Maurice, Gustave Gamelin

1872-1958
Porträt von Maurice Gamelin. Quelle : SHD

(20. September 1872 : Paris - 18 April 1958 : Paris)

 

Als Sohn eines Offiziers, des Generalinspekteurs der Streitkräfte, der in der Schlacht von Solferino 1859 verwundet wurde, und einer elsässischen Mutter, der Tochter des Generalintendanten Ulrich und Nichte des Militärgouverneurs von Straßburg im Jahr 1870, zeigt Maurice Gamelin schon seit frühester Jugend Interesse an der Kriegskunst und militärischen Fragen. Nachdem er im jährlichen Leistungswettbewerb am Gymnasium den Preis für Philosophie erhalten hat, studiert er an der Ecole du Louvre und beschließt dann, die Aufnahmeprüfung für Saint-Cyr zu machen. Er wird im Oktober 1891 aufgenommen und beendet die Ausbildung 1893 als bester seines Jahrgangs. Er wird dem 3. Algerischen Infanterieregiment zugewiesen, und später der topographischen Abteilung in Tunesien. Von 1896 bis 1899 widmet der junge Offizier sein Talent als Zeichner dem geographischen Dienst der Armee in Paris. Er wird als achtbester Bewerber in die Kriegsschule aufgenommen und zieht schnell die Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf sich, wie z.B. Foch und Lanrezac. 1901 wird er zum Hauptmann bei dem 15. Bataillon der Jäger befördert und im folgenden Jahr zum Stab von General Joffre beordert. 1906 veröffentlicht er eine philosophische Studie zur Kriegskunst. Dieses Werk erhebt ihn in die Reihen der militärischen Denker seiner Zeit, während er noch Ordonnanzoffizier des Oberbefehlshabers in der 6. Infanteriedivision ist. Er bleibt im 2. Armeekorps (1908)und im Obersten Kriegsrat an seiner Seite, bevor er 1911 für zwei Jahre das Kommando des 11. Bataillons der Alpenjäger (Annecy) antritt. Als Chef im 3. Büro des Generalstabs entscheidet er sich im März 1914 dafür, wieder unter General Joffre zu arbeiten.
Als dessen persönlicher Referent nimmt Gamelin am Ersten Weltkrieg teil. Als der Vertraute des Oberkommandierenden und ausgezeichneter Taktiker führt er die 2. Halbbrigade der Jäger am Lingekopf (Elsass) und an der Somme, verfasst den Entwurf für den Befehl Nr. 2, auf dessen Grundlage der Sieg an der Marne (25. August 1914) errungen wird und schreibt den Befehl Nr. 6, auf Grund dessen die Offensive an der Marne beginnt. Als Brigadegeneral auf Zeit wird er im Dezember 1916 der 16. Infanteriedivision zugeteilt, bevor er Anfang 1917 wieder in das Generalhauptquartier von Joffre gerufen wird. Als Joffre durch Nivelle abgelöst wird, bittet er um ein Kommando. Im April - Mai wird er der 9. Infanteriedivision zugeteilt, mit der er sich in den Argonnen, in Verdun, im Departement Aisne und in der Umgebung von Noyon im März 1918 auszeichnet und den Vormarsch der deutschen Truppen im Departement Oise aufhält. Im September 1919 wird er zum Brigadegeneral ernannt und als Chef der französischen Militärmission nach Brasilien geschickt. 1921 publiziert er "Drei Etappen der Vorkriegszeit" (Les Oeuvres libres, Nr. 13).

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Jahr 1925, erhält er als junger Generalmajor das Kommando über die französischen Truppen in Syrien, als Stellvertreter des Hochkommissars Jouvenel (September 1925 bis Februar 1929). Seine Aufgabe ist es, zusammen mit General Sarrail den Aufstand von Djebel Druse niederzuschlagen. Er erfüllt diese Ausgabe brillant und wird zum Offizier der Ehrenlegion erhoben (16. September 1926) und zum Generalleutnant befördert (November 1927). Nach seiner Versetzung zum 20. Armeekorps von Nancy wird er erster stellvertretender Chef des Generalstabs des Heeres, bevor er Weygand am 9. Februar 1931 auf dem Posten des Chefs des Generalstabs ablöst. Er wird am 14. Juli 1932 mit dem Großkreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet, wird Vizepräsident des Obersten Kriegsrats (Januar 1935) und erhält die Militärmedaille (am 31. Dezember 1935). Als Chef des Führungsstabs der nationalen Verteidigung (21. Januar 1938) übernimmt er im September 1939 das Oberkommando über die alliierten Streitkräfte in Frankreich. Seine taktischen Vorstellungen sind jedoch überholt : er weigert sich, Panzer und Luftwaffe massiv einzusetzen und zieht eine defensive Strategie auf der Grundlage der Maginot - Linie vor und tendiert dazu, das Kommando an der Front zu delegieren; die französischen Streitkräfte widersetzen sich, aber ohne Erfolg - "wir sind alle, das ist so gut wie unvermeidlich, Menschen eines Milieus und einer Epoche, auch wenn wir versuchen, uns gegen bestimmte Elemente des Klimas zur Wehr zu setzen", schreibt er später als Rechtfertigung in seinen Memoiren. Am 19. Mai 1940 wird General Gamelin seines Kommandos enthoben und am 6. September von der Vichy - Regierung verhaftet. Er wird zusammen mit Blum, Daladier, Mandel und Reynaud im Fort von Portalet interniert und wird am 19. Februar 1942 vor das parlamentarische Sondergericht in Riom gestellt, das er zwingt, sich zu vertagen (11. April), indem er sich weigert, an den Debatten teilzunehmen - "dem Prozess fehlte es also in der Tat an der Vorbereitung", bemerkte er in seinen Memoiren. Als die freie Zone von der Wehrmacht besetzt wird, schickt man den Oberbefehlshaber im März 1943 in die Gefangenschaft nach Buchenwald, dann nach Itter im österreichischen Tirol, bis er am 5. Mai 1945 von den amerikanischen Truppen befreit wird. Nach seiner Rückkehr nach Paris widmet sich Maurice Gamelin dem Schreiben seiner Memoiren mit dem Titel "Dienen", die 1946 veröffentlicht werden. 1954 fügt er ihnen seinen Erfahrungsbericht über den Ersten Weltkrieg, "Manöver und Sieg an der Marne" hinzu.