtzahl kommen freiwillige oder eingezogene zivile Arbeitskräfte hinzu, die in Deutschland gestorben sind. 60.000? 40.000? Wir wissen es nicht. Die Anzahl der im Laufe der alliierten Luftangriffe getöteten Personen wird auf 50.000 bis 70.000 geschätzt. Noch hinzuzufügen ist, dass die „wilde“ Säuberung im Zuge der Befreiung beinahe 9.000 Menschen, die als Kollaborateure angesehen wurden, das Leben gekostet hat.

    SCHWERWIEGENDE MATERIELLE SCHÄDEN

     

    Zwischen 1939 und 1945 hat Frankreich bei Weitem schwerwiegendere materielle Schäden erlitten als im Ersten Weltkrieg. Zwar wurden 13 Departements vollständig zerstört, aber der Rest des Landes hatte keine Schäden zu beklagen. Im Zeitraum von 1940 bis 1945 ist Frankreich zwei unbarmherzigen Feldzügen ausgeliefert. Der Feldzug von 1940 trifft besonders hart die Region Nord; der von 1944 verwüstet die Normandie und, in geringerem Ausmaß die Provence, aber auch die Region Est (Ostfrankreich); zwischen den beiden Fronten werden nur wenige Gebiete von den alliierten Bombardements verschont. Insgesamt sind 74 Departements betroffen.

    Die sichtbarsten Schäden betreffen das materielle Kulturerbe: 452.000 Gebäude werden komplett zerstört (zweimal mehr als im Vereinigten Königreich), 1.436.000 teilweise. Beinahe 20% des Gebäudeparks des Landes werden zerstört, während es im Ersten Weltkrieg nur 10% waren. Eine Million Familien verlieren ihren Wohnsitz, was 4 bis 5 Millionen entspricht; eine schwere Wohnungsnot beginnt sich abzuzeichnen. Im Jahr 1946 schätzt die Kriegsentschädigungskommission die Kosten für eine Rückkehr zu normalen Verhältnissen auf 5.000 Milliarden, was zwei oder drei Jahren des Bruttosozialeinkommens entspricht. In 1.838 Gemeinden herrschten katastrophale Zustände. Darunter 15 der 17 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern; 21 von 39 jener mit einer Einwohnerzahl zwischen 50.000 und 100.000. Aber auch die ländlichen Gebiete wurden nicht verschont: ein Viertel der geschädigten Gemeinden zählt weniger als 2.000 Einwohner. Das am Schwersten betroffene Departement, Calvados, verzeichnet allein 120.000 zerstörte Gebäude. Im Jahr

    1945 sind die Transportwege durch die massiven Zerstörungen weitgehend gelähmt, was ein zerstückeltes Frankreich zur Folge hat. Als Opfer der Materialbeschlagnahmungen durch die Deutschen, der Sabotageakte der Résistance und der Bomben der Alliierten hat das französische Eisenbahnnetz besonders gelitten: die Hälfte des Schienennetzes für einen mehr oder weniger langen Zeitraum außer Betrieb; 115 wichtige Bahnhöfe zerstört, ebenso wie 24 von 40 Rangierbahnhöfen; 2.000 Bauwerke (Brücken, Tunnel, Viadukte) unbenutzbar. Von den Personenwagen der SNCF ist nur die Hälfte betriebstüchtig, bei den Güterwaggons ist es einer von drei und bei den Lokomotiven eine von sechs. Im Straßenverkehr sieht es nicht viel besser aus, 7.500 Brücken sind eingestürzt und vier Fünftel der Lastkraftwagen verschwunden. Der Schiffstransport und insbesondere die Häfen, die von der RAF vier Jahre lang vehement bombardiert wurden, litten ebenfalls unter den Folgen. Zahlreiche Strommasten wurden zerstört und 90.000 Kilometer Telefonleitungen sind außer Betrieb.

     

    ZUSAMMENBRUCH DER WIRTSCHAFT

     

    Der Krieg und die Besatzung bringen erhebliche Rückschläge für die nach der Krise der 30er Jahre bereits geschwächte französische Wirtschaft. Die nüchternen Zahlen sprechen für sich. Während des Krieges ist die landwirtschaftliche Erzeugung um 40% zurückgegangen. 1945 betrug die Weizenernte nur noch 42 Millionen Doppelzentner, während es 1939 noch 73 waren; die Kartoffelernte fiel von 144 auf 61 Millionen Doppelzentner; die Menge der im Handel angebotenen Fleischprodukte ist um die Hälfte geringer. Gründe dafür: die Reduktion der Anbauflächen um 3 Millionen Hektar; Gebiete, deren Boden von den 13 Millionen Minen verseucht ist, die die Deutschen zurückgelassen haben; das Verschwinden eines Drittels der Zugpferde, die von den Deutschen beschlagnahmt wurden; der Mangel an Düngemitteln, der für die Ernten verheerende Folgen hat, aber auch der Mangel an Arbeitskräften, der mit sich bringt, dass viele Flächen brach liegen.

    Der Rückgang der industriellen Produktion ist noch frappierender: 60% im Vergleich zu 1938, und sogar 70% im Vergleich zum Niveau von 1929. 1945 liefern die Kohlenminen nur noch 25 Millionen Tonnen gegenüber 47 Millionen vor dem Krieg; die Stahlwerke 1,6 Millionen Tonnen Stahl statt 6,2 Millionen, und die Zementwerke 126.000 Tonnen statt 296.000. Zahlreiche Umstände erklären diesen Verfall: die Bombardierung von Fabriken, die Beschlagnahmung durch die Deutschen von Maschinen, Rohstoffen und Arbeitskräften, Schwierigkeiten in der Energie- und Rohstoffversorgung… Was eine Wiederankurbelung betrifft, erweist sich diese im Jahr 1945 auf Grund zweier Engpässe als schwierig: Zerfall der Transporte und Kohleknappheit, wichtigster Energielieferant in jener Zeit.

    Der Rückgang der Produktion bedeutet einen drastischen Einbruch des Angebots gegenüber der Nachfrage und bringt unweigerlich einen starken Anstieg der Preise und der Gehälter mit sich. Die besteuerten Preise steigen zwischen 1938 und 1944 um ein Dreifaches; insgesamt steigen die Preise (einschließlich derer des Schwarzmarktes) um ein Fünffaches. Bereits unter Vichy deutlich zu spüren, steigt die Inflation nach der Befreiung in ungewohntem Ausmaß und wird zu einem immer wiederkehrenden Übel während der 4. Republik. Diese Umstände führen dazu, dass der Franc gegenüber dem Dollar stark abgewertet wird. Die Unzulänglichkeiten der Produktion machen sich auch im Außenhandel bemerkbar. Die Exporte reduzieren sich auf ein Minimum, während die Importe sprunghaft ansteigen, um den Anforderungen der Wirtschaft und der Bevölkerung gerecht zu werden.

    Im Jahr 1945 übersteigen die Importe um ein Fünffaches die Exporte. Um dies zu finanzieren, muss Frankreich Kredite aufnehmen. Auch die öffentlichen Finanzen sind mit einem kolossalen Budgetdefizit, das für die Jahre 1939 bis 1944 auf 460 Milliarden geschätzt wird, in Bedrängnis. 1939 decken die Einnahmen nur 30% der Ausgaben, und nur 55% im Jahr 1945. Um dieser Situation zu begegnen, schnellt die Staatsverschuldung auf ungeahnte Ausmaße. Sie vervierfacht sich während der sechs Jahre, die der Konflikt dauert.

    Auch wenn der französische Durchschnittsbürger sich der enormen wirtschaftlichen und finanziellen Probleme nicht unbedingt bewusst ist, ist er dennoch gewissen Folgen unbarmherzig ausgeliefert, insbesondere was den andauernden Versorgungsnotstand betrifft. Diese während der Besatzung vorherrschende Sorge ist nach der Befreiung nicht verschwunden, ganz im Gegenteil. Eine gewisse Resignation verwandelt sich in Fassungslosigkeit und totales Unverständnis. Der Abzug der Deutschen, die nach Aussagen von Radio London „Alles genommen hatten“ bedeutete für viele die Rückkehr zum ehemaligen Überfluss. Die Rationierung bleibt jedoch bestehen, die berühmten Lebensmittelkarten, ebenso wie die langen Warteschlangen vor den Läden sind nicht verschwunden, und der Schwarzmarkt blüht mehr denn je. In Wirklichkeit wurden die Produktions- und Vertriebssysteme während der Besatzung dermaßen zunichte gemacht, dass eine rasche und einfache Rückkehr zu normalen Verhältnissen nach vier Jahren wirtschaftlicher Störungen und Schwarzmarkt auszulöschen einfach nicht möglich ist. Wir befinden uns also immer noch in Zeiten der Rationierung. Was auf den Teller kommt, ist immer noch nicht besser; Gas und Strom sind nach wie vor rar. Für das Ende der Rationierung muss man 1949 abwarten. Gemäß den von IFOP durchgeführten Studien bleibt die Versorgung die größte Sorge der französischen Bevölkerung.

    DER WEG ZUM WIEDERAUFBAU

     

    Frühling 1945, die „Abwesenden“ kehren zurück: Zwei Millionen Männer und mehrere Tausend Frauen: Kriegsgefangene, Freiwillige oder Zwangsarbeiter, Deportierte. Manche von ihnen finden ihre Familie wieder, die sich verändert hat, insbesondere die Kinder. Sie sind größer geworden und erinnern sich kaum oder gar nicht an den verlorenen Vater. Sie alle finden ein Land wieder, welches nicht unbedingt jenem entspricht, das sie verlassen haben. Ein Land, das unglaublich gelitten hat!

    Allerdings haben der Krieg und die Besatzung trotz zahlreicher Dramen auch die Basis für einen Wiederaufbau geschaffen. So erfolgte zum Beispiel ab 1943 eine Kehrtwende in der seit langem stagnierenden Geburtenrate, die den Beginn des berühmten „Babybooms“ einläutet, zu dem de Gaulle folgendermaßen aufrief: „Wir brauchen in den nächsten zehn Jahren zehn Millionen gesunder Babys“; dies bedeutete das Ende des Alterns der französischen Bevölkerung und stellte eine der treibenden Kräfte der später folgenden goldenen Dreißiger dar.

    Die materiellen Verwüstungen in Folge der Kriegshandlungen sind der Ausgangspunkt einer Periode, die historisch gesehen als Wiederaufbau bezeichnet wird. In Wirklichkeit sollte man eher von einer „Reurbanisierung“ sprechen, die sich nicht damit zufrieden gibt, die zerstörten Städte identisch wieder aufzubauen, sondern sie logischer und weitläufiger zu konzipieren, insbesondere durch das Ersetzen veralteter und ungesunder Viertel durch neue, mit modernem Komfort ausgestattete Gebäude. In einem anderen Bereich hat der französische Staat –gezwungenermaßen- seinen Interventionsbereich auf die Wirtschaft ausgeweitet, um die Mentalitäten und die öffentliche Meinung auf die großen Reformen vorzubereiten, die auf diesem Gebiet zunächst von der Übergangsregierung und später der 4. Republik durchgeführt wurden.

    Was die Résistance angeht, so hat sie, während sie den Widerstand gegen den Besatzer und Vichy fortführt, im Geheimen tiefgehende Überlegungen angestellt, welches Gesicht das neue Frankreich nach der Befreiung haben sollte. In diesem Sinne wird im März 1944 das berühmte Programm des Conseil national de la Résistance verabschiedet, welches zahlreiche Reformen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich vorsieht. Es sollte als „Brevier“ für die Regierungen der Befreiung dienen. Im Jahr 1945 sieht die Zukunft immer noch nicht leuchtend aus, aber es besteht zumindest Hoffnung.

    Jacques Quellien - Université de Caen - Basse-Normandie

    Mehr wissen

    Bibliografie :

    La Seconde Guerre mondiale, Jean Quellien, Tallandier, 2015.

    La reconstruction des villes françaises de 1940 à 1954, histoire d’une politique, Danièle Voldman, L’Harmattan, 1997.

    Personnalités évoquées

    Zusammenfassung

    DATUM: 8. Mai 1945

    SCHAUPLATZ: Frankreich

    SITUATION: Wiederaufbau

    KRIEGSSCHÄDEN:

    550.000 Tonnen Bomben wurden zwischen 1939 und 1945 über dem Gebiet abgeworfen

    13 Millionen Minen wurden von den Deutschen zurückgelassen

    460.000 bis 480.000 Menschen starben im Zuge der Kriegshandlungen

    452.000 Gebäude wurden komplett zerstört, 1.436.000 teilweise

    In 1.838 Gemeinden herrschten katastrophale Zustände

    115 wichtige Bahnhöfe wurden zerstört, ebenso 24 von 40 Rangierbahnhöfen

    7.500 Brücken waren eingestürzt oder zerstört worden

    460 Milliarden Budgetdefizit für die Jahre 1939 bis 1944

    Déblaiement dans les ruines de Caen.

    Déblaiement dans les ruines de Caen.

    © ECPAD/Vincent Verdu
    Arrivée de prisonniers de guerre français à la gare de l'Est à Paris.

    Arrivée de prisonniers de guerre français à la gare de l'Est à Paris.

    © SHD
    Gare ferroviaire du Mans, 1945.

    Gare ferroviaire du Mans, 1945.

    © ECPAD
    Visite du général de Gaulle en Bretagne, Brest, 26 juillet 1945.

    Visite du général de Gaulle en Bretagne, Brest, 26 juillet 1945.

    © ECPAD/Henri Malin
    Reconstruction d'immeubles après la guerre à Saint-Malo.

    Reconstruction d'immeubles après la guerre à Saint-Malo.

    © Roger-Viollet
    Dresde en 1945.

    Dresde en 1945.

    © Richard Peter/Deutsche Fotothek
    Ruines de Coblence, les ouvriers du STO occupés à déblayer les rues.

    Ruines de Coblence, les ouvriers du STO occupés à déblayer les rues.

    © ECPAD/André Gadner
    Papillon anti-allemand. La question du ravitaillement devient un sujet de préoccupation quotidien alors que les Allemands prélèvent à leur profit 40 % et plus de la production.

    Papillon anti-allemand. La question du ravitaillement devient un sujet de préoccupation quotidien alors que les Allemands prélèvent à leur profit 40 % et plus de la production.

    © Musée de la Résistance nationale – Champigny
    Tous les produits, absolument tous, intéressent les Allemands… Étiquette placée sur le wagon d'expédition vers l'Allemagne.

    Tous les produits, absolument tous, intéressent les Allemands… Étiquette placée sur le wagon d'expédition vers l'Allemagne.

    © SHD

    Chronologie

    Januar 1945

    1er janvier-16 mai 1945

     

    Janvier

    1er janvier : offensive allemande en Alsace (opération Nordwind).

    2 janvier : refus du général de Gaulle de se ranger à l’ordre américain d'évacuer Strasbourg.

    5 janvier : défense de Strasbourg par la 1re Armée française.

    12 janvier : grande offensive soviétique en direction de Berlin.

    16 janvier : nationalisation des usines Renault pour cause de collaboration.

    17 janvier : libération de Varsovie.

    19 janvier : condamnation à mort de Robert Brasillach, écrivain et directeur jusqu’en 1943 du journal d’extrême droite Je suis partout.

    22-23 janvier : attitude légaliste de Maurice Thorez, secrétaire général du parti communiste français, à la réunion du comité central (notamment, acceptation du désarmement des milices patriotiques).

    23-28 janvier : congrès du Mouvement de libération nationale.

    25 janvier : condamnation à la réclusion à perpétuité de Charles Maurras, directeur du journal L’Action française se réclamant du nationalisme intégral.

    27 janvier : découverte du camp d’Auschwitz par l'Armée rouge.

     

    Février

    2 février : libération de la poche de Colmar.

    4-11 février : conférence de Yalta réunissant Roosevelt, Staline et Churchill en vue d’organiser l’après-guerre.

    6 février : libération d'Ensisheim ; exécution de Robert Brasillach.

    9 février : Colmar, dernière ville d’Alsace libérée.

    13-15 février : bombardement de Dresde.

    22 février : création des comités d'entreprise dans les établissements de plus de 100 employés.

     

    Mars

    3 mars : création de l’école primaire unique ; création de l'Union nationale des associations familiales.

    7 mars : franchissement du Rhin par les Alliés à Remagen et entrée des troupes américaines en Allemagne.

    9 mars : prise de contrôle de l'Indochine française par l’armée japonaise.

    20 mars : libération définitive de l'Alsace (opération Undertone).

    22 mars : signature du pacte de la ligue arabe (Égypte, Syrie, Liban, Transjordanie, Irak et Arabie saoudite).

    29 mars : entrée des Soviétiques en Autriche.

    31 mars : franchissement du Rhin par les troupes françaises.

     

    Avril

    1er avril : débarquement des troupes américaines à Okinawa, au Japon.

    9 avril : nationalisation de Gnome et Rhône pour cause de collaboration.

    11 avril : libération du camp de Buchenwald, sous contrôle de ses détenus, par les Américains.

    15-20 avril : libération de Royan et de la Pointe de Grave.

    20-21 avril : derniers bombardements sur Berlin.

    25 avril : jonction des troupes américaines et soviétique à Torgau, sur l’Elbe.

    26 avril : retour de Philippe Pétain en France.

    27 avril : entrée de la 1ère Armée française en Autriche.

    28 avril : exécution de Mussolini par les partisans italiens.

    29 avril : libération du camp de Dachau par les Américains.

    29 avril-13 mai : en France, élections municipales (vote des femmes pour la première fois).

    30 avril : Suicide de Hitler à Berlin.

     

    Mai

    1er-11 mai : combats et réduction des dernières poches de l’Atlantique : île d’Oléron, île de Ré, La Rochelle, Lorient et Saint-Nazaire.

    2 mai : chute de Berlin ; capitulation allemande en Italie.

    4 mai : arrivée des Français à  Berchtesgaden.

    7-9 mai : capitulation sans conditions de l’Allemagne ; fin de la guerre en Europe.

    8 mai 1945 : massacres de Sétif et Guelma.

    16 mai : la France membre permanent du Conseil de Sécurité de l'ONU.

    Cartes

    La libération du territoire.
    La libération du territoire. - © La libération du territoire. © Nane éditions
    La campagne d'Allemagne.
    La campagne d'Allemagne. - © Ministère de la défense/SGA/DMPA/Joëlle Rosello
    Itinéraire de la 2e DB, du débarquement à Berchtesgaden.
    Itinéraire de la 2e DB, du débarquement à Berchtesgaden. - © Ministère de la défense/SGA/DMPA/Joëlle Rosello
    Lieu, date et nombre de victimes de massacres perpétrés par les troupes allemandes.
    Lieu, date et nombre de victimes de massacres perpétrés par les troupes allemandes. - © Ministère de la défense/SGA/DMPA/Joëlle Rosello
    par route de la division
    par route de la division "Das Reich" du Sud-Ouest à la Normandie, entre mai et juin 1944. - © Ministère de la défense/SGA/DMPA/Joëlle Rosello
    La libération du territoire. La campagne d'Allemagne. Itinéraire de la 2e DB, du débarquement à Berchtesgaden. Lieu, date et nombre de victimes de massacres perpétrés par les troupes allemandes. par route de la division

    Galeries photos

    Dunkerque, 20 juillet 1945.
    Dunkerque, 20 juillet 1945. - © ECPAD
    Vue aérienne de Berlin, 15 octobre 1945.
    Vue aérienne de Berlin, 15 octobre 1945. - © ECPAD/Louis Cadin
    Population dans les rues de Coblence.
    Population dans les rues de Coblence. - © ECPAD/André Gadner
    Bâtiment en ruines à Berlin, octobre 1945.
    Bâtiment en ruines à Berlin, octobre 1945. - © ECPAD/Louis Cadin
    L'arsenal de Brest dévasté, 1946.
    L'arsenal de Brest dévasté, 1946. - © ECPAD
    Déblaiement dans les ruines de Lorient, 04 juin 1945.
    Déblaiement dans les ruines de Lorient, 04 juin 1945. - © ECPAD/Jean-Jacques Tourand
    Dunkerque, 20 juillet 1945. Vue aérienne de Berlin, 15 octobre 1945. Population dans les rues de Coblence. Bâtiment en ruines à Berlin, octobre 1945. L'arsenal de Brest dévasté, 1946. Déblaiement dans les ruines de Lorient, 04 juin 1945.