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Der Staatliche Soldatenfriedhof von Avocourt

Avocourt. Source : MINDEF/SGA/DMPA-ONACVG

 

Um die Infotafel des Friedhofs aufzurufen, klicken Sie hier vignette Avocourt

 

Auf dem staatlichen Friedhof von Avocourt sind bei den Schlachten von Verdun für Frankreich gefallene Soldaten begraben, im Besonderen die, die an den emblematischen Orten Côte 304 und Mort-Homme ihr Leben ließen. Dieser bei der Offensive von Verdun im Jahr 1916 geschaffene Soldatenfriedhof wurde von 1921-1925 und später dann erneut von 1930 bis 1934 umgebaut, um den im Sektor Avocourt gefallenen, den aus den provisorischen Friedhöfen von Jubécourt und Récicourt exhumierten sowie den auf den Schlachtfeldern am linken Maasufer (Cote 304 und Mort-Homme) gefallenen Soldaten eine letzte Ruhestätte zu bieten. 1945 wurden die 1940 an der Côte 304 gefallenen und bis dahin im kommunalen Friedhof von Esnes begrabenen Marsouins-Soldaten dorthin überführt. In diesem staatlichen Soldatenfriedhof liegen mehr als 1 800 im Ersten Weltkrieg gefallene und 49 bei den Kämpfen des Westfeldzugs 1940 ums Leben gekommene französische Soldaten begraben.

 

Die Schlacht von Verdun 1916-1918

Bei der Schlacht an der Marne bildeten Verdun und sein Festungsgürtel einen militärischen Stützpunkt, auf den sich die 3. Armee von General Sarrail verlassen konnte. Der Feind machte zwei Angriffe, um diesen Wall zum Fallen zu bringen: einen im Westen gegen Revigny-sur-Ornain und einen im Osten gegen die Festung von Troyon. Beide Angriffe waren erfolglos. General Joffre lieferte das ganze Jahr 1915 über mörderische Angriffe, griff im Osten die Frontausbuchtung von Saint-Mihiel an und engagierte die 3. und 4. Armee im Westen zur Verteidigung der Argonne. Diese lokalen, im Stil eines Minenkriegs geführten Kampfhandlungen fuhren sich schnell fest und wurden für die Kämpfenden zu einem anstrengenden Zermürbungskrieg.

In diesem Sektor, in dem die französischen Stellungen nicht besonders gut in Schuss gehalten wurden, startete der deutsche General Falkenhayn eine Offensive, mit der die französische Armee zur Ader gelassen werden sollte.

Die Operation Gericht gegen die französischen Stellungen lief am 21. Februar 1916 an. Nach der brutalen Bombardierung des rechten Maasufers und der Stadt rücken die Deutschen auf einem völlig zerstörten Gebiet vor. Trotz des erbitterten Widerstands des 30. Armeekorps, der den Wald von Caures verteidigt, rücken sie in vier Tagen 6 km weit vor.

Am 25. Februar nimmt der Feind die Festung Douaumont ein und die 2. Armee von General Pétain wird mit der Verteidigung von Verdun betraut. Er organisiert die Front und den Nachschub. Die Straße, die Verdun mit Bar-le-Duc verbindet und die bald unter dem Namen „Heilige Straße“ in die Geschichte eingeht, dient Tag und Nacht als Nachschubweg für Verdun.

Die 5. deutsche Armee, die vor Vaux und Douaumont festsitzt, dehnt ihre Operationen am 6.März auf das linke Maasufer aus. Diese beiden Kämme, die das einzige natürliche Hindernis für den Zugriff auf Verdun darstellen, sind die am heftigsten umkämpften Stellungen am linken Maasufer. Die Deutschen erreichen innerhalb von sechs Tagen die Mort-Homme Anhöhe. Am 20. wird die 11. bayerische Infanterie-Division eingesetzt, um sich des Dorfes Avocourt zu bemächtigen. Ein erster Angriff, bei dem Feuerüberfälle stattfinden, ist von Erfolg gekrönt, jedoch werden der Wald und der Sektor des „Réduit d'Avocourt“ bei einem französischen Gegenangriff zurückerobert. Die Truppen, die seit mehreren Tagen keinen Nachschub mehr erhalten, sind erschöpft. Am 29. März wird der Wald zurückerobert. Am 9. April stößt der Feind mit drei Divisionen bis zum Bois des Corbeaux (Rabenwald) vor. Die französische Verteidigung hält stand, ohne zurückzuweichen und General Pétain erklärt in seiner Mitteilung „Nur Mut, wir kriegen sie! “ Der Kampf gegen den Feind, der nur 4 km weit vorrücken kann, geht weiter. Im Juni leisten die französischen Truppen an den beiden Maasufern Widerstand. Die Deutschen setzen vergebens ihre gesamten Kräfte im Kampf ein und starten ständig neue Angriffe. Diesen ist kein Erfolg beschieden, sie besetzen einen Teil der Mort-Homme Anhöhe und befestigen diese.

Im August 1917 erobern die Franzosen die Côte 304 und die Mort-Homme Anhöhe zurück und befreien Verdun damit völlig. Aber der Kampf geht auf dem Kamm von Caurières weiter, wo die feindliche Artillerie neue Senfgas-Granaten zum Einsatz bringt. Ab dem 24. werden die Mort-Homme Anhöhe und ihre Tunnel, darunter der Corbeaux-Tunnel und die Côte 304, endgültig zurückerobert.

Auf französischer Seite werden drei Viertel der Armee nach Verdun verlagert, wo man am 15. Juli 275 000 Gefallene, Verletzte und in Gefangenschaft Geratene zählt. Auf deutscher Seite sieht es genauso aus.

  • Avocourt. Source : MINDEF/SGA/DMPA-ONACVG

  • Avocourt. © Guillaume Pichard

  • Französische Soldaten in den Ruinen des Dorfes Esnes-en-Argonne, Februar/März 1917. Dieses südlich der Côte 304 gelegene Dorf besitzt eine strategische Position für die Eroberung und Kontrolle dieser Stellung und der Mort-Homme Anhöhe. Das Château-Bras und das Dorf werden durch Granatenangriffe verwüstet. Das Dorf wurde von der Armee ausgezeichnet und nach dem Krieg wieder aufgebaut. © ECPAD

  • Ein französischer Aufklärer in einem Graben am Réduit d'Avocourt, 23. Juli 1916. Der ganz im Westen des Schlachtfelds von Verdun gelegene Réduit d'Avocourt ist zwischen dem 20. und dem 29. März 1916 der Schauplatz erbitterter Kämpfe. © ECPAD

  • Evakuierung eines Verwundeten im Sektor Avocourt, April 1916. Ab Herbst 1914 verwendet die französische Armee Ambulanz- und Spezialfahrzeuge, um die Evakuierung der Verwundeten hinter die Front zu vereinfachen. Der Einsatz dieser Fahrzeuge, die nur rudimentäre Transportbedingungen zu bieten hatten, rettet zahlreiche Leben. © ECPAD

  • Ein afro-amerikanischer Soldat des 371. Infanterieregiments vor dem Eingang eines Schutzraums, Avocourt, April 1917. Die amerikanischen Truppen von General Pershing sind ab Juli 1917 an der Maas stationiert. Die amerikanische Hilfe kommt erst spät. General Pétain drängt Pershing, so schnell wie möglich Truppen zur Verfügung zu stellen. Dieser schickt die aus farbigen Amerikanern bestehende 93. amerikanische Infanteriedivision an die Front. Es kommt zu Spannungen zwischen dem französischen Führungsstab und Pershing. Letzterer sieht die Gefahr, dass sich seine Soldaten im Kontakt mit den französischen Truppen emanzipieren könnten. Die farbigen amerikanischen Soldaten der vier Regimente der 93. Division zeigen neben den französischen Kombattanten ein starkes Engagement. © ECPAD

  • Amerikanische Ambulanzfahrzeuge an der Einsatzstelle, im September 1917. Die teilweise auf Chirurgie, Radiologie usw. spezialisierten Ambulanzfahrzeuge kommen an der Front zum Einsatz. Die Komitees des Roten Kreuzes der alliierten oder neutralen Länder übernehmen ebenfalls einen Teil der Finanzierung dieser Sanitärfahrzeuge. © ECPAD